Über 5000 Jahre haben mehrere prähistorische Siedlungsreste im Zürichsee überdauert, nun sind sie aber je länger, je mehr bedroht. Starke Stürme wie das Tief Burglind vor einem Jahr richten nämlich nicht nur in Wäldern grosse Schäden an. Auch unter Wasser hinterlassen sie Spuren: Sie ziehen die Überreste der Pfahlbauten in Mitleidenschaft.

Dem Schutz der archäologischen Stätten, von denen einige zum Unesco-Weltkulturerbe zählen, kommt deshalb eine immer grössere Bedeutung zu. Dies legt eine kürzlich erschienene Publikation der Unterwasserarchäologie Zürich nahe.

Sie hat darin ihre Aktivitäten der vergangenen zwei Jahre aufgelistet. Daraus geht hervor, dass die Fachstelle des Zürcher Amts für Städtebau an rund 15 Stellen am Zürichsee Kontrolltauchgänge wegen der fortschreitenden Erosion durchgeführt hat.

Freigespülte Pfähle

Eindrücklich dokumentiert ist, welche Folgen Burglind für die Pfahlbaureste in Winkel bei Erlenbach hatte. Die durch den Sturm verursachten Strömungen spülten einen sogenannten Pfahlschuh komplett frei.

Dabei handelt es sich um eine hölzerne Konstruktionsplatte, welche die Last auf dem Boden verteilte und das Einsinken eines Pfahls verhinderte. Ein Teil des Holzstücks war zwar schon vor dem Sturm freigelegt, nach Burglind lag es aber gänzlich offen auf dem Seegrund.

Dass einzelne Stürme eine solche Wucht entfalten können, ist ein neueres Phänomen. Bis Ende des 19. Jahrhunderts hatten Ruinen, Siedlungsabfälle, Werkzeuge, Keramik und Schmuck die Jahrtausende fast unbeschadet in den Seeablagerungen überstanden.

Seit der Industrialisierung hat sich dies jedoch geändert, da der Mensch immer mehr in den Naturraum eingegriffen hat: Leitungsgräben, Häfen und Wellen von Schiffen hätten die schützenden Seesedimente abgetragen und die Kulturschichten ans Tageslicht gebracht, heisst es im Bericht «Forschen & Schützen».

Wirbel wegen Ufermauern

Besonders tückisch sind die vielen Uferverbauungen. Früher, als das Seeufer noch fast überall flach war, liefen die Wellen mit abnehmender Wassertiefe aus. Heute donnern sie mit voller Wucht gegen die Ufermauern, sodass Verwirbelungen entstehen, die den Seegrund abtragen.

Stürme wie Burglind haben deshalb eine besonders grosse Zerstörungskraft. «Die alljährlichen Winterstürme – welche es zweifellos bereits früher gegeben hat – haben heute viel grössere Auswirkungen auf die archäologischen Fundstätten», schreiben die Autoren.

Die Archäologen versuchen das historische Erbe auf verschiedene Art und Weise zu schützen. Bei Häfen versehen sie beispielsweise die Ketten von Bojen mit Schwimmern, damit diese nicht über den Seegrund schleifen. Oft erstellen sie auch Schutzabdeckungen aus Kies. Für viele Stätten braucht es aber ein umfassenderes Schutzkonzept. Ein solches erarbeiten die Forscher derzeit für die Fundstelle bei der Halbinsel Au.