Schlieren
Stadtpräsident Brühlmann zu Zoff-Gerüchten: «Mir sind keine Reibereien bekannt»

Der Geschäftsleiter der Schlieremer Verwaltung Martin Studer tritt vorzeitig in den Ruhestand. Unter Parlamentariern ist das Gerücht aufgekommen, dass es zu Unstimmigkeiten in der Verwaltung gekommen sein – der Stadtrat winkt ab.

Florian Niedermann
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Dicke Luft? Die Verwaltungsstruktur in Schlieren gibt derzeit zu reden.

Dicke Luft? Die Verwaltungsstruktur in Schlieren gibt derzeit zu reden.

Florian Niedermann

Das Geschäftsleitermodell sei sinnvoll und werde beibehalten. Das Gerücht, der Schlieremer Geschäftsleiter Martin Studer gehe vorzeitig in den Ruhestand, gab bei den Schlieremer Parlamentariern Anlass zu Diskussionen. So kam etwa die Frage auf, ob das Geschäftsleitermodell der Stadtverwaltung das richtige System sei, wie SVP-Gemeinderat Daniel Tännler auf Anfrage erklärt.

Er richtete deshalb eine Interpellation an den Stadtrat, um von ihm Auskunft darüber zu erhalten, ob die Stelle Studers neu besetzt wird und wenn ja, aus welchen Überlegungen man sich dazu entschieden hat. Weiter wollte Tännler wissen, ob der Stadtrat «die Gelegenheit nutze», um Veränderungen in der Struktur der Verwaltungsleitung vorzunehmen.

Die Stelle des Geschäftsleiters sei mitunter deshalb geschaffen worden, um die Leiter der einzelnen Abteilungen in der Verwaltung zu führen, sagt Tännler: «Unter den Parlamentariern heisst es nun aber, dass diese Führung nichts bringe. Es kursieren Gerüchte, wonach es zu Unstimmigkeiten in der Verwaltung gekommen sei.»

Falls der Stadtrat am Geschäftsleitermodell festhalte, müssten die Strukturen so definiert werden, dass Studers Nachfolger nicht mit denselben Problemen zu kämpfen habe, so Tännler.

Modell soll beibehalten werden

Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin (SP) bestätigt zwar auf Anfrage, dass Geschäftsleiter Studer im kommenden Herbst einige Monate vor dem Erreichen des Pensionsalters im Februar 2015 in den Ruhestand treten möchte. Zu verwaltungsinternen Streitigkeiten sei es unter seiner Ägide aber nicht gekommen: «Mir sind keinerlei Reibereien bekannt», so Brühlmann.

Der Stadtrat habe sich mit der Frage der Verwaltungsorganisation und der Zweckmässigkeit des Geschäftsleitermodells bereits gründlich auseinandergesetzt, sagt der Stadtpräsident. Auch mit dem Geschäftsleitungsgremium, bestehend aus den Abteilungsleitern und der Stadtschreiberin, habe man das Thema besprochen. «Der Tenor im Stadtrat, wie auch in der Geschäftsleitung war dabei klar: Das Geschäftsleitermodell ist sinnvoll und soll beibehalten werden», so Brühlmann. Wenn Studer in den Ruhestand geht, will die Stadt deshalb seine Stelle «in etwa mit demselben Stellenprofil» ausschreiben, wie der Stadtpräsident erklärt.

Eine wichtige Funktion des Geschäftsleitermodells ist, dass es die Milizpolitiker der Exekutive entlastet: Gemäss diesem System kümmert sich der Geschäftsleiter als oberster Personalverantwortlicher und Vorsitzender der Geschäftsleitung um die operative Führung der Verwaltung. Der Stadtrat soll sich so auf die strategische Leitung konzentrieren können. In Schlieren übernimmt der Geschäftsleiter ausserdem die betriebswirtschaftliche Leitung der Verwaltung. Im Gegensatz zu Gemeinden, in denen sich der Gemeindeschreiber auch um diesen Bereich kümmern muss, könne die Schlieremer Stadtschreiberin somit voll auf die verwaltungsrechtlichen Fragen fokussieren, erklärt Brühlmann.

Projet Urbain ist Paradebeispiel

Bewährt habe sich das Modell insbesondere auch bei Geschäften, in die mehrere Abteilungen involviert waren, erklärt er: «Dies ist bei den meisten Projekten der Fall.» Als Paradebeispiel nennt Brühlmann das Projet Urbain in Schlieren Südwest, bei dem Studer die Ideen und Anliegen der Bevölkerung in den Stadtrat und die Verwaltung trug.

Eine andere Verwaltungsstruktur als in Schlieren findet sich in Dietikon. Dort ist der vollamtliche Stadtpräsident für die Geschäftsführung verantwortlich. Dazu führt er die Kadersitzung mit den Abteilungsleitern sowie dem Stab und hat auch das städtische Personalamt unter sich. In dieser Funktion sei er auch für die Koordination zwischen den einzelnen Abteilungen besorgt, erklärt der Dietiker Stadtpräsident Otto Müller (FDP).

Einen Geschäftsleiter einzuführen, komme nicht infrage: «Wir haben die Verwaltungsstruktur 2009 vor der Revision der Gemeindeordnung breit thematisiert. Dabei fielen keine Voten für einen Wechsel», so Müller. Den Grund dafür sieht er darin, dass die politischen Kräfte die Effizienz und die Bürgernähe schätzen würden, die in der Verwaltung durch den gewählten Stadtpräsidenten an der Spitze entstehe.