Dietikon
Stadtrat will bei Bauvorhaben nichts an gewohnten Abläufen ändern

Architekten sollen bei grösseren Bauprojekten der Stadt weiterhin für die Bauleitung verantwortlich sein. Diese an unabhängige Fachmänner zu übertragen, sei nicht zielführend.

Sandro Zimmerli
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Grössere Bauprojekte auf unabhängige Fachmänner zu übertragen, sei irreführend, findet der Dietiker Stadtrat.

Grössere Bauprojekte auf unabhängige Fachmänner zu übertragen, sei irreführend, findet der Dietiker Stadtrat.

Sandra Ardizzone

Der Dietiker Stadtrat lehnt es ab, bei grösseren Bauvorhaben der Stadt die Bauleitung immer einem vom beauftragten Architekturbüro unabhängigen Fachmann zu übertragen. Das sei nicht zielführend, schreibt er in seinem Bericht zu einem Postulat von SVP-Gemeinderat Markus Erni. Dieser forderte den Stadtrat mit seinem Vorstoss dazu auf, bei grösseren Bauvorhaben die Projektabläufe neu zu organisieren.

Erni begründete sein Anliegen unter anderem damit, dass Bauabrechnungen in den vergangenen Jahren immer wieder Fragen zu Zusatzkosten und zu deren Ursachen respektive zu deren Verursachern aufgeworfen hätten. «Mit einem unabhängigen Bauführer würden offensichtliche Mängel und Versäumnisse der Planer auch einmal diesen weiterverrechnet», schrieb Erni. Als Beispiel fügte er die Kindergärten hinter dem Zentralschulhaus an. Dort seien die vorgeschriebenen Feuerlöschposten vergessen worden. Die notwendigen Installationen hätten teuer nachgeholt werden müssen. Die dadurch entstandenen Mehrkosten seien vom zuständigen Architekturbüro dem Steuerzahler überwälzt worden.

In seiner Antwort verweist der Stadtrat auf das Zivilrecht und insbesondere die Normen des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins. Dort seien die spezifischen Planerleistungen in den einzelnen Bauprojektphasen, aber auch die diesbezügliche Haftung geregelt. Der Architekt fungiere demnach als Treuhänder des Bauherrn. Er sei für die detaillierte Planung und Ausführung verantwortlich. In diese Leistungen sei auch die Bauleitung als Teilprozess eingebunden. Der Architekt übernehme daher eine umfassende Leitungsfunktion, die auch in seiner Haftung zum Ausdruck komme.

Oberstes Entscheidungsorgan sei aber der Bauherr, heisst es in der Antwort weiter. Dieser befinde an Bauausschusssitzungen über die Qualität und Quantität der Planerleistung. «In diesem Gremium sind immer mehrere Stadträte vertreten. Im Alltag überprüft die Hochbauabteilung die Einhaltung der städtischen Ansprüche», schreibt der Stadtrat. Eigenmächtige Entscheide des Architekten seien somit nicht möglich. Schränke der Bauherr den üblichen Leistungsumfang eines Architekturbüros ein und übergebe Teile davon an ein weiteres Planungsunternehmen, werde er mitverantwortlich für die entstehende Schnittstelle. «Spätere Differenzen unter den beiden Planungsbüros oder daraus hervorgehende Planungs- und Baumängel können auf die Stadt als Bauherrin zurückfallen und zu weitreichender Aberkennung von deren Haftungsansprüchen führen», so der Stadtrat. Werde der Architekt dagegen vom Bauherrn aufgefordert, einen Subunternehmer unter Vertrag zu nehmen, bestehe dieses Risiko nicht, hält der Stadtrat weiter fest.

Laut Stadtrat kommt hinzu, dass vor einem Vertragsabschluss schon heute die Leistungsfähigkeit der Architekturbüros von der Hochbauabteilung geprüft wird. «Sofern ein Architekturbüro die vollumfängliche Planungsleitung intern erbringen kann, überwiegen im Normalfall die Vorteile gegenüber anderen Lösungen.»