Dietikon
Stadtrat und Halter relativieren Aussagen zum Stockwerkeigentum

Das Mietschulhaus im Dietiker LImmatfeld wurde am Sonntag von den Stimmbürgern abgelehnt. Nun wird klar: Die alternative Option Stockwerkeigentum wurde erst kurz vor der Abstimmung angesprochen. Ernsthaft diskutiert wurde das Thema ausserdem nie.

Bettina Hamilton-Irvine
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Kaufen statt mieten – das Schulhaus im Weidenhof (rechter Komplex) könnte vielleicht im Stockwerkeigentum erworben werden.

Kaufen statt mieten – das Schulhaus im Weidenhof (rechter Komplex) könnte vielleicht im Stockwerkeigentum erworben werden.

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Nun kommt Licht in die Geschichte rund um das Thema Mietschulhaus im Dietiker Limmatfeld. Nachdem dieses am Sonntag an der Urne wuchtig abgelehnt wurde, war bisher unklar, ob die naheliegende Option Stockwerkeigentum im Vorfeld ernsthaft untersucht worden war.

In den letzten Tagen stand Aussage gegen Aussage: Schulpräsident Jean-Pierre Balbiani (SVP) sagte kurz nach der gescheiterten Abstimmung, man habe das Thema Stockwerkeigentum «eineinhalb Jahre lang zur Diskussion gestellt», aber die Vorschläge seien von Halter AG, den Entwicklern des Limmatfelds, «immer strikte negativ beantwortet worden». Markus Mettler, CEO der Halter AG, betonte am Montag gegenüber der Limmattaler Zeitung, man habe mit dem Stadtrat nie ernsthaft über Stockwerkeigentum gesprochen.

Stockwerkeigentum als Notlösung

Nun relativieren beide Seiten ihre Aussage. Stadtpräsident Otto Müller (FDP) erklärte auf Nachfrage der Limmattaler Zeitung in einer schriftlichen Stellungnahme, das Thema Stockwerkeigentum sei zur Sprache gekommen an einer Strategiesitzung zwischen ihm und Maik Neuhaus, Projektleiter bei Halter AG. «Noch einige Tage vor der Volksabstimmung wurde die Frage, ob Stockwerkeigentum im Fall eines negativen Abstimmungsausgangs eine Alternative wäre, nochmals verneint», so Müller.

Frage am Rande einer Sitzung

Halter-CEO Mettler sagte gestern gegenüber der Limmattaler Zeitung, er wisse nun, wie die Verwirrung entstanden sei. Stadtpräsident Müller habe Neuhaus am Rande einer Sitzung am 15. November - zehn Tage vor der Abstimmung - zum Thema Stockwerkeigentum befragt. Neuhaus habe darauf geantwortet, er könne sich dies als Lösung nicht vorstellen. Laut Mettler hat Neuhaus korrekt reagiert, da er zu diesem Zeitpunkt aus Verpflichtung gegenüber dem Investor nicht befugt war, eine andere Aussage zu machen.

Trotzdem will Mettler bei seiner Aussage bleiben. «Man kann ganz klar sagen», so der CEO, «dass das Thema Stockwerkeigentum im Vorfeld nie ernsthaft diskutiert worden ist.» Man sei für das Limmatfeld immer von der Option Mietschulhaus ausgegangen. Er verstehe jedoch, wie das Missverständnis geschehen konnte, sagt Mettler. Doch wolle man jetzt nach vorne blicken. «Für mich ist das Thema nun erledigt. Wir wollen weiterhin konstruktiv mit der Stadt zusammenarbeiten.» Bereits stehe ein Termin, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Mettler hat schon Anfang Woche signalisiert, Halter sei auf jeden Fall zu Gesprächen über Stockwerkeigentum bereit. Auch die Immobilien-Anlagestiftung Turidomus, die designierte Eigentümerin des Grundstücks, liess ausrichten, man sei sehr wohl offen für eine Lösung mit Stockwerkeigentum. Zudem fand bereits am Mittwoch eine Sitzung zwischen Stadt und Limmatfeld-Eigentümerin Rapid statt, an der laut Müller «diverse Optionen diskutiert wurden».

Ausbau oder Neubau?

Daneben wird der Stadtrat auch Möglichkeiten ausserhalb des Limmatfelds prüfen müssen. Denkbar ist als Alternative, den bereits geplanten Ausbau der Schuleinheit Wolfsmatt grosszügiger zu gestalten. Zur Debatte steht ausserdem nach wie vor der Bau eines Schulhauses auf dem stadteigenen Land im Gebiet Stierenmatt, das ans Limmatfeld angrenzt. Die Stadt wollte diese Option bisher nicht ernsthaft in Betracht ziehen. Noch am Montag nach der Abstimmung sagte Balbiani, das Grundstück stehe als Option nicht zur Verfügung. Er verwies dabei unter anderem auf den Werkhof, der heute auf dem Areal steht und umplatziert werden müsse. Zudem ist das Grundstück seit März 2012 mit einem Rekurs gegen den städtischen Gestaltungsplan im Gebiet Silbern-Lerzenmatt-Stierenmatt (SLS) belastet.

Provisorien sind unumgänglich

Der Stadtrat wird sich aber nicht nur nach neuen Lösungen, sondern auch nach Übergangslösungen umsehen müssen. Denn zusätzlicher Schulraum wird bereits ab 2015 benötigt. Wie Schulpräsident Balbiani am Montag sagte, sei das Verteilen der Schüler auf andere Schuleinheiten zu schwierig. Provisorien würden daher «zwangsläufig nötig». Noch offen ist aber die Frage nach dem Standort für eine Containersiedlung. Sie soll dieser Tage diskutiert werden.