Es ist genoppt und erfreut sich bei Schweizer Frauen wachsender Beliebtheit: das Straussenleder. Immer öfters ist es in den Einkaufsmeilen, in den Schaufenstern und an den Schultern von Frauen, zu sehen. «Bis vor kurzem war Straussenleder noch ein Exot», sagt Silvia Schneider, Geschäftsführerin der Schlieremer Kommunikationsagentur Karl F. Schneider AG. Unter deren Dach gründete Schneider vor zwei Jahren mit ihrem Mann Christian Schneider und dem befreundeten Heini Kählin das Label «Strauss Switzerland». Vor einem Monat folgte der offizielle Launch, und seither produzieren und vertreiben sie Lederwaren im Luxussegment, vor allem Handtaschen. Die billigste Tasche aus der aktuellen Kollektion kostet 1900 Franken.

Schweizer Luxusprodukte

In Südafrika, wo der Vogel schon seit langem durch sein Fleisch, seine Federn und sein Leder sehr beliebt ist, kam sie auf den Plan. Sie wollte selbst Produkte aus dem Leder entwerfen und den Schweizer Markt damit bedienen. Allmählich, auch mit dem Aufkommen von Straussenfleisch auf Schweizer Tellern, komme das Leder in Mode. «Es ist ausserordentlich robust und dennoch fein anzufassen. Es überzeugt auf der ganzen Linie», sagt sie. Aber nicht jedes genoppte Leder ist echtes Straussenleder. Um die Echtheit des Leders festzustellen, rät Schneider, unter den Noppen nach einer kleinen Öffnung zu suchen. Ist sie vorhanden, so ist das Straussenleder echt. In der winzigen Öffnung war ehemals die Feder eingeschlossen.

Beflügelt von der Geschäftsidee, suchte sie in Südafrika nach möglichen Handelspartnern, wandte sich aber bald von der Suche ab. Sie wisse nicht, wie die Tiere dort gehalten würden und wie die Arbeitsbedingungen auf den Farmen seien, sagt Schneider. Sie lege aber Wert auf artgerechte Haltung und faire Löhne. Deshalb entschied sie sich, ihre Handtaschen in der Schweiz zu produzieren. So kam sie auf die Lederhandelsfirma Novalpina AG in Grenchen, welche die Schweizer Straussenhäute von der Straussenfarm Eberle im sankt-gallischen Mörschwil bezieht. «Die Tiere werden dort artgerecht gehalten», sagt sie.

Die Häute werden gegerbt, gefärbt und anschliessend zur weiteren Verarbeitung dem Atelier Mouette übergeben. Irene Meier fertigt die Taschen dann nach den Design-Vorgaben von Schneider in ihrem Atelier in Rorbas an. Der Vertrieb und die Vermarktung der Taschen erfolgen über das Internet. Seit der Lancierung konnten 15 Exemplare verkauft werden, viele Kunden kommen auch aus dem Bekanntenkreis.

Silvia Schneider ist vom Marktwert der Straussen-Leder-Tasche überzeugt. Das Produkt sei hochwertig und jedes Teil eine Auftragsarbeit. «Ziel wäre es, zwei Taschen pro Monat zu verkaufen», sagt sie.

Silvia Schneider ist vom Marktwert der Straussen-Leder-Tasche überzeugt. Das Produkt sei hochwertig und jedes Teil eine Auftragsarbeit. «Ziel wäre es, zwei Taschen pro Monat zu verkaufen», sagt sie.

Keine Wegwerfmode

Interessierte Kunden lassen sich vorab von ihr beraten. Die Farbe und einige Details, wie etwa die Aufteilung der Fächer im Inneren oder die Länge der Träger können individuell gewählt werden. Dies sei wichtig, weil diese Taschen ein Leben lang halten und Freude bereiten sollen. Es werden auch keine Taschen auf Vorrat produziert, sondern jedes Teil ist eine Auftragsarbeit. «Das sind zeitlose Produkte mit bleibendem Wert», sagt Schneider. «Wir setzen auf Schweizer Handarbeit und qualitativ hochwertiges Material.» Entsprechend hoch sind die Preise.
Für die grösste Tasche im Sortiment legt die Kundin 4200 Franken auf die Theke. Zielgruppe sind dementsprechend Frauen, die sich so etwas leisten können. Auch das klassische, schlichte Design entspreche eher dem Geschmack von Frauen über vierzig als den jüngeren.

Und was gibt es für die männliche Kundschaft? Bis jetzt habe sie sich noch wenig Gedanken darüber gemacht. Schneider könne sich aber durchaus vorstellen, in der nächsten Kollektion 2015 eine Aktentasche anzubieten. Die diplomierte PR-Beraterin steckt voller Tatendrang. «Ich freue mich, nebst der Kommunikationsberatung und Schreibarbeit auch endlich einmal etwas Handfestes zu produzieren», sagt sie.