Dietikon
Stadtrat gibt den «Alten Bären» aus den Händen

Der Dietiker Stadtrat legt die Karten punkto «Alten Bären» auf den Tisch: Die Liegenschaft soll verkauft werden. Kulturschaffende hofften auf ein Kulturzentrum auf dem Kronenplatz – sie bedauern den Entscheid.

Bettina Hamilton-Irvine
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Der Dietiker Stadtrat will den «Alten Bären» (r.) neben dem Restaurant Krone verkaufen – es gibt bereits einen Kaufinteressenten. Sandro Zimmerli

Der Dietiker Stadtrat will den «Alten Bären» (r.) neben dem Restaurant Krone verkaufen – es gibt bereits einen Kaufinteressenten. Sandro Zimmerli

Sandro Zimmerli

Jahrelang hat sich der Stadtrat bedeckt gehalten, wenn es um den «Alten Bären» auf dem Dietiker Kronenareal ging. Es sei noch nicht klar, wie man das Gebäude nach seiner Sanierung dereinst nutzen werde, hiess es immer, wenn sich jemand nach dem Stand der Dinge erkundigte. Jetzt spricht der Stadtrat erstmals Klartext: «Die Liegenschaft soll ebenfalls verkauft werden», schreibt er in der Antwort auf eine Interpellation von Gemeinderat Samuel Spahn (Grüne).

Für die Dietiker Kulturschaffenden kommt dieser Satz zwar nicht komplett überraschend: Sie mussten immer mit der Möglichkeit rechnen, dass die altehrwürdige Liegenschaft auf dem Kronenplatz dereinst verkauft wird. Trotzdem bedeutet er für sie das Ende eines lange gehegten Traums: Der Traum eines Kulturzentrums, untergebracht in den beiden Liegenschaften Zehntenscheune und «Alter Bären». Obwohl der Stadtrat im Zusammenhang mit der Zehntenscheune immer von einer kulturellen Nutzung gesprochen hat, wollte er sich beim «Bären» nie festlegen.

«Es braucht Freiräume»

Vor einigen Jahren kam es deswegen beinahe zum Eklat. Dietiker Kulturschaffende gründeten 2005 den Verein Kultur Krone, der sich zum Ziel setzte, auf dem Kronenareal einen kulturellen Treffpunkt zu schaffen, oder, wie sie sagten: einen Ort, an dem die Bevölkerung Platz für ihre Kreativität erhält. Dieser fehle, seit das Schellerareal überbaut worden sei. Nachdem es dem Verein, der bald 180 Mitglieder zählte, in diversen Gesprächen nicht gelang, den Stadtrat von seinen Ideen zu überzeugen, drohte er 2009 mit dem Referendum gegen einen Planungskredit. Das kam schlecht an: Die damalige Hochbauvorsteherin Gertrud Disler nannte das Vorgehen «fast schon erpresserisch» und betonte einmal mehr, es sei noch zu früh, um zu sagen, was mit dem «Alten Bären» geschehen solle. Der Verein verzichtete schliesslich auf ein Referendum.

In den letzten Jahren hörte man nicht mehr viel vom Verein Kultur Krone, der nach wie vor rund 100 Mitglieder zählt. «Wir haben unsere Aktivitäten auf ein Minimum heruntergefahren», sagt Präsident Stefan Baier. Doch jetzt, wo wieder Bewegung in die Sache komme, müsse man besprechen, ob es sich lohne, nochmals Energie in das Thema zu investieren. Den geplanten Verkauf des «Alten Bären» bedauert Baier sehr. «Die Dietiker Bevölkerung braucht einen Ort, wo es Freiräume gibt für projektorientiertes Denken», sagt er. Kultur brauche nicht nur Veranstaltungsorte, sondern auch Orte, wo etwas entstehen könne. Für eine Stadt von der Grösse Dietikons sei das nicht nur wichtig, sondern unverzichtbar: «Kultur ist ein existenzielles Bedürfnis.»

Das findet auch Interpellant Samuel Spah, ebenfalls Mitglied im Verein Kultur Krone: «Dass der Stadtrat den ‹Alten Bären› verkaufen will, ist ein Fehler», sagt er. Für ihn seien «Alter Bären» und Zehntenscheune ein zusammengehörendes Ensemble mit viel Potenzial als Kulturtreffpunkt: «Die Stadt könnte sich das leisten.»

Das allerdings sieht Stadtpräsident Otto Müller anders. Man habe sich aufgrund der verschlechterten finanziellen Lage der Stadt zum Verkauf der Liegenschaft entschieden, sagt er. Man gebe den «Alten Bären» aber nur weg, wenn ein gutes Projekt vorliege, beispielsweise im Bereich Wohnen oder Gewerbe. Die Zehntenscheune mit Nebenräumen werde man hingegen ganz für Kulturzwecke reservieren, so Müller: «Das ist punkto Kulturräume ein Quantensprung in Dietikon.» Die sehr kostspielige Sanierung wolle man mit dem Erlös aus dem Verkauf des «Alten Bären» und der Wohnliegenschaften querfinanzieren. Für beides gebe es bereits interessierte Käufer.