Pius Meier hatte darauf hingewiesen, dass ein steigender Anteil von Dietiker Kindern beim Eintritt in den Kindergarten «grosse Defizite im Sozialverhalten und den motorischen Fähigkeiten» sowie auch im sprachlichen Bereich aufweise. Wie eine Studie des Marie Meierhofer Instituts für das Kind zeige, wirke sich der Besuch einer Spielgruppe Plus «signifikant positiv» auf die sprachliche und soziale Entwicklung von Kindern mit Migrationshintergrund oder aus bildungsfernen Familien aus.

Grösserer Wortschatz

Auch der Stadtrat anerkennt in seiner Antwort die Vorteile der Spielgruppe Plus, welche in Dietikon seit 2009 in der Schuleinheit Wolfsmatt angeboten wird. Das Projekt sei «erfolgreich» und werde weiterempfohlen: Kindergärtnerinnen «stellen nicht nur einen grösseren aktiven und passiven Wortschatz fest, sondern erleben Kinder, die sich im ersten Kindergartenjahr rascher zurechtfinden».

Dass der Stadtrat das Angebot trotzdem nicht ausweiten will, enttäuscht Meier, wie er auf Anfrage sagt. Er verstehe nicht, wieso der Stadtrat trotz positiver Erfahrungen mit der Spielgruppe Plus nicht bereit sei, diese noch mehr Kindern zugänglich zu machen. Dass zumindest die Bereitschaft signalisiert werde, das bestehende Projekt weiterzuführen, sei jedoch ein erster Schritt, so Meier. «Aber man hätte noch ein paar Schritte weiter gehen können.»

Zudem könne er nicht nachvollziehen, dass der Stadtrat als Argument gegen die Ausweitung des Angebots auf die zusätzlichen Kosten hinweise, so Meier. Denn: «Wenn wir diese Investition heute nicht tätigen, kommt die Rechnung einfach viel später.» Schliesslich habe es sich gezeigt, dass schlecht integrierte Kinder in der Schule tendenziell eher störend auffielen und dadurch teilweise hohe Nachfolgekosten auslösten. «Wenn wir nur einen Fall vermeiden können, bei dem ein Schüler auswärts geschult werden muss, lohnt sich die Investition», so Meier.

Für den Stadtrat sprechen jedoch noch weitere Gründe gegen eine flächendeckende Einführung der Spielgruppe Plus. So erwähnt er einerseits, dass das «Plus» der Spielgruppen auch kontraproduktiv sein könne, da Kleinkinder am besten durch soziale Kontakte unter Gleichaltrigen und aus freier Motivation lernen würden. Erfahrungen aus den städtischen Spielgruppen in der Freizeitanlage Chrüzacher stützten diese Einschätzung, so der Stadtrat. Zudem würden Sprachförderungsprogramme auch in normalen Spielgruppen zum Einsatz kommen.

Private nicht konkurrenzieren

Wie der Stadtrat betont, wolle man ausserdem den privaten Markt im Bereich Spielgruppen nicht konkurrenzieren und den privaten Anbietern nicht vorschreiben, sich als Spielgruppe Plus auszurichten. Auch das aktive Aufsuchen und Informieren von Eltern mit Migrationshintergrund, wie es Meier vorgeschlagen hatte, könne «aus personeller und finanzieller Hinsicht» nicht geleistet werden. Auch fehle eine rechtliche Grundlage, um Eltern zu verpflichten, ihre Kinder in die Spielgruppe zu schicken.