Schlieren
Standortförderer Albert Schweizer: «Wir müssen aggressiver auftreten»

Standortförderer Albert Schweizer sieht den «Willen zur Veränderung» als grösste Stärke der Schlieremer

Florian Niedermann
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Standortförderer Albert Schweizer zeigt Projekte für Schlieren
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Eine der offenen Baustellen am Ende des Jahres 2011 Die Verkehrsplanung im Zusammenhang mit dem Stadtentwicklungskonzept bedingt intensive Verhandlungen mit Grundstückeigentümern.
Für das Schlierenfest konnte Albert Schweizer 400'000 Franken zusammentragen Damit wurden unter anderem Konzerte finanziert (im Bild Musiker Seven)
Im Bereich der Biotechnologie und bei Cleantech will Schlieren schweizweit die Nummer eins werden Hier ein Bild aus dem Labor des Biotech-Centers in Zürich-Schlieren.

Standortförderer Albert Schweizer zeigt Projekte für Schlieren

Limmattaler Zeitung

Es gebe einige Faktoren, durch welche sich Schlieren von anderen Gemeinden im Wirtschaftsraum Zürich abhebe, erklärt Albert Schweizer, Leiter der Standortförderung der Stadt. Dazu gehören etwa die gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr, die zentrale Rolle, welche die Standortförderung in der Stadtpolitik zu spielen, sowie die innovative Stadtverwaltung

«Das grösste Potenzial steckt aber in den rund 17 000 Bewohnern und 700 juristischen Personen. Ein Charaktermerkmal der Schlieremer ist der Wille, etwas zu bewegen und zu verändern.» Diese Haltung sei es, welche es ihm als Standortförderer möglich gemacht habe, in den zwölf Jahren seiner Tätigkeit derart viel zu bewirken, sagt Schweizer.

Zusammenarbeiten und Ansiedeln

Der Aufbau der Standortförderung in Schlieren, welcher 1999 begann, zeichnet sich durch die verstärkte Zusammenarbeit der Verwaltung mit Wirtschaft, Gewerbe und Detailisten, aber auch eine intensive Werbeaktivität für den Standort auf dem nationalen Markt aus, wie Schweizer erklärt: «Auf diese Weise konnten in den letzten zehn Jahren zwischen 40 und 50 Firmen in Schlieren angesiedelt, und so zirka 800 Arbeitsplätze geschaffen werden. Ausserdem ermöglicht diese Strategie auch Clusterbildungen bei der Biotechnologie und bei Cleantech.»

Parallel zu den genannten Prozessen habe man ein starkes Netzwerk innerhalb und ausserhalb der Schlieremer Wirtschaft aufbauen können, was in das 2011 erstmals durchgeführte Forum Wirtschaft mündete.

Die ersten Früchte dieser Entwicklung hätten sich aber schon früher gezeigt, wie der Standortförderer erklärt: «Die Krönung war, als aus dem lokalen Gewerbe und der Industrie über 400 000 Franken für das Schlierefäscht zusammengetragen werden konnten. Hätte man mich vorher gefragt, ich hätte nie an eine solche Summe geglaubt.» Auch dies, urteilt Schweizer, ein Beispiel für den allgemeinen Schlieremer Innovationswillen.

«Wir müssen aggressiver auftreten»

In Zukunft muss sich Schlieren gegenüber den Mitkonkurrenten in Zürich Nord und auch den unmittelbaren Nachbarn mehr profilieren, findet Schweizer: «Wir müssen aggressiver auftreten. Zwar haben wir als Wirtschaftsstandort sicher den Vorteil, gleich an der Stadtgrenze Zürichs zu liegen. Aber wir haben auch viel mehr eingezonte und baubewilligte Gebiete als etwa Dietikon.» Sein Ziel sei es, in den nächsten Jahren vermehrt auch nationale Konzerne anzuziehen. Man habe Bauprojekte von Investoren auf bis zu 100 000 Quadratmetern neuer Nutzfläche. Schweizer betont: «Das bedeutet etwa 100 bis 500 Arbeitsplätze pro Konzern, die so in Schlieren geschaffen würden.»

Seine Rolle bei diesen Ansiedlungen sei es nicht, den Investoren vorzuschreiben, welche Firmen sie in ihren Liegenschaften zu beherbergen hätten, erklärt Schweizer. «Ich begleite sie bloss auf der Suche nach ihren Kunden und lasse sie von meinem Netzwerk als Standortförderer profitieren.»
In seinen Bestrebungen wirkt Schweizer oft visionär. Das kommt nicht von ungefähr, wie Schweizer sagt: «Man muss träumen können. Ich lege die Messlatte immer bewusst hoch.» Oft stosse er damit in der Anfangsphase eines Projekts innerhalb der Verwaltung auf Skepsis. Er suche sich aber immer schon früh Mitstreiter, welche ihm helfen würden, auch die anderen Beteiligten von einem Vorhaben zu überzeugen.

Einige offene Baustellen bestehen

Dass am Ende nicht er das Lob für ein gelungenes Projekt erhält, sieht Schweizer als Teil seines Jobs: «Am Ende stehen andere zuvorderst. Sie sollen die Lorbeeren ernten.» Die Frage, ob dies auch den positiven Effekt habe, im Falle eines Scheiterns nicht die Verantwortung übernehmen zu müssen, verneint Schweizer: «Das sind ja selten Geschichten, die scheitern können. Eines unserer Ziele besteht beispielsweise darin, schweizweit die Nummer eins in der Biotechnologie und im Cleantech zu werden. Falls wir das aber nicht schaffen, so wird uns sicher niemand dafür kritisieren.»
Dennoch gesteht der Standortförderer ein, dass in diesem Jahr doch auch einige «Baustellen offen geblieben» sind, was die Stadtentwicklung betrifft. So habe man beispielsweise bei den Strassenerschliessungen, welche Teil der Verkehrsplanung im Rahmen des Stadtentwicklungskonzepts sind, den Durchbruch noch nicht geschafft: «Wir führen intensive Verkaufsverhandlungen mit den Grundeigentümern einiger Schlüsselgrundstücke. Wir sind aber zuversichtlich, dass die Öffnungen an der Rütistrasse und der Goldschlägistrasse in spätestens drei Jahren rechtzeitig möglich werden», erklärt Schweizer.

Ein weiteres Projekt, das noch viel Engagement seitens der Standortförderung beansprucht, ist die soziale Durchmischung der Bevölkerung. Konkret geht es dabei darum, Quartiere, in denen alte Wohnbauten und Einwohner aus tieferen sozialen Schichten dominieren, durch Renovationen und Neubauten aufzuwerten, und so auch für besser gestellte Schichten wieder attraktiver zu machen. Beeinflussen könne er diese Entwicklung nur über den Kontakt mit den Hauseigentümern, sagt Schweizer. Einerseits versuche man diese dazu zu bringen, auch in alte Bausubstanz zu investieren, andererseits wolle man erreichen, dass gerade bei Erstvermietungen die Mietgesuche etwa über Referenzen strenger geprüft würden.
Günstiger Wohnraum vorhanden

Auf die Frage, ob man so längerfristig finanziell schlechter gestellte Schichten nicht einfach aus diesen Quartieren verdränge, antwortet Schweizer: «Bis dies geschieht, wird durch die Amelioration der Quartiere zunächst eine soziale Durchmischung erfolgen. Wenn die dort heute ansässigen Schichten sich später zum Wegziehen gezwungen sehen, so findet sich in Schlieren oder den Nachbargemeinden sicher immer noch günstigerer Wohnraum, welcher ihnen ein neues Zuhause bieten kann.»

Auf 2012 freut sich Schweizer. Besonders die Eröffnung des Stadtbüros im Februar bedeute für ihn einen ersten Höhepunkt im neuen Jahr: «Diese Einrichtung bedeutet eine Öffnung der Verwaltung gegenüber der Bevölkerung, der Wirtschaft und dem Gewerbe. Dort finden die Bedürfnisse und Fragen an einem zentralen Ort ein offenes Ohr.»

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