Schlieren
Stadtrat fordert Projektgelder: «Zeppelin» soll 155'000 Franken erhalten

Das Förderprojekt «Zeppelin», für junge Schlieremer Familien, soll trotz Startschwierigkeiten ausgebaut werden. Der Stadtrat beantragt eine Erhöhung der Projektgelder.

Alex Rudolf
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Das Projekt Zeppelin soll Familien mit Startschwierigkeiten helfen, sich in der Gemeinde zu vernetzen und so künftige Ausgaben im Sozial- oder Schulbereich verhindern.

Das Projekt Zeppelin soll Familien mit Startschwierigkeiten helfen, sich in der Gemeinde zu vernetzen und so künftige Ausgaben im Sozial- oder Schulbereich verhindern.

Limmattaler Zeitung

Sind werdende oder frischgebackene Eltern sozial isoliert und können auf keinerlei Hilfe aus dem Umfeld setzen, ist das ein schwieriger Start in den neuen Lebensabschnitt. In Fällen, in denen zwar noch keine Hilfe vom Staat zwingend nötig wird, dies jedoch absehbar ist, greift das Projekt Zeppelin ein. Es befasst sich mit Schlieremer Familien, die sich rund um die Geburt ihres Kindes in einer schwierigen Lebenssituation befinden.

Der Stadtrat beantragt dem Gemeindeparlament eine Erhöhung der Projektgelder. Der Kanton hingegen hat seine Beiträge gesenkt. Damit wolle man kostspielige Kinderschutzmassnahmen durch Prävention verhindern, die Kinder gut auf den Kindergarten vorbereiten und Familien vernetzen und integrieren. Aus verschiedenen Gründen weist Schlieren einen hohen Anteil an Familiensituationen auf, die als belastet bezeichnet werden können, wie der Stadtrat schreibt. «Eine schwierige oder gescheiterte Kindheit kann in anderen Bereichen zu Problemen und vermeidbaren Aufwendungen führen.» Damit sind etwa der Schul- und der Gesundheitsbereich, aber auch die Berufsbildung und die Sicherheit gemeint.

12 Familien nehmen teil

Im Detail findet die Betreuung an monatlich zwei Hausbesuchen statt. Die jungen Familien sollen in das Hilfssystem der Gemeinde integriert werden, also eine nachhaltige Vernetzung stattfinden. Sie werden über zwei bis drei Jahre begleitet. Aktuell sind 12 Familien Teil des Programms, 19 Fälle wurden dem «Zeppelin»-Team etwa via Mütterberatung, Asylorganisation Zürich oder Spital Limmattal zugeteilt.

Das Projekt startete in Schlieren und in zehn weiteren Zürcher Gemeinden Anfang 2017 als Pilotversuch. Bereits damals war offen, ob es auch nach 2019 finanziert werden kann. Es zeigte sich, dass der Kanton «Zeppelin» nur noch eingeschränkt als Teil des Integrationsprogrammes sieht, wie der Stadtrat schreibt. Der Kanton ist für 2018 und 2019 nur noch bereit, einen Gesamtbetrag von 10'000 Franken zu entrichten. «Pro Fall und Jahr fallen somit 2870 Franken an kantonalen Geldern weg.» Die Hälfte davon kann durch Stiftungsmittel des Amtes für Jugend- und Berufsberatung kompensiert werden. Für Schlieren entstehen Mehrkosten von 1400 Franken pro Fall und Jahr. «Damit ist eine Umsetzung des Projektes im Rahmen des bewilligten Kredites bei Aufrechterhaltung der Projektziele nicht mehr möglich», so der Stadtrat.

Deshalb prüfte der Stadtrat verschiedene Optionen. Von einer Kündigung per Ende 2018 hält man im Stadthaus jedoch nicht viel, da durchaus positive Erfahrungen gemacht worden seien. Erfolge, die das Projekt Zeppelin verbuchen konnte, seien aber eher abschätzbar und nicht beweisbar, wie die Stadt schreibt. «Letztlich ist es das Ziel, belastete Familien zu stabilisieren und Heimplatzierungen zu verhindern», schreibt die Stadt. Bei teilnehmenden Familien sei es bislang zu keiner Fremdplatzierung gekommen, und auch sonst hätten keine kostenintensiven Massnahmen ergriffen werden müssen.

«Letztlich ist es das Ziel, belastete Familien zu stabilisieren und Heimplatzierungen zu verhindern.»

Stadtrat Schlieren

Bislang sei zudem sehr wenig unternommen worden, um Familien für das Projekt zu rekrutieren. «Und trotzdem war es ein Leichtes, die Projektplätze zu füllen.» Die Anzahl der zu begleitenden Familien solle demnach erhöht werden.

Zusätzlich 15 Familien

Durch die Kürzung der Kantonsbeiträge entstehen zusätzliche Kosten von 88'000 Franken, wenn gleich viele Familien im Programm verbleiben. Zusammen mit dem Betrag, den die Gemeinde ohnehin übernimmt, also knapp 260'000 Franken. Mit einer Erhöhung des Kostendachs auf 325'000 Franken könnten zusätzlich 15 Familien ins Programm aufgenommen werden. Bei monatlichen Kosten pro Familie von 370 Franken ergibt dies eine Krediterhöhung von 67'000 Franken.

Der Stadtrat hat jedoch erst 170'000 Franken bewilligt. Ein Kredit über die restlichen 155'000 Franken beantragt er dem Gemeindeparlament. Er verweist im Antrag darauf, dass das Projekt vollumfänglich refinanziert ist, wenn in den drei Jahren Laufzeit vier Heimplatzierungen verhindert werden konnten.

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