Urdorf
«Steinerhof»: Gericht hebt Kündigung des Pachtvertrags auf

Wirt Koni Seglias hat sich juristisch gegen die Kündigung des Pachtvertrags gewehrt.

David Egger
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restaurant steinerhof urdorf
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Der Parkplatz des Restaurants Steinerhof
Koni Seglias, Wirt und Koch im Urdorfer Restaurant Steinerhof «Ich habe psychisch stark unter der ganzen Sache gelitten.»
So berichtete «Der Limmattaler» im April 1982 über den Umbau.
So sah die Scheune früher aus: Wegen des Beizensterbens baute die Familie Steiner sie in das Restaurant Steinerhof um.
Und so sah die Scheune von der anderen Seite aus
Das Restaurant Steinerhof befindet sich hier mitten im Umbau. 1982 wurde es fertig.
Das Restaurant Steinerhof befindet sich hier mitten im Umbau. 1982 wurde es fertig.
Das Restaurant Steinerhof befindet sich hier mitten im Umbau. 1982 wurde es fertig.

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David Egger

Koni Seglias wirtet seit zwölf Jahren im Urdorfer Restaurant Steinerhof. Um über einen Drittel habe er den Umsatz seither gesteigert, sagt er. Das dürfte die Eigentümer freuen: Denn als Pächter zahlt das Wirtepaar Koni und Adélia Seglias einen umsatzbasierten Mietzins. Doch in den letzten Monaten gab es eine Geschichte mit Nebengeräuschen, die viele Urdorfer beschäftigt.

Von der Geschichte gibt es zwei Versionen. Jene der Eigentümer und jene des Wirts. Dazu kommen Gerüchte. Sogar vom Abriss des «Steinerhofs» war die Rede, weil Seglias dieses Gerücht mit einem nun gelöschten Facebook-Eintrag befeuerte. Vorneweg: Das mit dem Abriss stimmt nicht.

Am Anfang der einen Version der Geschichte stehen die Pläne der Eigentümerin Regina Schuler-Steiner, das Gebäude mit Scheune an der Kirchgasse 18, das neben dem «Steinerhof» steht, abzureissen und neuzubauen. Im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens, das derzeit sistiert ist, hat Schuler-Steiner festgestellt, dass der geplante Neubau den Restaurantbetrieb stark einschränken würde. Unter anderem deshalb hat sie beschlossen, den «Steinerhof» gleichzeitig zu sanieren. Bis diese Planungen stehen, ist das Baubewilligungsverfahren für den Neubau an der Scheune vorerst sistiert.

Auch der Steinerhof war einst eine Scheune: Regina Schuler-Steiners Vater Fritz, der zusammen mit Bruder Peter die Transportfirma Gebrüder Steiner AG führte, wollte Urdorf Anfang der 80er etwas Gutes tun und baute seine 1890 erbaute Scheune zwischen Bach- und Birmensdorferstrasse zu einem Restaurant um. Denn schon damals verlor Urdorf eine Beiz nach der anderen: Die «Krone» war geschlossen und auch die «Sonne» war damals ausser Betrieb.

Ab 1982 wurde dann dort gespeist, wo früher die Tiere hausten. Die Familie Steiner habe sich ein Denkmal gesetzt und ihr Hof werde in die Urdorfer Geschichte eingehen, sagte der damalige Gemeindepräsident Alphons Kölbli an der Eröffnungsfeier – so berichtete es «Der Limmattaler» damals. Das ist nun schon 34 Jahre her.

Gasthof hat Schönheitskur vor sich

Jetzt sagt Regina Schuler-Steiner, die die Gaststätte 2011 von ihrer Mutter erhielt: «Wir wollen nun etwas machen, damit der ‹Steinerhof› für die Bevölkerung aufgewertet und attraktiver wird und bei den Gästen beliebt bleibt. Dazu sind grössere bauliche Massnahmen nötig.» Beispielsweise stamme der Stromverteilerkasten noch aus der Anfangszeit, ebenso sind die sanitären Anlagen in die Jahre gekommen. Zudem könnte der Heuboden durch zusätzliche Fenster heller und freundlicher werden. Auch die Lüftung sei unterdimensioniert und der Parkplatz könnte verbessert werden: Dieser ist nämlich mit Rasengittersteinen besetzt, was Trägerinnen von Stöckelschuhen zu besonderer Vorsicht nötigt. All diese ins Auge gefassten Bauarbeiten respektive Sanierungen haben einen Umfang, der einen gleichzeitigen Weiterbetrieb des Restaurants nicht erlaubt. Die Arbeiten könnten bis zu neun Monate dauern. Darum haben Regina Schuler-Steiner und ihr Mann Roger Schuler Anfang Jahr den Pachtvertrag mit dem Wirt gekündigt. Der Vertrag wäre sodann Ende 2017 ausgelaufen.

Wirt Seglias hat nicht damit gerechnet. Eine «Rachekündigung», sei es gewesen, sagt er. Es ist die andere Version der Geschichte. Am Anfang sei ein Streit um eine Rechnung aus dem Sommer 2015 gestanden, die er nicht zahlen wollte. Hintergrund der Rechnung, laut Seglias: der Einbau eines 380-Volt-Kabels zum Fumoir, um dort die Stromversorgung zu verbessern, insbesondere für die Fasnachtszeit. Schuler-Steiners hätten verlangt, dass er diese Rechnung zahle, obwohl sie in die Verantwortung der Eigentümerschaft falle, sagt Seglias. Als er dann mit einer Mietzahlung im Verzug war, sei die Kündigung gekommen. Die Schlichtungsbehörde für Mietstreitigkeiten am Bezirksgericht Dietikon sei ihm und seinem Anwalt gefolgt.

Nächste Kündigung erst im 2019

Es stimmt, dass das Gericht diesen Juni die Kündigung als ungültig beurteilt hat. Der Grund der Ungültigkeit war aber ein anderer, sagt Roger Schuler. Im Kündigungsschreiben habe er als Kündigungsgrund den bevorstehenden Umbau genannt. Doch den konnte er nicht mit exakten Umbauplänen belegen, weil diese dann noch nicht vorlagen.

Diese Version mit dem Bauvorhaben als Kündigungsgrund würde zum Facebook-Eintrag von Koni Seglias passen, in dem er von einem Abriss sprach. Gemeint war wohl das Nachbargebäude mit Scheune.

Fakt ist: Wegen des Kündigungsschutzes, den die Schlichtungsbehörde Koni Seglias gewährt, darf nun das Pachtverhältnis zwischen Seglias und Schuler-Steiners frühestens im Juni 2019 wieder gekündigt werden – nur Pächter Koni Seglias darf früher kündigen. Die Kündigungsfrist beträgt ein halbes Jahr.

Und Fakt ist auch: Welche baulichen Massnahmen genau umgesetzt werden sollen, ist noch nicht klar. Das Ehepaar Schuler-Steiner will erst abwarten, was die Gemeinde rund um den Muulaffeplatz und den Schäflibach plant. «Wir wollen unsere Pläne mit denen der Gemeinde koordinieren», sagt Roger Schuler.

Heute vor einer Woche hat er sich nun mit einem Planungsbüro getroffen, das für das Grundstück, auf dem sich der «Steinerhof» befindet, eine Machbarkeitsstudie anfertigt. So wird klar, ob eine weitere Aufwertung des Grundstücks möglich ist, die die Gegend rund um den Muulaffeplatz noch attraktiver machen könnte. Auch ist nicht auszuschliessen, dass das Ehepaar Schuler-Steiner sein Treuhandbüro wieder von Birmensdorf nach Urdorf verlegt, wenn die Neugestaltung rund um den Muulaffeplatz dereinst fertig ist.

Für Koni Seglias bleibt nach der nun beigelegten Streitigkeit nicht nur der Kündigungsschutz. «Ich habe auch psychisch stark unter der ganzen Sache gelitten.» Sein Hautarzt habe ihm bestätigt, dass der Haarausfall, unter dem er seit November litt, im Zusammenhang mit dem Stress gestanden sei, der durch den drohenden Existenzverlust verursacht wurde. Nun trägt Seglias eine Glatze. Er lebt seit 1996 in Urdorf und führte früher den Story-Pub.

Neue Wohnungen wären rentabler

Das Ehepaar Schuler-Steiner ist sich einig, dass das Restaurant Steinerhof «ungeheuer wichtig» ist, für die Familie und die Bevölkerung. «Aus Rentabilitätsüberlegungen wäre es sinnvoll, das Restaurant abzureissen und Wohnungen zu erstellen, so wie es an anderen Orten schon oft geschehen ist. Aber wir wollen das nicht, sondern möchten unser Restaurant aufwerten», sagt Regina Schuler-Steiner. Dass es nun durch andere Umstände zu Verzögerungen gekommen ist, sei nicht von Bedeutung.

Geplante Neugestaltung von Muulaffeplatz und Schäflibach zieht sich in die Länge

Die Eigentümerschaft des Restaurants Steinerhof will mit der Umgestaltung ihres Grundstücks noch zuwarten, auch um diese zu koordinieren mit den Plänen der Gemeinde Urdorf. Die Gemeinde hat nämlich 2013 ein Vorprojekt verabschiedet, das sich mit der Umgestaltung von Muulaffeplatz und der Erhöhung der Hochwassersicherheit des Schäflibachs befasst. Der Hintergrund: Der Muulaffeplatz ist ein wichtiger Urdorfer Treffpunkt, auch in wirtschaftlicher Hinsicht. So ist nicht nur den «Steinerhof» in der Nähe, sondern zum Beispiel auch die Zürcher Kantonalbank, der Detailhändler Spar und ein Blumenladen. Zudem findet hier der Muulaffe-Märt statt.

Nun soll der Platz bezüglich Langsamverkehr, Parkierung und Gestaltung aufgewertet werden. Ein Beispiel: Die Fahrbahn könnte verengt und zusätzliche Bäume gepflanzt werden. Nach dem Vorprojekt im Jahr 2013 hat die Gemeinde im Jahr 2014 ein Gestaltungskonzept erarbeitet und danach die Bedürfnisse und Anliegen der Anrainer aufgenommen. Jetzt läuft die Erarbeitung eines Gesamtprojekts. Sowohl das Gestaltungskonzept als auch das Gesamtprojekt werden aber keine juristische Verbindlichkeit haben: Sie sind eine Absichtserklärung, auf der basierend dann die verbindlichen Instrumente geändert werden (zum Beispiel die Bauordnung).

So viel zur Vorgeschichte, die 1998 begann, als man erstmals über eine Neugestaltung des Gebiets diskutierte – doch wann kommen die Bauarbeiter zum Zug? Die Gemeinde teilt auf Anfrage mit, dass gemäss der langfristigen Finanzplanung vorgesehen ist, die Bauarbeiten im Jahr 2019 zu starten. Zuletzt war noch eine Umsetzung im Jahr 2016 vorgesehen. Die Verzögerung habe insbesondere damit zu tun, dass verschiedene und komplexe Fragen, zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Hochwasserschutz oder Entwicklungsabsichten von privaten Grundeigentümern, noch zu klären sind. Involviert in die Planungen ist auch der Kanton, da der Hochwasserschutz wesentlich in dessen Einflussbereich liegt. Die Verzögerungen gehen also zum Teil auch auf dessen Kappe. Der Kanton ist es aber auch, der mit einer neuen Hochwassergefahrenkarte im Jahr 2010 den Anstoss gab zu den konkreten Planungen. Damals wurde klar, dass beim Schäflibach etwas gehen muss – früher oder später. (DEG)