Das beste Resultat der gestrigen Gesamterneuerungswahl in Birmensdorf holte der parteilose Bruno Knecht mit 944 Stimmen. Er wurde auch zum Nachfolger des nicht wieder antretenden Gemeindepräsidenten Werner Steiner (SVP) gewählt. «Ich bin überrascht, dass ich mit einem derart guten Resultat abschneiden konnte», sagt Knecht auf Anfrage. Bisher amtete er als Hochbauvorstand, wo man exponiert sei und sich durch gewisse Entscheide nicht nur Freunde mache, sagt er weiter. Dass er mit seinen 773 Stimmen, die er zur Wahl ins Präsidium holte, das absolute Mehr von 566 Stimmen derart eindeutig übertraf, zeige ihm, dass seine bisherige Arbeit im Gemeinderat geschätzt werde.

Da sich Knecht kein Gegenkandidat in den Weg stellte, versprach die Gesamterneuerungswahl des Gemeinderates mehr Spannung. Denn: Neben Steiner trat auch der langjährige Finanzvorstand Werner Haab (SVP) nicht zur Wiederwahl an. Neun Kandidaten kämpften um sieben Sitze. Nach Knecht erreichte hier die Tiefbauvorsteherin Barbara Puricelli (FDP) mit 898 Stimmen das zweitbeste Resultat. Auf sie folgt Sicherheitsvorstand Paul Gähler (CVP) mit 879 Stimmen. Die parteilose Gabriela Stampa (neu) holt mit 858 Stimmen das viertbeste Resultat, gefolgt von der bisherigen Sozialvorsteherin Annegret Grossen (FDP) mit 851 Stimmen. Stefan Gut (SVP/neu) holt 824 Stimmen und wurde noch vor seinen Parteikollegen und Gesundheitsvorstand Ringo Keller gewählt. Dieser holte 745 Stimmen. Die Wahlbeteiligung betrug knapp 34 Prozent.

Das absolute Mehr lag bei 526 Stimmen, eine Marke, die auch die beiden weiteren Kandidaten knackten. Patrick Vogel (FDP/neu) holte lediglich 38 Stimmen weniger als Keller und schaffte den Einzug knapp nicht. Leicht abgeschlagen landet Samuel Wenk (Juso/neu) mit 565 Wählern auf dem letzten Platz der neun Kandidaten.

Finanzen wären erfreulich

Sie freue sich sehr über das Vertrauen, das ihr die Wähler entgegenbringen, sagt Gabriela Stampa auf Anfrage. «Dass ich jedoch mit dem viertbesten Resultat abschneide, hätte ich nicht gedacht.» Dass sie dieses Resultat ohne eine Partei im Rücken erreichte, habe wohl mehrere Faktoren. «Dass ich eine Frau bin, die mittelinks politisiert, war wohl vielen Wählern sympathisch. Zudem bin ich seit Jahren in der Gemeinde – etwa bei der Kinderkrippe – aktiv und daher auch ein wenig bekannt», sagt sie. Als Finanzspezialistin wäre sie bestens für das frei werdende Finanzressort geeignet. «Würde ich dieses erhalten, wäre dies erfreulich. Es gilt jedoch erst, die Konstituierung der Exekutive abzuwarten,» so Stampa.

Auch Stefan Gut ist erfreut über seine Wahl. «Das Ergebnis überrascht mich ein wenig. Im Wahlkampf hatte ich das Gefühl, dass die SVP wegen der nationalen Politik abgestraft wird», sagt er. Doch nun sei er froh, dass er und Ringo Keller den Sprung in die Exekutive geschafft haben. «Die Politik, die der Gemeinderat in den vergangenen Jahren verfolgte, wird nun eine Weiteführung finden», so Gut.

Ähnlich wertet Knecht das Resultat. Dass alle Bisherigen die Wiederwahl schafften, zeigt ihm, dass man keine schlechte Arbeit leiste. Er werde sich als neuer Präsident dafür einsetzen, dass das Gremium die bisherige Politik weiterführe. «Es kommen grosse finanzpolitische Herausforderungen auf uns zu und es ist wichtig, dass wir alle am selben Strick ziehen.»
Zudem könnten die beiden nicht gewählten auf das Ergebnis stolz sein, da sie beide das absolute Mehr erreichten.

«Hoffnungsvolles Zeichen»

«Ich bin sehr stolz, dass ich, der erst seit einem Jahr in der Gemeinde wohnt, so viele Stimmen holen konnte», sagt Patrick Vogel auf Anfrage. Dass er die Wahl nur um 38 Stimmen verpasste, stimmt ihn keineswegs traurig.

Auch für Samuel Wenk ist das Ergebnis ein erfreuliches. «Auf Anhieb konnte ich als Jungsozialist das absolute Mehr erreichen. Im von Bürgerlichen dominierten Birmensdorf ist dies ein hoffnungsvolles Zeichen und ich freue mich über das Resultat», sagt er. Dass der 19-jährige sich erneut für ein öffentliches Amt zur Verfügung stellen wird, ist nicht ausgeschlossen. «Die Zukunft wird zeigen, in welcher Form dies geschehen wird.» Bereits im kommenden Jahr wählt der Kanton ein neues Parlament.