Die Zukunft des Schlieremer Zentrums konkretisiert sich allmählich. Wie der Stadtrat in einer Mitteilung von gestern schreibt, beantragt er dem Gemeindeparlament einen Kredit in der Höhe von 8,05 Millionen Franken. Darin enthalten sind die Gestaltung des neuen Stadtplatzes und der Anschluss an den angrenzenden Stadtpark. «So wird das Zentrum von Schlieren definiert. Es erhält einen neuen Charakter», schreibt der Stadtrat. Gleichzeitig fasst die Exekutive die Nein-Parole zur Initiative für eine autofreie Bahnhofstrasse, zieht aber eine Begegnungszone im gesamten Bahnhofsbereich in Betracht.

Das Projekt für den Schlieremer Zentrumsplatz wird zu grossen Teilen von zwei kantonalen Projekten beeinflusst. Einerseits ist ein Strassenkreisel um den Stadtplatz und die Querung des Platzes durch die Limmattalbahn geplant. Vorausgesetzt, die Stadtbahn wird am 22. November vom Zürcher Stimmvolk angenommen, kommen die Projekte in die Submission. Die durch diese beiden Projekte neu entstehenden Flächen bieten Platz für Neues. So soll das Projekt von Kuhn Landschaftsarchitekten und Weberbrunner Architekten realisiert werden. Dieses besticht durch ein flügelartiges Dach auf dem Zentrumsplatz sowie separaten Wartehallen der Limmatalbahn und Bushäuschen. Hinzu kommen ein Wasserspiel, Baumpolster und Sitzkanten. Das Vorprojekt wurde dabei leicht angepasst: So wird das Dach beispielsweise neu ausgerichtet.

Bundesbeiträge in Aussicht

Die Gestaltung des Schlieremer Zentrums ist umstritten. Bereits in der Diskussion um den Projektierungskredit in der Höhe von 785 000 Franken gingen die Wogen im Parlament im Juli vergangenen Jahres hoch. So empfahl die Geschäftsprüfungskommission den Projektierungskredit zur Ablehnung. Begründet wurde dies damit, dass der Stadt verbindliche Zusagen des Kantons für Verkehrsmassnahmen an der Bernstrasse fehlen, bevor der Platz ausgestaltet werden solle. Das Parlament winkte den Planungskredit am Ende knapp mit 15 zu 14 Stimmen durch.

Der grösste Kostenpunkt ist mit gut 3,5 Millionen Franken der Bau des Platzes. Doch auch der Kauf des Grundstückes und der Bau des Flügels schlagen mit 860 000 beziehungsweise 1,4 Millionen Franken zu Buche. Die Stadt darf aber auf finanzielle Unterstützung vom Bund hoffen. Das Projekt ist nämlich im Agglomerationsprogramm der 1. Generation enthalten. Der Beitrag des Bundes schätzt der Stadtrat auf zwischen 30 und 35 Prozent, was rund 2,6 Millionen Franken entspricht.

Terminlich richtet sich die Realisierung des Stadtplatzes nach dem Baubeginn der Limmattalbahn und des Kreisels, wie es in der Weisung heisst. «Derzeit finden inhaltliche Schnittstellen-Abstimmungen zwischen dem Projekt Stadtplatz und den beiden kantonalen Projekten statt.» Am 14. Dezember soll der Kredit im Gemeinderat behandelt werden. Eine Volksabstimmung ist für den 28. Februar 2016 terminiert. Wird der Kredit durchgewunken, könnte die Projektfestsetzung und die Baubewilligung bereits im April erfolgen. Die Submissionen würden dann laut Zeitplan bis Ende August andauern. Der Baubeginn in Abhängigkeit von Limmattalbahn und Kreisel fände voraussichtlich zwischen 2017 und 2019 statt.

Gedrängter Zeitplan

Schlierens Bauvorstand Markus Bärtschiger ist zuversichtlich, dass das überarbeitete Projekt im Gemeinderat eine Mehrheit finden wird. «Es wurde ja unter Einbezug verschiedener Gruppen diskutiert.» Da es um einen wichtigen Platz in der Stadt gehe, sei eine breite Diskussion im Parlament aber erwünscht. «Schlimm wäre, wenn wir im Zuge der Verlegung Zürcher-/Badenerstrasse die Chance für eine Aufwertung verpassen würden», so Bärtschiger.

Zum gedrängten Zeitplan — das Projekt soll bereits zwei Monate nach der Beratung im Gemeinderat vors Volk kommen — sagt Bärtschiger: «Wir wollen den Platz so weit als möglich parallel zum Kreisel bauen, um Synergien zu nutzen.» Etwas mehr Zeit möchte sich der Stadtrat hingegen bei der Verkehrsberuhigung an der Bahnhofstrasse lassen. «Wir beabsichtigen, mit den Betroffenen wie Anwohnern und Gewerblern die beste Lösung finden.» Die Gespräche mit den diversen Interessengruppen laufen laut Bärtschiger noch. «Wir wollten keinen Gegenvorschlag zur Initiative ausarbeiten, um die Betroffenen nicht vor vollendete Tatsachen zu stellen.» Auch die in der Weisung enthaltenen Varianten, etwa die Begegnungszone, seien als Vorschläge zu verstehen. «Vorstellbar wäre etwa auch eine 30er-Zone», so Bärtschiger.