Schlieren
Stadtplatz Schlieren: Baustart bleibt umstritten

Die Linke möchte die Realisierung der Zentrumsgestaltung in Schlieren möglichst bald angehen. Die Bürgerlichen hingegen fordern, dass die Stadt und der Kanton den Bau des Stadtplatzes verschieben.

Florian Niedermann
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Der neue Stadtplatz in Schlieren könnte auch nach 2014 gebaut werden, ohne dass die Stadt auf die Bundesgelder verzichten müsste

Der neue Stadtplatz in Schlieren könnte auch nach 2014 gebaut werden, ohne dass die Stadt auf die Bundesgelder verzichten müsste

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Die Diskussion um den geplanten Stadtplatz steht unter neuen Vorzeichen: Gemäss Regierungsrat muss die Umgestaltung nicht vor 2014 angegangen werden, um von den Bundesgeldern aus dem Agglomerationsprogramm profitieren zu können. Dieser Umstand ruft bei den Parteien gemischte Reaktionen hervor.
Die Schlieremer FDP-Parteipräsidentin Barbara Angelsberger erklärt, dass sie es unter den neuen Voraussetzungen als zwingend nötig erachte, dass die Zeit bis zum Bau der Limmattalbahn genutzt werde, um mit flankierenden Massnahmen sicherzustellen, dass es durch den Stadtplatz nicht zu einer schwierigen Stausituation in Schlieren komme. «Bisher schwebte immer das Schwert des drohenden Verlusts der Bundesbeiträge über der Diskussion um den Stadtplatz», so Angelsberger.
Stadtplatz erst mit Limmattalbahn
Der Regierungsrat reagierte mit seiner Entwarnung bezüglich der Zeitlimite 2014 von vergangener Woche auf eine Anfrage des FDP-Kantonsrats Andreas Geistlich (siehe Ausgabe vom 13. Juli). Dieser fordert nun, dass die Stadt Schlieren und der Kanton den Bau des Stadtplatzes verschieben und diesen erst im Rahmen der Realisierung der Limmattalbahn angehen sollen. Die flankierenden Massnahmen zur Verlagerung des Verkehrs aus den Zentren der Städte Dietikon und Schlieren auf die Bern- beziehungsweise Überlandstrasse sollen vor dem Bau der Limmattalbahn umgesetzt werden, so Geistlich. Diese Forderungen finden auf bürgerlicher Seite grosse Unterstützung. Die Linke hingegen möchte die Umgestaltung des Schlieremer Zentrums möglichst bald angehen.
Als Begegnungsort vorher nötig
SP-Präsidentin Béatrice Bürgin erklärt auf Anfrage, es sei ihrer Partei ein grosses Anliegen, dass der Stadtplatz so bald wie möglich umgesetzt werde. «Der Platz ist nicht nur als Umsteigeplattform für den öffentlichen Verkehr gedacht, sondern bietet auch einen Begegnungsort für die Schlieremer Bevölkerung», erklärt sie. Da sich die SP die Steigerung der Lebensqualität in Schlieren auf die Fahne geschrieben habe, wolle man diesen wichtigen Schritt zur Schaffung eines fussgängerfreundlichen Zentrums so schnell wie möglich vollziehen, so Bürgin.
Auch der Präsident der Grünen, Beat Rüst, sagt, dass es ihm lieber wäre, wenn die Umgestaltung des Zentrums so schnell wie möglich umgesetzt würde. Allerdings stelle sich für ihn auch die Frage, ob es Sinn mache, den Stadtplatz erst für den Busverkehr einzurichten und dann später mit Geleisen für die Limmattalbahn auszurüsten. «Es lohnt sich deshalb sicher, Andreas Geistlichs Forderung vertieft anzuschauen», so Rüst. Skeptisch zeigt er sich gegenüber dem Ansinnen, flankierende Massnahmen vor dem Bau der Limmattalbahn umzusetzen: «Gemäss Kanton sollte die Kapazität des Ost-West-Transfers in Schlieren noch ein paar Jahre ausreichen», erklärt er.
Seine Partei strebe beim Stadtplatz eine einspurige Verkehrsführung an, erklärt EVP-Präsident Reto Bär. «Deshalb müssen die verkehrsentlastenden Massnahmen vor dem Bau des Stadtplatzes umgesetzt werden.» Dies auch, weil man nun nicht mehr zeitlich gedrängt sei. Bär gibt aber auch zu bedenken, dass es schade wäre, mit dem Stadtplatz zu warten, bis die Stadtbahn realisiert wird, wenn diese unter Umständen nicht gebaut werde. «Verkehrsentlastende Massnahmen für den Stadtplatz braucht es aber auch ohne Limmattalbahn. Sobald die umgesetzt sind kann man mit dem Bau des Stadtplatzes beginnen», erklärt er.
Arthur Naumann, Präsident des Quartiervereins, pflichtet Rüst bei, dass es nicht sinnvoll wäre, den Stadtplatz für Busse einzurichten und später für die Limmattalbahn nachzurüsten. Gleichzeitig vertritt er die Meinung, dass verkehrliche Anpassungen erst vorgenommen werden sollten, wenn die Limmattalbahn umgesetzt sei. «Wenn flankierende Massnahmen zum Schutz der Quartiere vorher geplant werden, besteht die Gefahr, dass durch Fehleinschätzungen ein längerfristiges Verkehrschaos entsteht», so Naumann.

«Abfolge ist sakrosankt»
CVP und SVP stellen sich geschlossen hinter die Forderung Geistlichs. «Die Umsetzung der flankierenden Massnahmen an der Engstringerkreuzung mit einer kreuzungsfreien Lösung muss zwingend vor dem Bau des Stadtplatzes erfolgen», erklärt SVP-Präsident Rudolf Dober. «Diese Abfolge ist für mich sakrosankt.» Wenn der Baustart nicht vor 2014 erfolgen müsse, so könne man mit der Umgestaltung des Zentrums sicher warten.
Ihm würden wichtige Informationen fehlen, um Geistlichs Forderung, den Stadtplatz gleichzeitig mit der Limmattalbahn zu bauen, abschliessend beurteilen zu können, sagt Stefano Kunz, Präsident der CVP. Keine Zweifel bestünden für ihn aber in der Frage der flankierenden Massnahmen, erklärt er: «Sie müssen dem Bau der Limmattalbahn unbedingt vorangestellt werden.»