Dietikon
Stiftungsratspräsident: «Viele Volkshochschulen verschwinden, wir nicht»

Was interessiert das Volk? Dieser Frage musste sich 1932 Karl Klenk stellen, als er die Gründung der Volkshochschule Dietikon anregte. Achtzig Jahre später heisst der Präsident der Stiftung Ernst Joss und auch er sieht sich der Frage immer wieder von Neuem gegenübergestellt.

Pablo Rohner
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Ernst Joss ist Stiftungsratspräsident der Volkshochschule Dietikon

Ernst Joss ist Stiftungsratspräsident der Volkshochschule Dietikon

Anina Gepp

Manche Themen interessieren zeitlos. So zeigt ein Blick in die Veranstaltungslisten der frühen Tage, dass beispielsweise lokale Geologie und Kurse zu Gesundheit und Wohlbefinden bereits in den Dreissiger Jahren bildungshungrige Bürger mobilisierten.

Einschnitt im Jahr 2005

Hingegen erfuhren die finanziellen Verhältnisse der Zürcher Volkshochschulen vor einigen Jahren eine bedeutende Zäsur . Bis dahin war die Volkshochschule Dietikon der kantonalen Volkshochschule Zürich angeschlossen. Während dieser Zeit übernahm Zürich gewisse Verwaltungsarbeiten und kam für die Defizite der über vierzig Zweigstellen im Kanton auf. Damit war plötzlich Schluss. Im Jahr 2005 wurden viele kleinere Volkshochschulen vor die Wahl gestellt: selbstständig werden, oder von der Bildfläche verschwinden. Als Begründung machte die kantonale Volkshochschule die defizitäre Gesamtrechnung geltend und erklärte die Zweigstellen zu den Hauptverantwortlichen.

Noch heute zweifelt Ernst Joss an der Begründung: «Ich habe immer bestritten, dass die damals gemachte Rechnung stimmte». Das war vor sieben Jahren und die Volkshochschule Dietikon kommt seither mit der Selbstständigkeit in Partnerschaft mit der kantonalen Volkshochschule gut zurecht. «Viele sind verschwunden, wir nicht», zeigt sich Joss stolz.

Wohlgesinnte Stadtpolitik

Nach dem folgenschweren Beschluss verringerte sich die Zahl der Volkshochschulen im Kanton drastisch. Von den ehemals 41 Einrichtungen überlebten nur rund 10 das grosse Sterben. Dass die Volkshochschule Dietikon nicht unterging, liegt auch an der Unterstützung der Stadt. Ohne diese Subventionen wären die Volkshochschulen ausserhalb des Zentrums Zürich nicht zu betreiben, stellt Joss klar. Im Gegenzug mache es eine Stadt attraktiver, wenn eigenständige Kultur- und Bildungsangebote gedeihen. Zwei Drittel der heutigen Subventionsgelder von jährlich 14'000 Franken stammen von der Stadt, den Rest bringt der Kanton auf.

Verjüngung bedingt erwünscht

Um die materielle Zukunft der Volkshochschule macht sich Ernst Joss keine Sorgen. Es sind andere Fragen, die ihn beschäftigen. Dass junge Leute den Hörsälen der Volkshochschulen weitgehend fern bleiben, würde man gerne ändern, sagt Joss, gibt aber umgehend zu: «Wir haben den Schlüssel noch nicht gefunden.» Sprachlehrgänge und Computerkurse wurden im Stiftungsrat als mögliche Magnete für junge Arbeitnehmer diskutiert. Doch man möchte nicht mit den entsprechenden Kursen des Bildungszentrums konkurrieren.

Dass eine radikale Neuausrichtung des Programms für die Volkshochschule nicht infrage kommt, liegt für Ernst Joss auf der Hand. Bildungshungrige Pensionierte würden auch in Zukunft die Stammzielgruppe der Volkshochschulen bilden.

Jubiläumsfeier am Samstag

Ein erster Schritt in diese Zukunft ist die morgige Jubiläumsmatinée im Gemeinderatssaal des Stadthauses von Dietikon. Der Dietiker alt Regierungsrat Markus Notter wird dort eine Festansprache halten. Im Publikum wird dann auch der mittlerweile über hundertjährige Karl Klenk zuhören.