Dies geht aus einem jüngst veröffentlichten Antrag an das Gemeindeparlament hervor. Für 8,2 Millionen Franken soll rund 5600 Quadratmeter Geschossfläche des Gebäudes Rütistrasse 16 und 18 den Besitzer wechseln. Dabei handelt es sich jedoch nicht um irgendeinen Kauf. So verfolgt die Stadt damit die stadträtliche Immobilienpolitik. Damit werde der heutige Besitz arrondiert und die Einflussnahme auf eine künftige Gesamtüberbauung erhöht, schreibt der Stadtrat.

Mit dem Kauf soll etwa verhindert werden, dass eine «schwierige Klientel an Nutzern und Mietern» in das Gebäude aus den 1960er-Jahren zieht. Dies könne aber passieren, da Baurechtsnehmer wenige Jahre vor dem Ablauf dieses Baurechts nur noch geringe Ausgaben für Unterhalt an Gebäuden tätigen. Ziel sei es aber auch, strategische Grundstücke zu erwerben, um die städtebauliche Vision in diesem Gebiet umsetzen zu können.


Sony als Grundstein


Die Umsetzung dieser Vision hängt auch massgeblich von der Stadt Zürich ab. Diese besitzt entlang der Achse Rütistrasse/Gaswerk-Areal rund 240 000 Quadratmeter Bauland, darunter auch jenes an der Rütistrasse 12 bis 18. Dabei handle es sich um eine der grössten zusammenhängenden Bauflächen im Wirtschaftsraum Zürich, so der Stadtrat. «Eine bauliche Entwicklung, die Jahrzehnte dauern wird, muss von Westen her erfolgen, da mit der Sony-Überbauung bereits ein erster Schritt erfolgt ist», so der Stadtrat.


Nach dem Kauf des Stockwerkeigentums an der Rütistrasse 16 und 18 wäre die Stadt noch nicht die alleinige Besitzerin des Gebäudes. Neben den 5600 Quadratmetern Fläche, die heute der Alfred Müller AG gehören und die die Stadt erwerben will, kommen noch rund 2600 Quadratmeter Bürofläche der von Hoff AG und rund 1000 Quadratmeter der VR AG hinzu. Wie Finanz- und Liegenschaftsvorsteherin Manuela Stiefel (FDP) auf Anfrage sagt, bestehe aktuell jedoch keine Absicht, auch deren Stockwerkeigentum zu erwerben, da diese durch Eigennutzung belegt sind.


Jährlich eine Million Ertrag


Derzeit wird rund die Hälfte des betroffenen Fläche bereits vom Verein Start Smart Schlieren an Jungunternehmen vermietet, die restlichen Flächen werden durch Unternehmen aus verschiedenen Branchen belegt, deren Mietverträge bei einem Ja des Parlaments von der Stadt übernommen würden, wie Stiefel sagt. «Doch könnten durch den Flächenzuwachs weiterhin Firmenansiedlungen gefördert werden», schreibt der Stadtrat im Antrag. Denkbar sei aber auch, das Gebäude oder zumindest Teile davon dereinst als Weiterführung des aus allen Nähten platzenden Stadthauses zu nutzen. Erst kürzlich musste aufgrund von Platznot ein zusätzliches Büro angemietet werden.


Der Erwerb ist für die Stadt lukrativ. Der Stadtrat erwartet nämlich einen jährlichen Nettoertrag von rund 370 000 Franken. Gemeinsam mit den Erträgen aus der Liegenschaft 12/14 ergibt sich ein jährlicher Ertrag von über einer Million Franken. Erst im Jahr 2014 erwarb die Stadt den Gebäudeteil mit der Nummer 12/14 im Stockwerkeigentum.


Die Baurechtsverträge mit der Stadt Zürich für beide Gebäude dauern voraussichtlich bis zum Jahr 2043. Doch wurden bereits «zielführende Gespräche» mit der Stadt Zürich geführt. So sei die aktuelle Besitzerin durchaus zum Verkauf der Parzelle bereit.

Dazu müssen jedoch zwei Bedingungen erfüllt sein. Einerseits müsste die Stadt Schlieren das Grundstück für öffentliche Zwecke nutzen und andererseits müsste die Stadt Zürich bei ihrer Verkaufsstrategie auf die Schaffung flüssiger Mittel setzen. Ein solches Verfahren sei bereits beim Verkauf der Parzelle, auf der heute das Sony-Gebäude steht, zum Zug gekommen, schreibt der Stadtrat.


Im Parlament dürfte der Antrag auf Wohlwollen treffen. So wurde im Jahr 2013 der Kauf der benachbarten Liegenschaft mit 31 zu 1 Stimmen gutgeheissen. Doch muss die Stadt heute den Gürtel in Sachen Finanzen enger schnallen als damals. Mit dem Stadtplatz, dem Schulhaus Reitmen und anderen Projekten stehen Millioneninvestitionen auf der Pendenzenliste. Der Kauf von Renditeobjekten spiele aber eine Rolle bei der Haushaltsentlastung, wie es im Antrag heisst.

So erhöhe sich dadurch die Selbstfinanzierung der Stadt und aufgrund der zusätzlichen Einnahmen sinke die Zinsbelastung. Die Bruttoschuld wächst hingegen um 8,2 Millionen Franken, was 5 Prozentpunkten entspricht.