Schlieren
Statt auf Software setzt er auf Ayurveda

«The Inner Space» ist das erste grosse Gesundheitszentrum für Komplementärmedizin im Limmattal.

Von Flurina Dünki (Text und foto)
Drucken
Teilen
Nadia El Meligy (links) und Tarek Mounib wollen dafür sorgen, dass gestresste Limmattaler wieder gesund und gelassen werden.

Nadia El Meligy (links) und Tarek Mounib wollen dafür sorgen, dass gestresste Limmattaler wieder gesund und gelassen werden.

Flurina Dünki

Noch ist von aussen nicht so ganz ersichtlich, dass an der Schlieremer Grabenstrasse ein Zentrum der Komplementärmedizin eingezogen ist. Erst im Lift wird klar: Im fünften Stock erwartet einen hier der «innere Raum». Dort unterteilen Paravents im marokkanischen Stil die Halle, von der die einzelnen Behandlungszimmer des neuen Komplementärmedizin-Zentrums «The Inner Space» begangen werden können.

Tarek Mounib war damals eigentlich auf der Suche nach Büroräumen für seine Softwareentwicklungsfirma, als er im August letzten Jahres den obersten Stock der Schlieremer Grabenstrasse 1 abschritt. Die grossen, hellen Räume inspirierten ihn aber zu einem ganz anderen Projekt: «Als ich hier oben stand, dachte ich: Hier müsste ein Gesundheitszentrum rein.»

Da muss doch noch mehr sein

Was bringt einen IT-Fachmann dazu, ein Zentrum für Komplementärmedizin zu eröffnen? «Ich beschäftige mich nebenberuflich schon seit Jahren mit der Komplementärmedizin und habe schon seit einer Weile mit dem Gedanken gespielt, in diese Behandlung zu investieren», sagt der 45-jährige Schweiz-Kanadier mit ägyptischen Wurzeln. Verschiedene Zusatzausbildungen in alternativen Heilmethoden hat der Informatiker in den letzten 15 Jahren durchlaufen. Überfliegt man die Auflistung der absolvierten Studien und Kurse, in denen Namen wie «C.G.-Jung-Institut» und «alte Heilmethoden» vorkommen, so wird klar: Die Frage, was ausser der westlichen Schulmedizin noch an Behandlungsformen existiert, lässt diesen Mann nicht los.

So bezog Mounibs IT-Firma die eine Hälfte des Stockwerks, während auf der anderen im November «The Inner Space» mit drei freischaffenden Therapeuten den Betrieb aufnahm. Die kleine Gruppe ist in den letzten drei Monaten bereits auf ein Ensemble von 20 Personen angewachsen. Von der Craniosacral-Therapie über ayurvedische Massagen und Ernährungspsychologie bis zur Klangtherapie bietet das neue Zentrum inzwischen eine breite Palette an Behandlungen an. Ersetzen soll dieses Angebot die herkömmliche Medizin aber nicht: «Die Schulmedizin braucht es immer. In gewissen Fällen kann die Komplementärmedizin aber als Ergänzung das Entscheidende bewirken», sagt Mounib. Sie sei ganzheitlicher und gehe das Leiden des Patienten von einem anderen Winkel an. Die Ausbildungen fast aller Therapeuten entsprechen gemäss Koordinatorin Nadia El Meligy den Anforderungen der Krankenkassen-Zusatzversicherungen für Komplementärmedizin.

Die meisten Spezialisten, die komplementärmedizinische Behandlungen anbieten, würden selbstständig arbeiten, so Mounib. «Dies ermöglicht freie Arbeitseinteilung, bürdet ihnen aber auch einen Haufen unattraktive Arbeit wie Internetpräsenz und Marketing auf.» In der Inner-Space-Gemeinschaftspraxis erledigt Mounib als Fachmann den Internetauftritt gleich selber und ist auch für das Marketing zuständig.

Workaholics wieder ausgleichen

«Schlieren ist sehr spannend», sagt Mounib, auf die Standortwahl der Gemeinschaftspraxis angesprochen. «Einerseits entstehen immer mehr Privatwohnungen in dieser Region. Aber auch die Industrie ist mit wichtigen Firmen präsent.» So wolle man neben der Limmattaler Wohnbevölkerung auch den verspannten Workaholic wieder hinbiegen oder ihm durch mittägliche Yogakurse den körperlichen Ausgleich verschaffen.

Die Resonanz auf das neue Gesundheitsangebot scheint dem 45-Jährigen recht zu geben. Die Leute hätten neugierig reagiert, als Mounib bei Firmen der Umgebung anklopfen ging: «Yoga – hier?» sei ihm als Reaktion auf seine Flyer entgegnet worden. Anbieter mit ähnlichen Angeboten gäbe es natürlich, doch seien es «noch nicht genug, um die Nachfrage der Region abzudecken».

Am Montag empfängt «The Inner Space» das Publikum von 15 bis 20 Uhr zum Tag der offenen Tür. Wer sich dafür den Terminkalender freischaufelt, hat einen der Grundsätze der Komplementärmedizin – sich für seine Gesundheit genug Zeit zu nehmen – bereits verstanden.

Aktuelle Nachrichten