Schlieren
«Start Smart Schlieren»: Jungunternehmen erhalten eine Chance

Verein aus Stadt und Wirtschaftsvertretern initialisiert einen neuen Innovations-Cluster. Sein Ziel ist es, innovative Start-ups und Kleinstunternehmungen in einem Jungunternehmerzentrum in leerstehenden Gewerbeflächen anzusiedeln.

Florian Niedermann
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Der Chirurgie-Simulatoren-Entwickler Virtamed soll weitere Firmen ins Jungunternehmerzentrum locken. Zim

Der Chirurgie-Simulatoren-Entwickler Virtamed soll weitere Firmen ins Jungunternehmerzentrum locken. Zim

Den Wirtschaftsstandort Schlieren prägen seit mehr als einem Jahrzehnt neue Cluster-Ansiedlungen von Firmen aus ähnlichen Branchen, die idealerweise in synergetischem Austausch stehen. So besteht mit dem Bio-Technopark bereits einer für biotechnologische Unternehmen und mit dem NewTechClub einer für Gebäudetechnologien.

Nun kommt ein weiterer dazu: Vor Kurzem gründeten Standortförderung und Stadt Schlieren zusammen mit Vertretern von Gewerbeverein und Wirtschaftskammer den Verein «Start Smart Schlieren». Sein Ziel ist es, innovative Start-ups und Kleinstunternehmungen in einem Jungunternehmerzentrum in leerstehenden Gewerbeflächen anzusiedeln.

Den Jungunternehmern bietet «Start Smart Schlieren» Arbeitsplätze nach Mass inklusive Strom und Mobiliar ab 350 Franken monatlich. Die Voraussetzungen, die Interessenten mitbringen müssen, damit sie berücksichtigt werden, sind ein Businessplan und ein Firmeneintrag.

Bis jetzt besteht das Innovations- und Jungunternehmerzentrum des Vereins aus rund 1600 Quadratmetern leerstehenden Gewerbeflächen in zwei Liegenschaften an der Rütistrasse. Die Vereinsleitung schliesst aber nicht aus, dass dieser bei entsprechendem Erfolg auch auf andere Leerstände ausgedehnt wird.

Vielfältiger als andere Cluster

«Innovation kann auch durch Vielfalt entstehen», sagt Vereinspräsident und FDP-Kantonsrat Andreas Geistlich. Deshalb ziele man auf einen Cluster ab, der branchenoffener sei als etwa der Bio-Technopark auf dem Wagi-Areal.

An der Rütistrasse 12 bis 14 konnte der Verein zusammen mit dem deutschen Immobilieneigentümer bereits Firmen wie den Chirurgie-Simulatoren-Entwickler Virtamed ansiedeln, der kürzlich mit dem begehrten Swiss Economic Award ausgezeichnet wurde.

Daneben sind im Jungunternehmerzentrum ein IT-Entwickler aus dem Finanzdienstleistungsbereich und eine Firma, die mit nachwachsenden Rohstoffen handelt, eingemietet. «Im Grunde ist bei uns auch eine innovative Schneiderin willkommen», sagt Standortförderer und Vereinsmitglied Albert Schweizer. Wichtig sei dem Verein, dass die bestehenden Cluster in Schlieren nicht durch das Innovations- und Jungunternehmerzentrum konkurrenziert würden.

Zur Infrastruktur gehört Netzwerk

Meist würden Jungunternehmer ihre Arbeitsplätze zu Beginn als Zwischennutzer für einige Monate mieten und sich danach im gleichen, oder in angrenzenden Gebäuden längerfristig niederlassen, sagt Schweizer. Während dieser Zeit könne der «Start Smart» ihnen Infrastruktur, ein innovatives Umfeld und ein Netzwerk bieten, das das Schlieremer Gewerbe und andere Technologie-Cluster sowie Ausläufer von ETH und Universität Zürich umfasse.

«Es ist eine Win-win-Situation», sagt Geistlich: «Wir können aktiv mithelfen, die leerstehenden Gewerbeflächen in der Stadt zu bewirtschaften und die Jungunternehmer erhalten optimale Startbedingungen für den Aufbau ihrer Firma.» Längerfristig beabsichtige der Verein, in dem mit Finanzvorsteherin Manuela Stiefel (FDP) auch die Exekutive der Stadt vertreten ist, damit auch die Standortattraktivität Schlierens zu erhöhen und Arbeitsplätze zu schaffen.

Erfolge von eingemieteten Firmen wie der Virtamed haben laut Schweizer eine «Leuchtturmfunktion», indem sie andere Firmen aus ihrer Branche - hier der Medizinaltechnologie - anziehen. So habe bereits eine weitere Medtechfirma aus dem Bereich der Herzchirurgie Interesse an Arbeitsplätzen angemeldet. «Wir hoffen, dass Firmen, die ins Innovations- und Jungunternehmerzentrum einziehen, längerfristig in der Stadt bleiben und ihre Steuern einbringen», so Geistlich.

Stadtrat sprach 60 000 Franken

Der Stadtrat hat beschlossen, «Start Smart» in den ersten drei Jahren mit je 20 000 Franken zu unterstützen. Nach dieser Versuchsphase werden die Mitglieder und die Stadt Bilanz ziehen, sagt Geistlich: «Wir verfügen über ein sehr schmales Budget. Aber das Ziel ist es, möglichst schnell selbstständig zu werden.»