Sicherheit

Geht es bei der Stadtpolizei Schlieren/Urdorf um Mobbingvorwürfe?

Blick vom Schalter der Stadtpolizei Schlieren/Urdorf und der Kantonspolizei nach aussen: Vor rund einem Jahr wurde der neue Posten an der Freiestrasse eröffnet. Was spielt sich darin ab?

Blick vom Schalter der Stadtpolizei Schlieren/Urdorf und der Kantonspolizei nach aussen: Vor rund einem Jahr wurde der neue Posten an der Freiestrasse eröffnet. Was spielt sich darin ab?

Auf dem Posten rumort es in personeller Hinsicht. Es läuft mindestens ein Verfahren – nicht zum ersten Mal.

Das Communiqué der Stadt Schlieren am Montag war kurz. Der Name Marco Weissenbrunner wurde gar nicht erst erwähnt. Ebenso wenig umfasste es Anerkennung für seine langjährige Arbeit. Entsprechende Verdienste hat er zweifellos. Sonst wäre er nicht seit 25 Jahren bei der Stadtpolizei und 18 Jahre davon Chef (Limmattaler Zeitung vom Dienstag).

«Der bisherige Polizeichef gibt per sofort die Führung des Polizeikorps aus persönlichen Gründen ab, bleibt jedoch der Stadtpolizei Schlieren/Urdorf als Polizist nach wie vor erhalten. Die personelle Führung übernimmt interimistisch der Abteilungsleiter Sicherheit und Gesundheit», ist der genaue und gesamte Wortlaut des Communiqués, das viele Fragen offen lässt.

Mögliche Antworten liefert nun ein Schreiben, das der Limmat­taler Zeitung zugestellt wurde. «Zum Schutz der Quellen verbleibe ich anonym», schreibt die Verfasserin oder der Verfasser im Brief. Und dann: «Der persönliche Grund liegt wohl darin, dass der Polizeichef Marco Weissenbrunner zuvor für circa zwei Wochen freigestellt wurde.» Auch seien drei weitere Polizisten vom Dienst suspendiert, es soll noch zu Kündigungen kommen. Zuvor habe ein Polizist (Name der Redaktion bekannt) angeblich Mobbingvorwürfe gegen seine Arbeitskollegen erhoben. «Wie weit diese Vorwürfe haltbar sind, entzieht sich meiner Kenntnis», schreibt die anonyme Quelle. Sie ist überzeugt, dass Weissenbrunner seine Führungsposition nicht freiwillig abgegeben hat. Und sie fragt sich, wie derzeit die Patrouillentätigkeit der Polizei aussieht. Denn wenn es stimmt, was im anonymen Schreiben steht, liegt es auf der Hand, dass gewisse Polizisten nicht gemeinsam durch Schlieren und Urdorf fahren. Des Weiteren wirft die Quelle die Frage auf, ob die angeblichen Freistellungen gerechtfertigt waren.

Sind diese Information nur frei erfunden, die halbe Wahrheit oder fassen sie die Vorgänge exakt zusammen? Konfrontiert mit den Angaben der Quelle, weist die Stadt darauf hin, dass sie die Fragen dieser Zeitung «nicht im gewünschten Detaillierungsgrad» beantworten könne.

Gab der Chef seine Funktion während seiner Ferien ab?

«Marco Weissenbrunner wird seine Tätigkeit als Polizist am 2. März 2020, nach seinen Ferien, wieder aufnehmen. Die berufliche Veränderung erfolgte aus persönlichen Gründen. Wir freuen uns, dass er bei uns weiterhin beschäftigt ist», schreibt Geschäftsleiter Patrick Schärer im Namen der Stadt.

Zur angeblichen Freistellung dreier weiterer Polizisten hält er fest: «Es handelt sich um ein laufendes Verfahren. Die Stadt Schlieren kann deshalb dazu keine Stellung nehmen.»

14 Vollzeitstellen umfasst die Stadtpolizei Schlieren, die seit 2008 als Stadtpolizei Schlieren/Urdorf auftritt und auch in der Nachbargemeinde für Recht und Ordnung sorgt. Welche Personen derzeit für die Stadtpolizei arbeiten, ist für die Öffentlichkeit schwierig nachzuvollziehen. Denn die Namen werden auf der Website der Stadt seit einer gewissen Zeit nicht mehr aufgeführt. Das ist auffällig, weil alle anderen kommunalen Polizeikorps im Limmattal ihre Mitarbeitenden auf der Gemeindewebsite auflisten – sei das die Stadtpolizei Dietikon, die Kommunalpolizei rechtes Limmattal, die Gemeindepolizei Geroldswil, die Gemeindepolizei Uitikon oder die Regionalpolizei Wettingen-Limmattal. «Die Namen der Polizisten wurden auf der Website aufgrund des Persönlichkeitsschutzes gelöscht», schreibt hierzu Geschäftsleiter Schärer.

«Die Sicherheit ist und bleibt sichergestellt»

Zur derzeitigen Polizeiarbeit schreibt er, dass die Sicherheit der Bevölkerung sichergestellt sei und bleibe. Stephan Knobel, der als Abteilungsleiter Sicherheit und Gesundheit der Stadt derzeit die Stadtpolizei interimistisch leitet, werde zudem bei seiner Tätigkeit durch den stellvertretenden Polizeichef und einzelne Polizisten unterstützt.

Das wird noch einige Zeit der Fall sein. Denn die Stelle des Polizeichefs wird voraussichtlich Mitte März neu ausgeschrieben, wie Schärer ­bereits Anfang Woche gegenüber der Limmattaler Zeitung sagte. An der seit mehreren Jahren gleichbleibenden Anzahl Vollzeitstellen, nämlich 14, soll nach wie vor nichts geändert werden, versichert Schärer zudem. Entsprechende Gerüchte, dass die Anzahl Polizisten reduziert werden soll, hatten zuletzt bereits ihre Runden gemacht.

Die Stadtpolizei Schlieren/Urdorf ist derzeit nicht die einzige, bei der ­intern grosse Veränderungen vor sich gehen. Erst letzten Juni gab Dietikon bekannt, dass der Stadtpolizei-Chef Rolf Wohlgemuth nach 16 Jahren ­freigestellt wird. Auch bei ihm geschah das per sofort. «Unterschiedliche ­Vorstellungen und Erwartungen über eine moderne und bürgernahe Führung der Stadtpolizei haben eine weitere ­Zusammenarbeit zwischen dem Polizeichef und der Stadt verunmöglicht», hiess es damals im Communiqué der Stadt Dietikon, die die sofortige Freistellung «im gegenseitigen Ein­vernehmen» mit Wohlgemuth vornahm, dem sie alles Gute wünschte und dem sie für seine Dienste dankte. Solche Bekundungen bleiben in Schlieren aus.

Schon vor Jahren wurde ein Anwalt eingeschaltet

Seit Dezember hat Dietikon mit dem ehemaligen Zürcher Stadtpolizisten Marco Bisa einen neuen Chef. Wer wird es in Schlieren? Und wird sie oder er langfristig für Ruhe im neuen, 2019 eingeweihten Schlieremer ­Polizeiposten an der Freiestrasse ­sorgen?

Schon 2013 hatte es Zoff gegeben. Ein Stadtpolizist wurde 2013 nach 33 Jahren von der Patrouillentätigkeit freigestellt und fortan ­zumeist am Schalter – damals noch im Stadthaus, ebenfalls an der Freiestrasse – eingesetzt. Es soll damals um einen internen Zwist gegangen sein, der erst mit einem Anwalt sein Ende fand. Zudem war der Polizist sieben Monate lang krank­geschrieben (die Limmattaler Zeitung berichtete).

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