Bezirksgericht Dietikon
Statt Gefängnis: Verurteiler Räuber in stationäre Psychotherapie eingewiesen

Ein junger Serbe hat beim Bahnhof Dietikon einen gehbehinderten Fussgänger ausgeraubt und in einem Heim einen Mitbewohner mit dem Tode bedroht. Nun wurde er in eine stationäre Psychotherapie eingewiesen.

Attila Szenogrady
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Trotz eigentlicher Abwesenheit konnte Staatsanwalt Marc Huwiler kurzfristig für die Verhandlung im Bezirksgericht (im Bild) aufgeboten werden.

Trotz eigentlicher Abwesenheit konnte Staatsanwalt Marc Huwiler kurzfristig für die Verhandlung im Bezirksgericht (im Bild) aufgeboten werden.

Limmattaler Zeitung

Es war am späten Abend, als der heute 25-jährige Beschuldigte am 25. Februar 2013 auf dem Bahnhofplatz in Dietikon zuschlug. Dabei ging er ausgerechnet auf einen an zwei Krücken gehenden Passanten von hinten los. Der Täter nahm das gehbehinderte Opfer in den Schwitzkasten und riss ihm das Portemonnaie aus der Hosentasche. Dann liess der Angreifer den schockierten Geschädigten los und suchte mit einer Beute von 800 Franken das Weite.

Allerdings wurde er bereits wenige Tage nach dem Überfall von der Polizei ausfindig gemacht und festgenommen. Es handelte sich um einen in Dietikon aufgewachsenen Serben, der schon seit der Schulzeit immer wieder mit der Justiz in Konflikt geraten war. Der tiefere Grund für die Delikte lag in einer schweren Persönlichkeitsstörung, die ihn für Mitmenschen wiederholt gefährlich werden liess.

Der nächste Vorfall ereignete sich am 16. April 2013, als sich der Arbeitslose in einem betreuten Wohnen in Elgg befand und früh abends in der Küche plötzlich ausrastete. Er trat gegen einen Stuhl und baute sich aggressiv vor einem Mitbewohner auf. Dann hielt er diesem die Fäuste vor das Gesicht und sagte zu ihm, dass er ihn zu Tode schlagen werde. Worauf der Geschädigte um sein Leben fürchtete und aus der Küche flüchtete. Grund für die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis die eingeleitete Strafuntersuchung wegen Raubes durch den weiteren Schuldpunkt der Drohung zu ergänzen.

Als der zuständige Staatsanwalt im letzten Januar Anklage erhob, hatte er sich mit der Verteidigung auf einen Kompromiss geeinigt. Demnach wurde der geständige Limmattaler einerseits wegen Raubes und Drohung zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 16 Monaten verurteilt. Andererseits wurde der Strafvollzug zugunsten einer stationären Massnahme zur Behandlung von psychischen Störungen aufgeschoben.

Gestern wollte das Bezirksgericht Dietikon den Urteilsvorschlag beider Seiten im Rahmen eines abgekürzten Verfahrens absegnen. Allerdings schien der Prozess zunächst zu platzen. So widerrief der misstrauisch wirkende Räuber plötzlich seine früheren Zugaben und führte aus, dass er keine Massnahme mehr wolle. Er sei bereit, die Strafe im Gefängnis zu verbüssen.

Der Gerichtsvorsitzende Stephan Aeschbacher rettete die Situation, indem er improvisierte und den eigentlich abwesenden Staatsanwalt Marc Huwiler für die Verhandlung aufbot. Worauf der Ankläger nach wenigen Minuten im Gerichtssaal erschien und es fertigbrachte, den Beschuldigten doch noch von den Vorteilen einer stationären Psychotherapie zu überzeugen. Auch mit dem Hinweis, dass bei einer Rückweisung der Anklage ein höherer Strafantrag winken könnte. Aufgrund der Einsicht des Beschuldigten bestätigte das Gericht den Urteilsvorschlag. Die aufgelaufenen Verfahrens- und Gerichtskosten von über 30 000 Franken wurden abgeschrieben.