Die Leidenschaft fürs Ballonfahren - Piloten sprechen von fahren, nicht fliegen - liegt in der Familie. Nebst der Grosstante, welche die zweite Schweizer Pilotin überhaupt ist, bewegt sich auch Mutter Sonja Trindler gerne in luftiger Höhe. «Meine Mutter und ich sind ein eingespieltes Team», sagt der heute 26-jährige Trindler. Zum Ballonfahren braucht es mindestens zwei Leute. Der sogenannte Verfolger fährt jeweils dem Ballon am Boden hinterher und hilft nach der Landung, die Ausrüstung wieder im Ballontransporter zu verstauen.

Magische Momente erleben

Mutter und Sohn, beide aus Urdorf, haben schon viele internationale Heissluft-Ballonwettkämpfe zusammen bestritten. Dann sind sie allerdings beide als Piloten in der Luft. Erst gerade nahmen sie an einem Meeting in Barcelona teil, im Oktober fahren sie am Pacific Cup im Süden Japans mit.

Hauptberuflicher Pilot ist Trindler nicht geworden. Der Sozialarbeiter betreibt seine Leidenschaft als Hobby. Nebst den Auslandreisen fährt er regelmässig in der Schweiz mit dem Ballon. Da das Limmattal aber für den Luftverkehr gesperrt ist, startet Trindler meist im Kanton Thurgau. «Der Säntis und der Bodensee sind ein sehr lustvolles Gebiet», sagt der erfahrene Pilot. Schön finde er aber auch die Gegend rund um den Hallwiler- und Baldeggersee.

Die eindrücklichste Ballonfahrt hat Trindler mit seiner Mutter letztes Jahr auf einem Wettkampf in Nordschweden erlebt, wo sie über gefrorene Seen und schneebedeckte Wälder gefahren sind. Von oben hätten sie viele Tiere gesehen, beispielsweise Rentiere und Elche, erzählt Trindler. Das sei ein magischer Moment gewesen: «Wir lieben die Extreme.»

Gute Vorbereitung ist wichtig

Bis jetzt hat Trindler noch keinen Zwischenfall erlebt. Unfälle von Ballonfahrten sind jedoch keine Seltenheit. Im Februar verloren in Ägypten 19 Personen bei einem Heissluftballonabsturz ihr Leben, wenige Monate später ereignete sich ein zweiter Ballonunfall in der Türkei. Trindler schüttelt angesichts dieser Unfälle ungläubig den Kopf und mutmasst: «Das kann nur ein Pilotenfehler oder morsches Material als Ursache haben.» Das Ballonfahren sei in der Schweiz etwas vom Sichersten», sagt Trindler.

Nebst dem eigenen Training absolviert Trindler regelmässig Weiterbildungen vom schweizerischen Ballonverband. Die Kurse seien sehr anspruchsvoll und auf einem hohen Niveau. Ausserdem werde jedes Jahr im Auftrag des Bundesamtes für Zivilluftfahrt die komplette Ausrüstung von Experten kontrolliert - und das bis ins kleinste Detail.

Doch nicht nur das Material muss einwandfrei sein. Bevor Trindler losfährt, studiert er jeweils verschiedene Wettermodelle. Bei komplexen Routen spreche er sich zudem mit seiner Mutter ab. Ballonfahren brauche alle Sinne. Man müsse jederzeit spüren, was der Ballon mache, so Trindler. Bereite man sich gut vor, sei der Sport ungefährlich.

Ein unbezwingbarer Feind

In den Sommermonaten startet Trindler jeweils früh morgens oder erst nach Sonnenuntergang. «Grund dafür ist die Thermik - der Feind von uns Ballonfahrern», erklärt der Pilot.

Die Thermik wird vom Faktor Sonne beeinflusst. Sobald diese die Luft aufheizt, entstehen Auf- und Abwinde. Heftige Turbulenzen seien die Folge. Deshalb starte man morgens, wenn die Luft noch ruhig sei, oder abends, wenn sie sich wieder abgekühlt habe.

«Die Fahrrichtung bestimmt der Wind», sagt Trindler. Wer aber denke, dass man einen Ballon gar nicht steuern könne, liege falsch. Da in unterschiedlichen Höhen verschiedene Windrichtungen herrschten, könne man durch eine Änderung der Fahrhöhe die Richtung ändern.

Die Ballontaufe

Erst vor kurzem haben sich Mutter und Sohn einen neuen Ballon in Spanien anfertigen lassen. Die Ballonhülle haben sie selbst gestaltet. Die Hülle fasst ein Volumen von 2550 Kubikmetern, was in etwa so viel wie der dreifachen Wassermenge des Hallenbads der Badi Fondli in Dietikon entspricht. Weniger grosszügig ist dabei der Korb, der gerade einmal 1,16 Kubikmeter umfasst und Platz für drei Personen bietet. «Das haben wir uns bewusst so ausgesucht, da wir das Ballonfahren persönlich halten möchten», sagt Trindler.

Mit einem Lächeln erinnert er sich dabei an einen besonders romantischen Heiratsantrag: Das Pärchen habe damals eine Ballonfahrt bei ihm gebucht. Wie mit dem Fluggast besprochen, habe der Verfolger am Boden nach dem Start ein Banner mit den Worten «Willst du mich heiraten» auf ein Feld ausgelegt.

Als dessen Freundin es vom Ballon aus erblickte, sei sie aus allen Wolken gefallen, sagt Trindler lachend. Die Krönung des Ganzen sei dann die Ballontaufe nach der Landung gewesen. Dies sei Tradition, so Trindler. Jeder Gast bekomme nach seiner ersten Jungfernfahrt einen Taufnamen, der jeweils aus dem Start- und Landeort zusammengesetzt sei. Danach werde mit Champagner angestossen.

Routine gibt es nicht

Trindlers Faszination fürs Ballonfahren ist all die Jahre geblieben. Eine Routine gebe es nicht. «Jede Fahrt ist ein cooles, neues Erlebnis», schwärmt der Pilot. Schade sei nur, dass der Nachwuchs fehle. «Ich bin mit meinen 26 Jahren einer der jüngsten Schweizer Ballonfahrer.» Als Grund sieht Trindler fehlende finanzielle Mittel und wenig Zeit für die ein- bis zweijährige Ausbildung. «Ich hoffe, dass die Nachfrage bald wieder steigt», sagt Trindler. Er selbst möchte demnächst die Ausbildung zum Fluglehrer machen.