Diese Medienmitteilung kam nicht unerwartet. «Esther Tonini wird nach achtjähriger Amtszeit als Hochbauvorsteherin bei den Gesamterneuerungswahlen nicht mehr antreten», gab die SP Dietikon am Mittwoch bekannt. Gerüchte, dass die 59-Jährige am 4. März nicht mehr für den Stadtrat kandidieren wird, gab es schon länger. Von Amtsmüdigkeit war die Rede. Dass es nicht rund lief im Hochbauamt, trat vor allem in der letzten Gemeinderatssitzung vor der Sommerpause zutage, an welcher der Geschäftsbericht 2016 diskutiert wurde. Dabei hielten sich die Gemeinderäte mit Kritik ganz generell nicht zurück, besonders aber prasselte sie auf Tonini. Die Gemeinderäte monierten quer durch alle Parteien unvollständige und ungenügende Auskünfte, weswegen die Geschäftsprüfungskommission gar eine Sonderprüfung des Tonini-Ressorts beschloss.

«Bin nicht amtsmüde»

Den Vorwurf der Amtsmüdigkeit wies Tonini am Mittwoch auf Nachfrage zurück. «Ich bin alles andere als amtsmüde.» Gerade im Moment seien interessante Projekte am Laufen, die ihr den Abschied schwer gemacht hätten. Letztlich hätten private Gründe und ihr Wunsch, wieder mit voller Kraft in ihrem Beruf als Primarlehrerin zu arbeiten, den Ausschlag gegeben. Die Entscheidung sei bereits vor längerer Zeit gefallen, aber aus parteiinternen Gründen erst jetzt kommuniziert worden.

Manuel Peer, Präsident der SP Dietikon und Gemeinderat, bedauert Toninis Entschluss. «Mit ihr verliert Dietikon eine engagierte Hochbauvorsteherin, die im positiven Sinne sichtbare Spuren in Dietikon hinterlassen hat», formulierte er in der Medienmitteilung und zählt einige Grossprojekte auf, die in der Ära Tonini verwirklicht wurden oder kurz vor ihrer Verwirklichung stehen: Ruggacker 1 und 2, das Freibad Fondli sowie diverse Schul- und Kindergartenraumprojekte. Aber sie habe auch viel ungerechtfertigte Kritik einstecken müssen, meinte Peer gestern.

Bisher keine einzige Kandidatin

Auf die fragliche Gemeinderatssitzung angesprochen, reagierte Tonini gestern auch selbstkritisch. Sie räumte ein, dass es Punkte gegeben habe, die man bemängeln könnte, und es sei ihr bewusst, dass die Argumente der Hochbauabteilung nicht immer zu überzeugen vermochten. In diesem Amt müsse man mit der Kritik umgehen können. «Mehrheitlich ist mir das gelungen, aber mit der Zeit wird man empfindlicher.» Ihre Partei ist nun auf der Suche nach einem Nachfolger. Peer: «Es ist nicht einfach, jemanden zu finden, der 20 bis 30 Prozent neben seinem eigentlichen Beruf aufwenden kann. Daran scheitert es meist bei interessierten Leuten, die fähig sind und Lust haben.»

Wie auch immer – bis zum 20. September soll jemand gefunden und fünf Tage später der Mitgliederversammlung vorgeschlagen werden. Namen kann Peer noch keine nennen. Wie sieht es mit Kandidatinnen aus? «Das Thema haben wir in unserer Partei immer im Blick. Aber hier sehe ich vor allem die anderen Parteien in der Pflicht.» Bisher gibt es mit Lucas Neff (Grüne), Roger Bachmann (SVP-Kandidat für das Präsidium), Roger Brunner und Stephan Wittwer (beide SVP), Rolf Schaeren und Reto Siegrist (beide CVP) nur männliche Kandidaten für die Stadtratsposten. Ob Sicherheitsvorsteher Heinz Illi (EVP) wieder antritt, und welchen Kandidaten oder welche Kandidatin die FDP nominiert, wird erst noch kommuniziert.