Der Energiekonzern Axpo will die Tochtergesellschaft EGL AG mit einer Niederlassung in Dietikon per Oktober 2012 integrieren. Diese Restrukturierung soll 140 Vollzeitstellen kosten. «Ungefähr die Hälfte der abzubauenden Stellen könnten Baden betreffen», liess Konzernchef Heinz Karrer an der Pressekonferenz am Montag gegenüber der az verlauten. Die übrigen Stellen sollen bei der EGL AG in Dietikon gestrichen werden.

In der Medienmitteilung der EGL AG zum Geschäftsjahr 2010/11, die ebenfalls am Montag erschienen ist, wird der geplante Stellenabbau mit keinem Wort erwähnt. Darauf angesprochen gibt sich die EGL auch am Tag nach Bekanntwerden des Stellenabbaus wortkarg und verweist an die Axpo: «Die Besetzung der neuen Organisation soll bis im März abgeschlossen sein. Erst danach sind konkrete Aussagen möglich», sagt Mediensprecher Richard Rogers. Die Zahl von rund 70 Vollzeitstellen, die Konzernchef Karrer für Dietikon angedeutet hat, könne er nicht bestätigen, so Rogers weiter.

Ähnlich äussert sich auch Daniela Biedermann, Mediensprecherin der Axpo, gestern auf Anfrage: «Die In-terpretation, dass 70 Stellen in Dietikon wegfallen, ist falsch. Erstens fällt der Hauptteil des Stellenabbaus bei den Stabsfunktionen an und da sind Axpo AG und Axpo Holding AG weit mehr betroffen als die EGL. Zudem werden bisherige EGL-Mitarbeiter neu in Baden arbeiten, bisherige
Axpo-Mitarbeiter neu in Dietikon arbeiten.»

«Für Betroffene hart»

Dass es in Dietikon zu einem Stellenabbau kommen wird, scheint aber unbestritten. Die Stadt nimmt diese Nachricht mit Betroffenheit zur Kenntnis: «Es ist kein gutes Signal
in einem ohnehin wirtschaftlich schwierigen Umfeld», sagt Jasmina Ritz, Leiterin Standortförderung der Stadt Dietikon. Die EGL AG habe viel in den Standort Dietikon investiert und sei eine entsprechend wichtige Arbeitgeberin. «Dass jetzt eine grosse Anzahl Stellen abgebaut werden sollen, ist substanziell und für die Betroffenen hart.» Dennoch hält Ritz fest, dass auch viele positive Zeichen aus der Dietiker Wirtschaft zu vernehmen seien und die Auftragslage gut ist.

Den Mitarbeitern der EGL AG wird nun Hilfe angeboten: «Wir werden mit der Axpo in Kontakt treten und Mitarbeiterinformationen durchführen», sagt Peter Greif, Leiter des Regionalen Arbeitsvermittlungszentrums (RAV) Dietikon. Das entspreche dem normalen Ablauf in solchen Fällen.

Faktor Fukushima

Die Turbulenzen an den Finanz- und Währungsmärkten, der Unfall in Fukushima, der geplante Atomausstieg – der Energiekonzern Axpo wurde auf dem falschen Fuss erwischt. Nach dem massiven Gewinnrückgang muss der Stromkonzern sparen. Mit der vollständigen Übernahme der EGL AG will die Axpo
die Handelsgeschäfte sowie diverse Steuerungs- und Servicefunktionen zusammenlegen, schreibt die Axpo in der Medienmitteilung zur geplanten Integrierung der EGL AG. «Dadurch lassen sich Doppelspurigkeiten eliminieren, Kompetenzen konzentrieren, Abläufe vereinfachen und so Kosten reduzieren.» Teilweise würden die Stellen durch natürliche Fluktuationen und vorzeitige Pensionierungen abgebaut. «Es wird aber auch zu Entlassungen kommen», so die Axpo weiter. Für die austretenden Mitarbeiter sei ein Sozialplan erstellt worden.