Eigentlich klingt die Idee, welche die Schlieremer CVP ins Spiel brachte, vielversprechend. Zwei Bauprojekte im Stadtzentrum, die Millionen kosten, sollen zwecks Einsparungen und haushälterischem Umgang mit Boden gemeinsam realisiert werden. In der stadträtlichen Antwort auf die Motion, welche diese Woche publiziert wurde, wird jedoch ersichtlich, wo die Schwachstellen dieser Idee liegen.

Bei den Millionenprojekten handelt es sich einerseits um den Stadtsaal, der voraussichtlich am Zentrumsplatz gebaut wird, und andererseits um das Alterszentrum, das an der heutigen Badenerstrasse neben dem Ortsmuseum zu stehen kommen soll. Für beide Bauten arbeitete der Stadtrat bereits Kreditanträge für rund 900 000 beziehungsweise 570 000 Franken aus. Mit diesen Beträgen sollen Architekturwettbewerbe ausgerichtet werden. Die städtische CVP hingegen lancierte im April ihre Motion, die verlangt, dass beide Projekte am Zentrumsplatz realisiert werden.

Als Alternative soll zumindest von den am Wettbewerb teilnehmenden Architekten eine Variante entwickelt werden, bei der die beiden Nutzungen vereint sind. So sei bei der Projektierung des Schlieremer Zentrums stets darauf verwiesen worden, dass sich der Stadtpark markant vergrössere. Würden der Stadtsaal und das Alterszentrum auf derselben Fläche realisiert, bliebe unter dem Strich mehr Grünfläche übrig. Auch würden sich Erstellungs- und Betriebskosten der beiden Bauten senken lassen. Die Exekutive geht davon aus, dass der Stadtsaal rund 35 Millionen Franken, das Alterszentrums rund 42 Millionen Franken kosten wird.

Attraktivität ist Zugänglichkeit

Der Stadtrat will die Motion jedoch nicht entgegennehmen, wie er nun entschieden hat. So hänge die Attraktivität des Stadtparks von seiner Zugänglichkeit ab. «Mit der Neugestaltung durch den Neubau der Alterseinrichtung wird er grösser und nutzbarer wahrgenommen als bisher», schreibt die Exekutive. Doch ortet sie auch eine Vielzahl von Nachteilen in praktischen Belangen. So hätten die Bewohner am Zentrumsplatz keine demenzgerechte Umgebungsgrünfläche und für Zusatznutzungen im Alterszentrum, wie etwa ein Coiffeur oder eine Podologie-Praxis, wäre kein Platz mehr. Rückzugsgebiete im halböffentlichen Raum wären bei der kombinierten Variante nicht gewährleistet: «Die Bewohnenden würden ausgestellt.» Synergien mit der benachbarten Alterseinrichtung an der Bachstrasse 1 würden teils verloren gehen.

Adressbildung ist ein Problem

Doch auch im Bereich der Architektur sieht der Stadtrat unüberwindbare Hürden. So soll der Stadtsaal als Leuchtturm-Projekt wahrgenommen werden. Zudem würden auf Alters- und Saalbauten unterschiedliche Architekturformen angewendet. Es sei schwierig, diese Formen zu kombinieren, sodass ein wirtschaftlicher Pflege- und Betreuungsbetrieb gewährleistet werden kann. Fest steht: «Für die Alterseinrichtung würde dies die Betriebskosten erhöhen.»
Doch nicht nur für die Zeit nach der Fertigstellung, sondern auch davor ortet der Stadtrat Mehrkosten.

Durch die separate Erschliessung von Stadtsaal, Pflegezimmer und Alterswohnungen sowie die massiven Akustikmassnahmen würden die Erstellungskosten erhöht. «Deren Verhältnis zur Nutzfläche verschlechtert sich massiv.» Neben einer zeitlichen Verzögerung bei einer Annahme der Motion resultieren auch Mehrkosten beim Wettbewerb. Dies, weil parallel einer für den Stadtsaal mit und ohne Alterszentrum durchgeführt werden müsste. Geplant ist, dass die Motion und die beiden Kreditanträge in derselben Sitzung des Gemeindeparlaments beraten werden. Laut Parlamentssekretär Arno Graf sind diese Geschäfte für die Sitzung vom 3. Juli traktandiert.