Dieses Wochenende waren sie wieder zu Dutzenden unterwegs – die «Gummiböötler» auf der Limmat. Mit ihren Picknickkörben und Kühlgetränken frönten sie dem schönen Wetter. Das erste Mal dabei war Marco Wittwer. Zu zwölft kamen er und seine Freunde nach einer zweistündigen Bootsfahrt am Limmatufer in Dietikon an. «Es ist ein optimaler Ausstiegsort», meint die Gruppe.

Dank dem naheliegenden Bahnhof fänden alle schnell wieder nach Hause. Doch noch macht sich niemand zum Aufbruch bereit. Mit einem Bier setzen sie sich am Ufer ins kühle Nass. «Die Fahrt war sehr lustig. Jetzt wird weitergenossen», so Wittwer.

Tödliche Gefahren

«Im Vergleich zu all den Leuten, die die Limmat befahren oder herunterschwimmen, ist die Zahl der Unfälle gering», sagt Prisca Wolfensberger von der Schweizer Lebensrettungsgesellschaft. Dennoch dürfe der Badeplausch nicht unterschätzt werden. Laut Wolfensberger sind vor allem Hindernisse im Wasser wie beispielsweise Brückenpfeiler, grosse Steine oder senkrechte Wasserabfälle, sogenannte Schwellen, sehr gefährlich.

«Geht jemand in einer Schwelle über Bord und gerät in die Wasserwalze, kann dies tödlich enden», so Wolfensberger. Wasserwalzen entstehen oftmals in Nähe von starken Wasserhöhenunterschieden. Die daraus resultierende Strömung zieht einen darin gefangenen Menschen immer wieder unter Wasser. Deshalb wird dieser Vorgang auch Waschmaschineneffekt genannt. «Sogar gute Schwimmer haben kaum eine Chance, sich aus diesem Strudel zu befreien», so Wolfensberger.

Vorbereitung ist A und O

Um die Fahrt sicher zu machen, sei die Kenntnis von solchen Gefahrenzonen deshalb ein Muss, sagt Wolfensberger. Bevor man einen Fluss befahre, müsse man ihn kennen. Wolfensberger empfiehlt, vorab die ausgesuchte Strecke zu Fuss oder mit dem Velo zurückzulegen. Oder sich allenfalls bei Personen zu erkundigen, die in der Nähe wohnen oder schon selbst mit dem Boot den Fluss befahren haben.

«Eine gute Vorbereitung ist das A und O», findet auch Priska Laïaïda, Mediensprecherin der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ). Man müsse im Voraus abklären, an welchen Stellen beispielsweise ein Kraftwerk das Weiterfahren auf dem Fluss verhindere. Die EKZ markiert solche Stellen mit Hinweistafeln. «Wir stellen jedoch immer wieder fest, dass vielen Gummibootfahrern die Schifffahrtszeichen auf Binnengewässern nicht geläufig sind und sich deshalb falsch verhalten», sagt Laïaïda.

Beim Kraftwerk in Dietikon passiere es immer wieder, dass Gummibootfahrer bis zur Kahnrampe weiterfahren. «Das ist sehr gefährlich.» Denn durch das Ein- und Ausschalten der Turbinen entstünden häufig starker Wellenschlag und immense Sogwirkungen. Heikle Situationen können auch in der Nähe eines Wehrs entstehen. «Schlauchbootfahrer sowie Schwimmer müssen jederzeit damit rechnen, dass sich das Wehr öffnet», so Laïaïda. Dann würden schnell mal 60 000 Liter Wasser pro Sekunde in die Limmat fliessen. «Das führt zu einer äussert gefährlichen Strömung.» Die Strömung kann auch zusätzlich vom Restwasser beeinflusst werden. Dieses wird fortlaufend beim Wehr in Dietikon über einen sogenannten Überfall in die Limmat gelassen.

Gummibootfahrer Wittwer kennt die Folge davon: «Ein Freund von mir ist einmal durch ein Wehr gespült worden.» Wegen Hochwasser seien damals die Schleusen offen gestanden. Sein Kollege habe es zu spät gemerkt und gegen den starken Sog nicht mehr ankämpfen können. «Verletzt hat er sich glücklicherweise nicht», so Wittwer.

Boote nicht zusammenbinden

Das Befahren der Limmat geschieht grundsätzlich auf eigenes Risiko. Um die Lage aber immer schön im Überblick behalten zu können, rät Wolfensberger, während der Fahrt gänzlich auf Alkohol zu verzichten. «Man kann es ja auch ohne lustig haben.» Eltern mit Kindern empfiehlt sie ausserdem, sich mit Rettungswesten auszurüsten.

Wichtig sei zudem, dass man die Nutzlast des Bootes nicht überschreite. «Besonders verheerend ist auch das Zusammenbinden der Boote», so Wolfensberger. Dadurch werde das Manövriervermögen erheblich eingeschränkt.

Auch gilt es zu beachten, auf welchen Strecken die Gummibootsfahrt überhaupt erlaubt ist. Die Strecke zwischen der Zürcher Quaibrücke und dem oberen Letten zum Beispiel ist für Gummi- und Schlauchboote sowie Schwimmer verboten. «Die Strömung dort ist sehr stark», sagt Stefan Oberlin, Mediensprecher der Seepolizei Stadt Zürich. Dieser Flussabschnitt sei deshalb ausschliesslich für die Limmatschiffe zugelassen. «Das klappt sehr gut», so Oberlin.

Auch Marco Wittwer und seine Gruppe haben sich an das Gebot gehalten. «Gestartet sind wir Nähe des Wipkingerplatzes.» An der Werdinsel seien sie dann frühzeitig an Land gegangen, um das Kraftwerk zu umgehen. «Die Fahrt auf der Limmat hat uns grossen Spass gemacht. Wir kommen sicher wieder», sagt Wittwer schmunzelnd.