Schlieren
Stadtrat verzichtet auf Testversuch: Steht das Ruftaxi nun endgültig vor dem Aus?

Der Stadtrat möchte auf einen von Gaby Niederer (Quartierverein) verlangten Testversuch verzichten.

Alex Rudolf
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Sagt das Parlament Ja, könnten manche Schlieremer mit einem speziellen Berechtigungsausweis für 5 Franken pro Fahrt das Taxi ins Schlieremer Stadtzentrum nehmen – so zum Beispiel die Anwohner der Kampstrasse. Symbolbild: Aru/Archiv

Sagt das Parlament Ja, könnten manche Schlieremer mit einem speziellen Berechtigungsausweis für 5 Franken pro Fahrt das Taxi ins Schlieremer Stadtzentrum nehmen – so zum Beispiel die Anwohner der Kampstrasse. Symbolbild: Aru/Archiv

Die Frage, wie in Schlieren die Aussenquartiere am besten mit dem öffentlichen Verkehr erschlossen werden sollen, beschäftigt die städtische Politik schon länger. Eine Initiative, mit der ein Ortsbus verlangt wurde, erlitt Mitte 2016 an der Urne Schiffbruch. In der Folge reichte Gemeinderätin Gaby Niederer (Quartierverein) einen Vorstoss ein, in dem sie, anstelle des kostspieligen Busses, die Prüfung eines Ruftaxi-Dienstes verlangte. Anfang Jahr legte der Stadtrat dem Parlament eine Umsetzungsvorlage vor, nach der ein zweijähriger Testbetrieb rund 110 000 Franken kosten sollte. Zu viel, resümierte der Stadtrat. Das Parlament erklärte eine von Niederer eingereichte Motion, mit der der Testbetrieb verlangt wurde, aber für erheblich. Nun veröffentlichte der Stadtrat seinen Beschluss zur Motion. Er empfiehlt dem Gemeinderat ein Nein zum Testbetrieb-Kredit.

Über 2500 Personen in mehreren Schlieremer Aussenquartieren sollten vom sogenannten Ruftaxi profitieren. Sie könnten ein Taxi bestellen, das sie für einen Selbstkostenbeitrag von 5 Franken ins Stadtzentrum transportiert. Berechtigt zur Nutzung dieses Dienstes wären jedoch nur Bewohner eines bestimmten Perimeters. Dies sind die rund 400 Anwohner des Schlierenbergs, die 760 Anwohner der Kampstrasse, die 680 Anwohner der Lättenstrasse und die rund 800 Anwohner der Langackerstrasse. Das Ruftaxi soll nicht nach Fahrplan verkehren, sondern höchstens zwei Mal pro Stunde. Alle Nutzer müssten den Dienst mindestens dreissig Minuten vor Abfahrt bestellen.

Benachteiligung befürchtet

Die Exekutive schätzt, dass jährlich rund 5000 Fahrten in Anspruch genommen würden, wobei auf die Stadt Kosten von jeweils 10 Franken pro Fahrt zukommen. Neben den 50 000 Franken pro Jahr kommen noch 10 000 Franken für die Ausstellung der Berechtigungsausweise hinzu.

Der Stadtrat hält diese Lösung jedoch nicht für zielführend. «Die Festlegung des Perimeters, innerhalb dessen Einwohnerinnen und Einwohner zur Nutzung des Ruftaxis berechtigt wären, führt zu einer Benachteiligung der vielen potenziellen Nutzerinnen und Nutzer, die ausserhalb des Perimeters wohnen», findet er. «Wir wollen nicht gewisse Bevölkerungskreise ausschliessen», sagt der zuständige Werkvorstand Andreas Kriesi (GLP) auf Anfrage. Zudem würde die Prüfung der Legitimation der Nutzer einen grossen administrativen Aufwand für die Stadt nach sich ziehen. «Nun muss das Parlament entscheiden, ob es das Ruftaxi will», so Kriesi. Wann das Geschäft in den Rat kommt, ist noch offen.

Motionärin Niederer ist von der Vorlage überzeugt. Nebst dem, dass die Stadt neu auf einen fixen Fahrplan verzichte, gebe es auch keine Haltestellen mehr, an denen die Nutzenden warten müssten. «So ist der Betrieb um ein Vielfaches effizienter», so Niederer. Die administrativen Aufwände würden tief gehalten, da neu auf das Vorweisen von Tickets verzichtet werde und nur die Berechtigungskarte gezeigt werden muss. Dass der Stadtrat dem Parlament dennoch die Ablehnung empfiehlt, ist für Niederer keine Überraschung. «Seine Einschätzung der Lage teile ich dennoch nicht», sagt sie. So sei es zwar unangenehm, wenn man nahe an der Grenze zu einem Perimeter wohne, aber zur Nutzung nicht berechtigt sei. «Wir sind es uns jedoch gewohnt zu einer Zielgruppe zu gehören – oder eben nicht», sagt sie.

Welche Chancen die Vorlage im Parlament hat, könne sie schlecht einschätzen. So müsse der vorliegende Umsetzungsvorschlag erst in der vorberatenden Kommission und im Rat diskutiert werden. «Ich hoffe, dass alle Parlamentsmitglieder, die das Ruftaxi für erheblich erklärt haben, dieser Testphase nun beipflichten», sagt Niederer.

Dieser Artikel erschien am 19. Dezember 2018.