Der Dietiker SVP-Gemeinderat Stephan Wittwer sagte dem Stadtrat und seinen 26 anwesenden Parlamentskollegen Donnerstagabend nochmals deutsch und deutlich, dass er unzufrieden ist. In der Antwort auf seine Interpellation zum Thema Tempo 30, so Wittwer, habe der Stadtrat keine Antwort gegeben, wieso er überhaupt jeweils Tempo 30 einführe.

Wenn Tempo 30 die Sicherheit erhöhe, würde er dies durchaus begrüssen, sagte Wittwer. Allerdings sei dem gar nicht so. Dafür stellte er einen Zehnjahresvergleich an. So habe die Anzahl Unfälle auf Dietiker Nebenstrassen zwischen 2006 und 2016 von 116 auf 126 zugenommen, die Anzahl Unfälle auf Hauptstrassen sei von 48 auf 52 gestiegen und die Anzahl Unfälle mit Fussgängern von 13 auf 19. «Und diese Zahlen trotz mehr Tempo-30-Zonen in der Stadt Dietikon!», sagte Wittwer. «Da sind doch die Handys schuld. Zudem hat Dietikon inzwischen mehr Einwohner», entgegnete Beat Hess (Grüne). Und: «Wer sich gegen Tempo 30 wehrt, ist unbelehrbarer als der TCS und der ACS.»

Aber Wittwer wusste zu kontern. Auf die Voten von Rosmarie Joss (SP) und Beat Hess sagte er: «Wir haben jetzt die ewigen Ja-Sager gehört.» Aber ausser «Ja» habe man keine Gründe gehört, führte Wittwer weiter aus. Und fügte an: «Beat Hess ist so frustriert. Zügle doch nach Zürich, dort hast Du alles, was du brauchst!» Es war der Schlusssatz eines engagierten Schlagabtauschs, bei dem man sich aber nicht nur aufs Dach gab. Denn mit einer Aussage von Wittwer zeigte sich auch Rosmarie Joss einig. «Sofort nach Installation einer Tempo-30-Zone müssen Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt werden. So wird Tempo 30 sofort befolgt», hatte Wittwer gesagt. Dies würde dann den Sicherheitszweck von Tempo-30-Zonen tatsächlich erfüllen respektive deren Wirksamkeit erhöhen, hatte Wittwer ausgeführt.

Mehr Tempo 30 im Osten?

Im Weiteren hielt die Uneinigkeit im Saal aber Bestand. So zeigte sich Rosmarie Joss zufrieden mit der Antwort des Stadtrats. «Wir haben nicht zu viel, sondern zu wenig Tempo-30-Zonen, gerade im Osten Dietikons», hielt Joss weiter fest. Für sie ist Tempo 30 ganz klar eine Frage der Sicherheit. So wies sie darauf hin, dass die Verletzungsgefahr bei tieferen Geschwindigkeiten wesentlich tiefer sei.

Stephan Wittwer: Dietiker SVP-Gemeinderat

«Mit den Betonkissen werden zusätzliche Lärmquellen eingebaut.»

Stephan Wittwer: Dietiker SVP-Gemeinderat

Neben dem Thema Sicherheit sorgte aber auch das Thema Lärm für viel Gesprächsstoff. Denn als die Rede auf das Bundesgerichtsurteil zu Tempo 30 in der Stadt Zürich kam, wies Wittwer darauf hin, dass selbst das Bundesgericht keinen Beweis dafür habe liefern können, dass Tempo 30 den Lärm tatsächlich reduziere. «Man kann sich doch nicht das Ziel setzen, den Lärm zu reduzieren, ohne Lärmmessungen durchzuführen», kritisierte Wittwer.

Ausserdem argumentierte er, dass Tempo 30 manchmal sogar zu mehr Lärm führen würde. «Mit den Betonkissen werden nämlich zusätzliche Lärmquellen eingebaut», sagte Wittwer. Natürlich kam die emotionale Tempo-30-Diskussion auch auf das Blüemliquartier zu sprechen, wo sich Wittwer juristisch gegen Tempo 30 einsetzt. Beat Hess gab Wittwer zu verstehen, dass dort auch sehr viele Befürworter von Tempo 30 wohnen würden. Wittwer entgegnete, dass er auch sehr viele Gegner im Quartier kenne. Erst kürzlich sei er etwa in der Landi von einem Bürger angesprochen worden, der Betonkissen als «scheiss Schwellen» bezeichnet habe.