Nachdem der Italiener und seine Freunde in einem Dietiker Lokal Wasserpfeife geraucht hatten, warteten sie am Gleis 3 des Bahnhofs auf den Zug.

Winter, es war kalt, zum Glück hat es auf dem Perron ein Wartehäuschen. Dessen Türe kann laut sein, wenn sie gegen die Wand des Wartehäuschens prallt. Dieser Fauxpas unterlief auch dem Italiener, als er für eine Zigarette nach draussen aufs Perron ging.

Mit zwei Ohrfeigen fing der Kampf an

Der sich ergebende Türknall behagte einem anderen Mann im Wartehäuschen nicht. Er kam nach draussen, sagte zum Italiener ein paar Worte und verpasste ihm zwei Ohrfeigen.

Das liess sich der Angegriffene nicht gefallen. Sein Konter: ein Faustschlag ins Gesicht. Der betrunkene Angreifer fiel zu Boden, gab aber nicht auf. «Du Hurensohn, ich ficke deine Mutter», schrie er von unten. Das geht nicht, fand der andere. Und kickte den Provokateur mit dem Fuss ins Gesicht, sodass dessen Nase brach. Auf einer Skala von eins bis zehn habe die Wucht des Tritts etwa sechs betragen, gab er später den Ermittlern zu Protokoll.

Täter flüchteten mit dem Zug in Richtung Aargau

Dann noch ein Faustschlag, zwei Kollegen kamen hinzu und versetzten dem am Boden liegenden Mann Fusstritte in den Rücken. Er regte sich nicht mehr, sackte zusammen, knallte mit dem Kopf gegen den Boden. Dann kam der Zug Richtung Aargau, es war eine gute halbe Stunde vor Mitternacht. Der Zug fuhr ab – mit dem Italiener und seinen Kollegen.

Die Polizei hatte relativ leichtes Spiel: Eine Überwachungskamera hielt den wenige Sekunden dauernden Kampf fest. Um ein Uhr morgens wurde der Italiener inhaftiert. Nach zwei Tagen endete die Untersuchungshaft.

Der Kampf auf dem Bahnhofperron war nicht der einzige Sachverhalt: Der Verurteilte hatte auch Kokain konsumiert. Heute ist er clean.

Auch Drogen waren ein Thema

Der Kampf auf dem Bahnhofperron war nicht der einzige Sachverhalt: Der Verurteilte hatte auch Kokain konsumiert. Heute ist er clean.

Perron-Prügler war nicht vorbestraft

Er hatte sich noch nie etwas zuschulden kommen lassen und legte ein vollumfängliches Geständnis ab. Das Bezirksgericht Dietikon verurteilte den Mann aus dem Zurzibiet am Freitagnachmittag zu 16 Monaten Gefängnis bedingt, wegen versuchter schwerer Körperverletzung und Raufhandels. Dazu kamen Gerichts- und Verfahrenskosten sowie eine Busse von 500 Franken wegen mehrfachen Kokainkonsums. Die Bewährungsfrist beträgt zwei Jahre.

«Wir sind uns durchaus bewusst, dass sie provoziert worden sind», sagte Gerichtspräsident Stephan Aeschbacher in Bezug auf die beiden Ohrfeigen. «Aber wenn einer ausser Gefecht gesetzt ist, sieht man das. Ihm dann noch einen Fusstritt gegen den Kopf zu versetzen, das geht nicht, unter keinen Umständen», so Aeschbacher weiter. Wenig hätte gefehlt und aus der versuchten wäre eine vollendete schwere Körperverletzung geworden.

«Wir sind aber zuversichtlich, dass das ein einmaliger Ausrutscher war – oder eine einmalige Entgleisung», so der Richter weiter.