Dietikon
Stadtrat prüft mehr Defibrillatoren, will aber keine neuen

Der Stadtrat prüft weitere Defibrillatoren-Standorte in Dietikon, will aber keine Geräte der neusten Generation.

Sibylle Egloff
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Der Defibrillator beim Kirchplatz wurde im Herbst 2014 montiert. Er war der erste auf öffentlichem Stadtgebiet. Liana Soliman

Der Defibrillator beim Kirchplatz wurde im Herbst 2014 montiert. Er war der erste auf öffentlichem Stadtgebiet. Liana Soliman

Liana Soliman

Der Dietiker Stadtrat verzichtet darauf, die bestehenden 13 Defibrillatoren in der Stadt mit Geräten der neusten Generation auszuwechseln. Eine solche Aktualisierung hatte Gemeinderat Olivier Barthe (FDP) in einer Interpellation gefordert.

Sein Ziel: Die bestehenden Defibrillatoren durch neue der Dietiker Firma Lifetec zu ersetzen, die im Gegensatz zu den derzeitigen Modellen bei ihrer Aktivierung den Helfer sofort mit dem Rettungsdienst verbinden und örtliche Koordinaten dem Sanitätsdienst weiterleiten.

Gestützt auf die Stellungnahmen der Ärztegesellschaft des Kantons Zürich, der Fachgesellschaft für Kardiologie und der Schweizerischen Herzstiftung kommt der Stadtrat zum Schluss, dass die Einführung von Defibrillatoren mit interaktiver Hilfe nicht nötig sei.

Entscheidend für die Lebensrettung sei die unverzügliche Hilfe mit Herzdruckmassage und nicht der Defibrillator. Bis ein solcher verfügbar sei – und auch nach der erfolgreichen Defibrillation – müsse das Herz mit Herzdruckmassage und allenfalls mit Beatmung unterstützt und gestärkt werden.

Kein Garant für Reanimation

Der Stadtrat ist weiter der Meinung, dass ein noch so gutes Gerät alleine kein Garant für die erfolgreiche Animation sei. Die Versorgung bei einem Herzstillstand könne durch professionell ausgebildete Ärzte und Rettungskräfte in Ballungszentren wie Dietikon gut und schnell ausgelöst werden. Das sei in weniger dicht besiedelten Regionen, wo die Anfahrt der qualifizierten Helfer längere Zeit beanspruche, nicht der Fall.

Ein weiterer Grund für die Ablehnung: Die Ärztegesellschaft des Kantons Zürich koordiniert seit 2018 die Notfallversorgung durch Ärzte. Derzeit werden einheitliche Ausrüstungsstandards für den Einsatz von professionellen Dienstleistern der mobilen ambulanten Versorgung definiert. Die Einführung neuer Geräte in Dietikon würde dem Prinzip der Einheit entgegenwirken.

Aufgrund der Bedeutung von Erste-Hilfe-Massnahmen wie der Herzdruckmassage will der Stadtrat vermehrt auf bestehende Organisationen hinweisen, die Nothilfekurse anbieten. Das zuständige Amt für Umwelt und Gesundheit prüfe die Aufnahme des Themas im Rahmen einer Gesundheitsaktion.

Der Stadtrat sagt aber auch: Alle Fahrschüler, die in den vergangenen Jahrzehnten die Fahrprüfung absolviert hätten, erlernten im Rahmen der Ausbildung im Nothilfekurs die lebensrettenden Sofortmassnahmen. «Es liegt auch in der Verantwortung jeder einzelnen Person, sich gegebenenfalls selber aus- und weiterzubilden.»

Der Stadtrat prüft hingegen auf Anstoss von Barthe das Anbringen von Defibrillatoren an weiteren beliebten Orten in Dietikon. Derzeit sind 13 Defibrillatoren an 12 Standorten installiert. So etwa im Stadthaus neben dem Informationsschalter, im Schwimmbad Fondli oder beim Kirchplatz.

Nothelferkurs ist nicht genug

Barthe zeigt sich mehrheitlich zufrieden mit den Antworten des Stadtrats. «Mir war klar, dass die Einführung von neuen Geräten mehr Zeit benötigt und dass dies nicht nur in Dietikon, sondern flächendeckend passieren muss. Daher kann ich die Reaktion des Stadtrats nachvollziehen.» Einheitlichkeit schaffe Einfachheit. Interessant sei für ihn als Laie, dass die Herzdruckmassage eine bedeutendere Rolle bei lebensrettenden Massnahmen einnehme als der Defibrillator. Dem sei er sich nicht bewusst gewesen, so Barthe.

Er ist aber nach wie vor überzeugt, dass eine interaktive Hilfe die Hemmungen und Angst bei einer Nothilfe leistenden Person senke: «Ich kann doch nicht eine Bedienungsanleitung lesen, während neben mir jemand im Sterben liegt.»

Die Aussage der Stadt, dass jeder Fahrschüler die lebensrettenden Sofortmassnahmen im Nothelferkurs erlerne und für seine Aus- und Weiterbildung in Sachen Nothilfe selbst verantwortlich sei, stört den Politiker. Es höre sich gut an, entspreche aber nicht der Realität. «Die Autoprüfung macht man einmal im Leben. Das kann lange her sein. Ob sich jeder in einem Notfall daran erinnern kann, ist fraglich.»

Der Politiker freut sich aber, dass der Stadtrat weitere Standorte für Defibrillatoren prüft, auch wenn nicht die neuen Geräte zum Einsatz kommen. Etwa am Rapidplatz. «Die Stadt will den Platz beleben. Das Stadtfest soll zu einem grossen Teil dort durchgeführt werden.» Die höhere Dichte an Personen bringe eine höhere Wahrscheinlichkeit von Notfällen mit sich.

Das Thema ist für Barthe mit der Antwort des Stadtrats abgeschlossen. «Mir war wichtig, dass ich Fragen diesbezüglich aufwerfen konnte und die Diskussion ins Rollen gebracht habe.» Durch das und die mediale Nachbearbeitung habe eine gewisse Sensibilisierung der Bevölkerung stattgefunden.