Limmattaler 1.-Mai-Feier
«Statt Boni braucht es Lohnerhöhungen und Mindestlöhne für alle»

Rund 150 vorwiegend ältere Leute kamen zur Limmattaler 1.-Mai-Feier in Dietikon. Hauptrednerin Katharina Prelicz-Huber warb in einer kämpferischen Ansprache für Umverteilung.

Matthias Scharrer (Text und Fotos)
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Alt Regierungsrat Markus Notter (Bildmitte) begrüsst alte Bekannte.
Alt Kantonsrat Peter Vonlanthen vertieft sich in 1.-Mai-Lektüre.
SP-Kantonsrätin Rosmarie Joss wirbt für die "Bonzensteuer".
"Hauzi and Friends" umrahmen die Feier auf dem Dietiker Kirchplatz musikalisch.
Die leidenschaftlichste Rede hält Gianni Farina, Abgeordneter des Partito Democratico Italiano.

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Volksmusik, Bratwurst-Duft und ein laues Lüftchen: Die Limmattaler 1.-Mai-Feier auf dem Kirchplatz in Dietikon präsentierte sich als gemütliches Zusammentreffen alter Bekannter. Mit alt Regierungsrat Markus Notter und Esther Arnet, alt Kantonsrat Peter Vonlanthen sowie Kantonsrat Rolf Steiner war die SP-Prominenz aus der Region gut vertreten. Insgesamt kamen rund 150 vorwiegend ältere Leute zusammen.

«Die Jüngeren gehen halt eher nach Zürich», meinte Mitveranstalterin Rosmarie Joss. Die SP-Kantonsrätin und Mitorganisatorin des Anlasses zeigte sich dennoch zufrieden mit dem Publikumsaufmarsch. Besonders freute es sie, dass mit Katharina Prelicz-Huber, Präsidentin des Verbandes des Personals öffentlicher Dienste (VPOD), eine Frau als Hauptrednerin auftrat.

Prelicz-Huber schlug kämpferische Töne an: «Die Schweiz ist das reichste Land der Welt, aber weit entfernt von Verteilungsgerechtigkeit: Die Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich immer weiter.» Sie wies darauf hin, dass die unteren und mittleren Einkommen in den letzten Jahren stagnierten oder gar leicht rückläufig waren – obwohl die Gesamtproduktivität in den letzten 20 Jahren um über 20 Prozent gestiegen sei.

«Abgesahnt haben nur die oberen Kader», so Prelicz-Huber. «Heute gibt es in der Schweiz viermal mehr Lohnmillionäre als noch vor 15 Jahren.» Nun sei eine 20-prozentige Erwerbsarbeitszeit-Reduktion bei gleichem Lohn fällig. «Statt Boni braucht es Lohnerhöhungen und Mindestlöhne für alle», rief die VPOD-Präsidentin unter wehenden roten Fahnen unter Applaus. Im gleichen Atemzug warb sie für die Mindestlohn-Initiative mit 4000 Franken pro Monat als «Anstandsgrenze». Dadurch würde auf einen Schlag über 400 000 Menschen in der Schweiz ein erträglicheres Leben ermöglicht, speziell Frauen. Auch für die 1:12-Initiative machte sich die Gewerkschafterin stark.

Am meisten Applaus kam auf, als sie zur Unterstützung der AHVplus-Initiative aufrief, die einen Zuschlag von zehn Prozent auf alle AHV-Renten verlangt. «Die AHV ist die sicherste und sozialste Altersvorsorge, sie muss gestärkt werden!»

Auch die Dietiker SP-Kantonsrätin Rosmarie Joss nutzte ihre Rede, um Abstimmungskampf zu betreiben: Sie warb für die «Bonzensteuer», über die am 9. Juni im Kanton Zürich abgestimmt wird. Es gelte, die Vermögenssteuer für die Reichsten leicht zu erhöhen, «damit nicht überall Leistungen gestrichen werden müssen.»

Die mit Abstand leidenschaftlichste Rede hielt Gianni Farina, der als Abgeordneter des Partito Democratico Italiano von den in der Schweiz lebenden Italienern ins italienische Parlament gewählt wurde. «Wir müssen die Kultur der Arbeit wieder erlangen», verkündete er in seiner Muttersprache. Sonnenbebrillte Landsleute, die gerade am Kirchplatz entlangschlenderten, blieben stehen und applaudierten.