Finanzdirektor Ernst Stocker (SVP) und Sicherheitsdirektor Mario Fehr (SP) geben ein gutes Duo ab, das nach ihrer Politkarriere durchaus auch auf eine Comedy-Tour gehen könnte. Dies bewiesen die beiden Regierungsräte am Mittwochabend an einem lockeren Podium in Dietikon vor knapp 50 Personen.

Der Abend war als Kreuzverhör angekündigt; der Dietiker Stadtpräsident Bachmann (SVP) löchert den SP-Magistraten Fehr mit Fragen, im Gegenzug stellt dessen Schlieremer Amtskollege Markus Bärtschiger (SP) dem SVP-Politiker Stocker unbequeme Fragen.

Vom Schiessen und Kochen

Dass er – obwohl er bei der armeeaffinen Volkspartei politisiert – bei einem Schiesswettbewerb das schlechteste Ergebnis seines Teams und damit das Streichresultat erzielt habe, das sei «kalter Kaffee», entgegnete Stocker auf eine entsprechende Frage. Er habe zwischenzeitlich einen Kurs belegt, und zwar bei Mario Fehrs Kantonspolizei. «Beim letzten Ratsherrenschiessen habe ich nun alle Kollegen überrascht», sagte der Wädenswiler lachend.

Und als Fehr, der sich für Tibet engagiert, gefragt wurde, ob er kochen könne, antwortete er, dass das vorgebrachte tibetische Sprichwort wohl schlecht übersetzt worden sei: Statt «widme dich der Liebe und der Küche mit ganzem Herzen» müsste es wohl eher «widme dich der Köchin» heissen. Und dann könne er durchaus mit einem bestimmten Ja antworten, meinte der Adliswiler schmunzelnd.

Wie Fehr in einem anderen Zusammenhang ausführte, verfügt er über exakt drei Anzüge und drei Krawatten. «Aber keine Angst, ich habe 27 weisse Hemden, und die wechsle ich täglich.» Und zu Stocker gewandt: «Meine Frau sagt immer, Du hast einen tollen Freizeitlook. Wie machst Du das eigentlich?». Seine Frau lege ihm die Kleider bereit, so Stocker trocken.

Die Frage des Klimas

Neben dem gut gelaunten, halbprivaten Kreuzverhör wurden Stocker und Fehr im Vorwahlkampf natürlich auch politisch in die Zange genommen. SP-Stapi Bärtschiger warf Stocker beispielsweise vor, dass der Kanton zu wenig gegen den Klimawandel unternehme.

«Wir machen viel», entgegnete Stocker. So habe etwa der Energieverbrauch im Kanton insgesamt abgenommen, obwohl die Bevölkerungszahl markant gestiegen sei. Bezüglich Wärmedämmung und Isolation sei viel gegangen. «Früher brauchte es für einen Kubikmeter Wohnraum 30 Liter Heizöl, heute reichen 3,5 Liter aus.» Und ob eine zusätzliche Abgabe auf Flugreisen etwas bringen würde, bezweifelte der 63-Jährige: «Wenn das Ticket 50 Franken mehr kostet, wird nicht weniger geflogen.»

Dem hielt Fehr entgegen, dass es nicht sein könne, dass Reisende, die eigentlich mit dem Schnellzug nach Paris fahren wollen, aus Kostengründen das Flugzeug nehmen. «Der Wettbewerb muss so sein, dass die Preise zumindest gleich teuer sind.»

Zudem könnte der Kanton in gewissen Bereichen – etwa bei der Veloförderung oder der Gebäudesanierung – durchaus mehr tun. Doch im Grundsatz zeigte er sich mit Stocker einig, dass bereits viel unternommen werde. «Wir haben beispielsweise einen guten Richtplan und einen sensationellen öffentlichen Verkehr.»

Limmattal wird nicht vernachlässigt

SVP-Stapi Bachmann kritisierte, dass gerade städtische Gemeinden mit einer schwierigen Bevölkerungsstruktur zu wenig Unterstützung erhielten. «Die Limmattaler haben das Gefühl, dass Ihr Seebuben Euch nicht so um uns kümmert.»

Fehr, dessen neues Sozialhilfegesetz angesprochen war, hatte in der zu Ende gegangenen Vernehmlassung die Kritik am Verteilschlüssel erwartet. Denn der Entwurf sieht vor, dass die Gemeinden 75 Prozent der Sozialhilfekosten zu tragen haben, der Kanton 25 Prozent. «Wir sind gesprächsbereit», sagte Fehr. Der 60-Jährige stellte in Aussicht, dass sich der Kantonsanteil noch etwas erhöhen könnte. «Aber ich erwarte schon, dass auch die reichen Gemeinden etwas zahlen.»

Es gehe dem Limmattal auch gar nicht schlecht, führte Fehr weiter aus. «Es macht eine extrem tolle Entwicklung durch.» Er verwies unter anderem auf die Limmattalbahn, den Ausbau der Überlandstrasse und weitere Infrastrukturbauten: «Das Limmattal wird – auf fünf, zehn Jahre gesehen – der Gewinner sein.»

Steuerreform nicht gegen Gemeinden

Auch Stocker wies Kritik, dass der Kanton Politik zulasten der Gemeinden betreibe, zurück. Seine Steuervorlage habe nicht das Ziel, dass die Gemeinden weniger Steuern einnehmen, sondern «dass die Unternehmen im Kanton bleiben und hier weiterhin Steuern bezahlen».

Beide Regierungsräte wollten zudem den Pauschalvorwurf des «Seebuben», der verschiedene Privilegien andeutet, nicht unkommentiert stehen lassen. Adliswil liege in einem Seitental, sagte Fehr. Den See sehe er erst, wenn er auf die Felsenegg gehe, und die gehöre zu Stallikon. Und Stocker meinte, dass er zwar immerhin nicht nach Stallikon gehen, aber doch auf seinen Silo steigen müsste, um das blaue Nass zu sehen.

SVP und SP teilen sich das Auto

Und so ging es im Saal des Hotels Sommerau weiter im lockeren Hin und Her zwischen den beiden Regierungsräten. Am Ende der von SVP und SP organisierten Veranstaltung, die von David Egger, Chefredaktor der Limmattaler Zeitung, moderiert worden war, meinte Fussballfan Fehr, dass er nun gemeinsam mit Stocker heimfahre. Die Rollen seien dabei klar verteilt: «Ernst wird im Wagen wieder ständig reden, ich werde Chelsea gegen Tottenham auf dem Handy schauen.» Und wieder lachten die beiden auf dem Podium und die Zuhörer im Saal.

Die Regierungsratswahlen finden am 24. März statt. Neben Fehr und Stocker kandidieren auch Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP), Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) und Justizdirektorin Jacqueline Fehr (SP) für eine weitere Legislatur.

Neu in die Zürcher Regierung wollen die Nationalrätinnen Natalie Rickli (SVP) und Rosmarie Quadranti (BDP) sowie die Kantonsräte Thomas Vogel (FDP), Jörg Mäder (GLP), Martin Neukom (Grüne), Hanspeter Hugentobler (EVP) und Hans Egli (EDU) sowie der Stadtzürcher Gemeinderat Walter Angst (AL).