Der Wahlkampf um die Sitze im Schlieremer Stadtrat ist lanciert. Die CVP will wieder einen Sitz erobern, nachdem sie seit mehr als 20 Jahren nicht mehr in der Exekutive der Stadt vertreten war. Sie portiert Parteipräsidenten Stefano Kunz als Kandidaten. Dies, obwohl er bei seinen Parteimitgliedern zuletzt mit kommunikativen Alleigängen für Unmut sorgte. Der Rückhalt in der Partei sei ungebrochen gross, sagt Kunz auf Anfrage.

Die EVP wird für die Wahl im Februar 2014 keinen Kandidaten stellen, obwohl ihr Stadtrat Robert Welti angekündigt hat, dass er nicht mehr antritt. Kunz habe ihm früh mitgeteilt, dass er kandidieren werde, sagt Parteipräsident Reto Bär: «Es war uns klar, dass es taktisch unklug wäre, wenn beide Fraktionsparteien um einen Sitz kämpfen. Wir hätten uns gegenseitig Wähler abgegraben.»

Dass die EVP niemanden zur Wahl stellt, hat aber vor allem damit zu tun, dass sich niemand darum bewarb. Bär sagt, er selbst habe sich mit einer Kandidatur ernsthaft auseinandergesetzt, dann aber aus familiären und beruflichen Gründen dagegen entschieden. «Ein Stadtratsmandat hätte mich extrem gereizt», erklärt er.

Um diese Funktion seriös ausführen zu können, hätte er aber entweder im Beruf reduzieren oder seine Aufgaben als Vater dreier Kinder vernachlässigen müssen. «Beides stellte für mich keine Option dar», sagt Bär.

Er könne sich allerdings gut vorstellen, in vier Jahren für die nächste Legislaturperiode zu kandidieren. «Dann sind meine Kinder in einem Alter, in dem sie nicht mehr so stark von der elterlichen Fürsorge abhängig sind», erklärt der EVP-Präsident. Andere Mitglieder der Partei hätten sich nicht zur Wahl gestellt.

Bär steht hinter Kunz

Bär würde sich durch Kunz im Stadtrat gut vertreten fühlen, wie er sagt. Ob sich auch seine Parteimitglieder geschlossen hinter Kunz stellen werden, könne er nicht sagen, da dies noch nicht abschliessend thematisiert wurde.

Innerhalb der Fraktion CVP/EVP hätten sich die Diskussionsfronten selten zwischen den Parteien gebildet: «Dabei ging es eher um eine Generationenfrage. Ob meine Parteikollegen Stefano unterstützen, hängt davon ab, wie sehr sie ihre Interessen durch ihn vertreten sehen», sagt Bär.

In der eigenen Partei sorgte Kunz als Präsident in jüngster Vergangenheit für Ärger. So etwa, als er sich im Vorfeld der Parlamentsdebatte um die Revision der Friedhof- und Bestattungsverordnung anfangs für ein separates Grabfeld für Muslime auf dem Schlieremer Friedhof aussprach.

Dies entsprach keineswegs der Mehrheitsmeinung seiner Partei. Diese Themen seien aber aus der Welt, sagt Kunz: «Wenn meine Parteikolleginnen und -kollegen nicht gesagt hätten, dass sie klar hinter mir stehen, würde ich nicht kandidieren.»

Seit 2010 im Parlament politisiert

Kunz lebt seit zwölf Jahren in Schlieren, ist verheiratet und Vater zweier Kinder. Seit 2010 politisiert er im Stadtparlament und präsidiert die Ortspartei der CVP. Kunz ist zudem Mitglied der Wirtschaftskammer Schlieren und Vizepräsident des Vereins Start Smart Schlieren.

Seit über 15 Jahren arbeitet er als selbstständiger Dienstleister in den Bereichen Management, Stimmbildung, Rhetorik und Auftrittskompetenz. «Ein Exekutivamt ist unglaublich spannend, weil man dort noch direkter etwas bewegen kann, als im Stadtparlament», sagt Kunz. Seiner Partei sei es wichtig, in der spannenden Phase, in der sich die Stadt derzeit befinde, wieder in der Exekutive vertreten zu sein.