Dietikon
Stiftung kauft Jugendlichen an der Neumattstrasse ein Zuhause

Die Stiftung Jugend und Wohnen erwirbt von der Stadt Dietikon das Haus, in welchem sie schon seit über 30 Jahren untergebracht wird. Der Kauf sichert die Zukunft des Betriebes ab.

Tobias Hänni (Text und Foto)
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Die Stiftung kauft Dietikon das Haus an der Neumattstrasse für rund eine halbe Million Franken ab.

Die Stiftung kauft Dietikon das Haus an der Neumattstrasse für rund eine halbe Million Franken ab.

Tobias Hänni

Seit über 30 Jahren leben an der Neumattstrasse in Dietikon Jugendliche und junge Erwachsene, die aufgrund einer schwierigen Lebenssituation nicht mehr zu Hause, aber auch noch nicht alleine wohnen können. In dem Haus bietet die Stiftung Jugend und Wohnen seit 1982 sechs betreute Wohnplätze an. Bisher war die Stiftung in der Liegenschaft eingemietet, nun kauft sie sie der Stadt Dietikon ab.

«Jugend und Wohnen»: Häuser in Dietikon und Schlieren

Die bis 2005 als Verein organisierte Stiftung Jugend und Wohnen betreibt in Schlieren und Dietikon je ein Haus für Jugendliche und junge Erwachsene. In Schlieren bietet sie in einem Haus auf dem ehemaligen Areal des Gaswerks zehn Plätze an, acht in einer rund um die Uhr betreuten Wohngruppe, zwei in einer teilbetreuten Wohnung. Die Dietiker Wohngruppe ist ebenfalls teilbetreut.
Die Wohngruppen sind laut Stiftungsratspräsidentin Carol Hofer gänzlich ausgelastet, für Plätze besteht immer eine Warteliste. (Hae)

«Der Erwerb des Hauses war bei uns schon länger ein Thema», sagt Stiftungsratspräsidentin Carol Hofer. Erste Gespräche dazu seien schon vor einigen Jahren mit der Stadt geführt worden. Diese habe schon damals Bereitschaft signalisiert, das Haus zu verkaufen. Laut Hofer haben die beiden Parteien nun einen Vertrag abgeschlossen. Die Liegenschaft wird per Anfang 2018 für über 500000 Franken den Besitzer wechseln.

Auf Spenden angewiesen

Hinter dem Erwerb stehen bei der Stiftung Überlegungen zur langfristigen Gewährleistung des Betriebs. «Eine eigene Liegenschaft gibt uns dafür mehr Sicherheit», sagt Hofer. Die Mieten im Limmattal seien am Steigen, was es für die Stiftung künftig schwieriger mache, gute und auch bezahlbare Immobilien zu finden. «Unser Angebot wird aber auch in 20 oder 30 Jahren noch in Anspruch genommen werden», ist Hofer überzeugt.

Noch bevor das Gebäude Anfang 2018 ins Eigentum der Stiftung übergeht, möchte es diese umfassend renovieren. «Das Haus wird in Übereinstimmung mit den kantonalen Vorschriften behindertengerecht gemacht.» Dafür werde beim Eingangsbereich ein Glaslift ans Haus angebaut sowie ein Badezimmer vergrössert. Ausserdem wird das Gebäude laut Hofer auch energetisch auf Vordermann gebracht, und im Untergeschoss entsteht ein zusätzliches Zimmer. Kostenpunkt der Sanierung: Knapp eine Million Franken. Zusammen mit dem Kauf des Gebäudes und Investitionen in neues Mobiliar entstehen der Stiftung Kosten von 1,65 Millionen Franken.

Zwar steuern laut Hofer der Bund und der Kanton Zürich rund 600 000 Franken an die Sanierungsmassnahmen zur Behindertengerechtigkeit bei. Trotzdem ist die Stiftung – das erste Mal seit ihrer Gründung – auf Spenden angewiesen. Sie hat deshalb Organisationen und Gemeinden um einen Beitrag angefragt. «Wir haben bis anhin unter anderen von zwei grossen Stiftungen namhafte Beträge erhalten», so Hofer.

Negativer Bescheid der Gemeinden

Etwas enttäuschender verlief die Anfrage bei den Gemeinden im Limmattal, die teilweise – für eine Tagespauschale – Jugendliche in den Wohngruppen der Stiftung platziert haben. Als einzige Gemeinde hat Aesch einen Betrag an das Projekt beigesteuert – wenn auch mit 1000 Franken eher einen symbolischen. Die anderen haben sich laut Hofer im Rahmen der Konferenz der Gemeinde- und Stadtpräsidenten des Bezirks Dietikon gegen einen Beitrag an das Projekt entschieden.

«Die Absage wurde damit begründet, dass unsere Stiftung über ein Vermögen von 300 000 Franken verfügt», sagt Hofer, selbst Sozialvorständin in Uitikon. Das treffe zwar zu, nur könne von diesem Vermögen lediglich ein Drittel für den Kauf des Hauses verwendet werden. «Den Rest brauchen wir, um finanzielle Schwankungen im laufenden Betrieb auszugleichen.» So seien Abrechnungen mit Kanton, kostentragenden Gemeinden und der IV oft sehr langwierig und kompliziert und zögen sich zum Teil über Monate hin.

Hofer erwartet zwar noch die Zusage für eine weitere, grössere Spende. Trotzdem fehlen zurzeit noch etwa 400 000 Franken für die Finanzierung des Projekts. «Wir werden uns deshalb weiter um Spenden bemühen», so die Stiftungsratspräsidentin. Komme die benötigte Summe bis zum Start der Sanierungsarbeiten nicht zusammen, gebe es die Möglichkeit eines Übergangskredits. Bereits im nächsten Sommer möchte die Stiftung mit dem Umbau des Hauses beginnen und diesen bis im Herbst abgeschlossen haben. Während der Bauarbeiten wird das Jugendwohnheim im Pfadiheim Dietikon untergebracht.