Herr Brühlmann, gestern startete das zweite Mal nach 2011 ein Stadtfest mit zehntätigem Programm. Wozu dieser Gigantismus?

Toni Brühlmann-Jecklin: Stadtfeste haben in Schlieren Tradition. 2011 haben wir mithilfe eines sehr professionellen Organisationskomitees erstmals ein Programm für zehn Tage auf die Beine gestellt. Nach dem durchschlagenden Erfolg war das OK bereit, es auch dieses Jahr wieder an die Hand zu nehmen. Es sprach also nichts dagegen. Und unsere Erfahrung zeigt, dass der Aufbau-Aufwand für ein dreitägiges Fest fast gleich gross ist, wie für zehn Tage. Er steht bei einem grösseren Fest mit dem Ertrag also in einem besseren Verhältnis.

Das Fest ist ja nicht auf Profit ausgerichtet. Was meinen Sie also mit Ertrag?

Zum einen natürlich der finanzielle Ertrag für die Vereine und Gastrobetriebe. Der Aufwand, den sie für den Bau und die Vorbereitung ihrer Stände betreiben, ist gleich gross, wenn sie nur ein Wochenende lang darin wirtschaften können.

Toni Brühlmann-Jecklin, SP, Stadtpräsident Schlierens

Toni Brühlmann-Jecklin, SP, Stadtpräsident Schlierens

Sie deuteten eine andere Form des Ertrags an.

Gerade weil das Fest so lange dauert, löst es in der Stadt schon im Vorfeld einiges aus. Viele verschiedene Einrichtungen, wie etwa die Schulen, die verschiedenen Glaubensgemeinschaften oder auch Seniorenvereine überlegen sich, wie sie zum Fest etwas beitragen könnten. Der grosse Zeitrahmen gibt auch kleineren Gruppierungen die Möglichkeit, sich einbringen zu können. Ansonsten würde sich das Angebot wohl vor allem auf die Stars auf der Bühne und die Festwirtschaften beschränken. Gerade weil sich eine vielfältige Festbewegung entwickeln kann, lohnt es sich, ein Fest so gross aufzuziehen.

Derzeit verlaufen in Schlieren innerhalb der Bevölkerung tiefe Gräben, etwa was die Limmattalbahn oder den Umgang mit der zunehmenden Verdichtung des Siedlungsgebiets angeht. Braucht es solche Feste auch, um Schlieremer wieder zusammenzuschweissen?

Diese Themen werden sicher heftig diskutiert, auch wenn ich nicht von Gräben sprechen würde. Ich bin aber der festen Überzeugung, dass das gemeinsame Feiern für unsere Stadt sehr wichtig ist. In Zeiten, in denen sich die Zusammensetzung der städtischen Bevölkerung von Jahr zu Jahr ändert und sich Spannungen zwischen der dörflichen Welt und der Urbanität auftun, stiftet ein Stadtfest dieser Dimension Identität. Alteingesessene wie auch Neuzuzüger stellen dabei fest, wie viel Lebensqualität die Bewegung in Schlieren mit sich bringen kann.

Am Schlierefäscht zeigt sich, wie viel kreative Energie in der Stadt vorhanden ist. Bei soviel Innovationsgeist erstaunt es, dass die Stadt es bislang nicht schaffte, für grössere Veranstaltungen einen Ersatz für den Salmensaal zu schaffen.

Wir sind in diesem langwierigen Projekt nun auf einen guten Weg. Der Stadtrat hat kürzlich einen Kredit für eine Machbarkeitsstudie gesprochen, um abzuklären, was auf dem Platz neben dem künftigen neuen Verkehrskreisel im Zentrum möglich ist. Ein Projekt wie die Neugestaltung des Zentrums und der Bau eines Stadtsaales lässt sich nun mal nicht über das Knie brechen.

Was heisst das? Wird der «Tag der Wirtschaft» am Schlierefäscht 2019 bereits an einem neuen Kongresssaal stattfinden können?

Die Zeit bis 2019 dürfte knapp bemessen sein, um einen neuen Saal zu bauen. Aber wir peilen einen Zeithorizont um 2020 herum an.

Neun Festtage bleiben noch. Worauf freuen Sie sich am meisten?

Ganz fest freue ich mich auf kleinere Angebote, wie etwa die Show der Schulklassen vom «Chalchi» am Dienstagnachmittag um 15 Uhr oder das Konzert von «Noi Insieme» vom Samstag in einer Woche. Natürlich werde ich mir auch einige Auftritte der Stars auf der Bühne ansehen. Es ist wichtig, dass trotz der gigantischen Komponente des Fests auch das Kleine Feine seinen Platz hat.

Und wird man sie auch am Konzert der «Spider Murphy Gang» heute Abend antreffen?

Ich hoffe sehr, dass ich mir irgendwie die Zeit für diesen Auftritt freischaufeln kann.