Viele bunt bemalte Kiesel der Schülerinnen und Schüler spielten bei der Grundsteinlegung am Montag in der Schulanlage Steinmürli die Hauptrolle. Es galt, einem Provisoriumsbau den symbolischen Startschuss zu geben. Nach kurzen Ansprachen von Schulvorsteher Jean-Pierre Balbiani (SVP) sowie von Hochbauvorsteherin Esther Tonini (SP) warfen die Fünftklässler die von den Steinmürli-Schülern mit Tupfen, Initialen und kleinen Gesichtern verzierten Steine in hohem Bogen in eine vorbereitete Grube auf dem Gelände, wo der zukünftige Bau zu stehen kommen wird. Nicht alle bemalten Steine wurden für die Grundsteinlegung verwendet. Einige von ihnen werden zu einem späteren Zeitpunkt in die Eingangsrampe eingebaut, wo jeder Eintretende sie bewundern kann.

Vor etwa drei Wochen waren die ersten Arbeiter mit ihren Baumaschinen auf dem Sportgelände der Schule angerückt. Bis zum Beginn des kommenden Schuljahres werden sie hier einen Pavillon in Holzbauweise errichten, der Klassenzimmer und Horträume für 110 Kinder umfassen wird. Im September letzten Jahres hatte das Stimmvolk einem Baukredit in Höhe von gut fünf Millionen Franken für den Bau zugestimmt.

«Grosser Stein vom Herzen gefallen»

«Damals ist mir ein grosser Stein vom Herzen gefallen», meinte Balbiani in seiner Ansprache. Der Bau ist dringend nötig, denn das Schulraumangebot hält nicht Schritt mit den stetig steigenden Schülerzahlen in Dietikon. Die Grafik unten zeigt, vor welchen Herausforderungen die Stadt steht.

Bei dem Bau an der Steinmürli-Schule handelt es sich nicht um einen Neubau, sondern um eine längerfristige Übergangslösung, die gebraucht wurde, weil das Dietiker Stimmvolk 2012 gegen das von der Stadt geplante Mietschulhaus im Limmatfeld votiert hatte. Also musste eine andere, schnell umsetzbare Lösung gefunden werden. War zu Beginn der Planungen immer von «Provisorium» die Rede, änderten die Stadträte Balbiani und Tonini die Projektbezeichnung: «Wir sprechen nun lieber von einem Erweiterungsbau.»

Das ist auch passender für ein Gebäude, das 20 Jahre lang von der Schulfamilie genutzt werden wird. Beide verwiesen in ihren Ansprachen darauf, wie ambitioniert der Zeitplan für die Errichtung ist. Tonini sprach gar davon, dass man «zaubern» werde. Auch Architekt Manuel Scholl von agps architecture ltd. meinte, es werde sehr knapp mit der Zeit und dass das Team sich wirklich werde anstrengen müssen, die Zeitvorgabe zu erfüllen. Aber er sei zuversichtlich. Ansonsten schwärmte Scholl vom verwendeten Material Holz, das in der Werkstatt vorfabriziert werden könne, nachhaltig und wärmetechnisch optimal sei.

Multifunktionszimmer

In dem zweigeschossigen Bau sind sechs Klassenzimmer, ein Kleinklassenzimmer und ein Multifunktionszimmer vorgesehen. Auch ein Hortraum inklusive Ruheraum, eine Hortvorzone mit Garderobe, Waschtrog und Küche sind geplant. Sechs kleine Gruppenräume und ein Lehrervorbereitungszimmer ergänzen das Raumangebot. Neben zwei geschlechtergetrennten WC-Anlagen wird es auch zwei behindertengerechte WCs geben.

Das Raumprogramm orientiert sich an den kantonalen Richtlinien für die Erstellung von Schulraum. Der Bau erfüllt zudem alle energetischen Standards, welche die Stadt für Neubauten vorschreibt und ist «dank seiner dichten Hülle gut gegen Lärmemissionen geschützt», wie es in einer Medienmitteilung zur Grundsteinlegung heisst. «Wir wollen für clevere Kinder ein cleveres Gebäude machen» zeigte sich Architekt Scholl überzeugt von dem Projekt. Man werde in ein paar Jahren das Gefühl haben, das Gebäude sei schon immer da gewesen.

Schwierige Schulraumplanung

Am Rande der Grundsteinlegung berichtete Jean-Pierre Balbiani von einer Klausur des Dietiker Stadtrats im Juni, an der man unter anderem die nächsten Schritte in Sachen Schulraumplanung angehen werde. Er liess keinen Zweifel, dass noch ein weiter Weg zu gehen ist: «Schulraumplanung in Dietikon ist so schwierig, wie den Gordischen Knoten zu lösen.» Die Stadt befindet sich mit einem Nachfolgeprojekt für das Limmatfeld-Mietschulhaus in der Warteschleife, weil sie bei der Planung von der kantonalen Moorschutzverordnung im Gebiet Silbern/Lerzen/Stierenmatt abhängig ist.

Diese lässt aber auf sich warten. Ob sich ein Neubau dann mit den Naturschutzbestimmungen vereinbaren lässt, wann die Verordnung rechtskräftig sein wird und die Stadt mit konkreten Planungen loslegen kann – alles Unwägbarkeiten, vor denen die Stadt derzeit steht.