Stadthalle Dietikon
36 Personen erhalten hier pro halbe Stunde einen Piks: Wie das Limmattaler Impfzentrum aussieht und organisiert ist

Schwarze Trennwände, gebrauchte Holzstühle, zugemietete Computer: Das Impfzentrum in der Dietiker Stadthalle ist einfach eingerichtet. Wichtig sei, dass es richtig funktioniere – Schnickschnack müsse es nicht enthalten, sagt der Dietiker Gesundheitsvorstand Heinz Illi auf einem Rundgang. Das Zentrum nimmt am Dienstag, 6. April, um 8 Uhr seinen Betrieb auf.

Oliver Graf
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Das Dietiker Impfzentrum vor dem Start: Die angemeldeten Personen gelangen von links in die Impfstrassen mit ihren Impfkabinen und werden nach dem Piks in den Ruheraum rechts geführt.

Das Dietiker Impfzentrum vor dem Start: Die angemeldeten Personen gelangen von links in die Impfstrassen mit ihren Impfkabinen und werden nach dem Piks in den Ruheraum rechts geführt.

Chris Iseli / LTA

Noch fehlen im Eingangsbereich die Bodenmarkierungen. Diese sollen den Impfwilligen dereinst den Abstand anzeigen. Und an der Fensterfront und bei der Haupteingangstüre der Dietiker Stadthalle weist noch nichts darauf hin, dass hier bald ein Impfzentrum eröffnen wird.

«Wir sind bereit», sagt aber Stadtrat Heinz Illi auf einem Rundgang mit der «Limmattaler Zeitung». Denn die Markierungen am Boden werden demnächst angebracht. Und der Schriftzug «Impfzentrum Dietikon» sowie die Logos von Spital Limmattal, Stadt Dietikon und Kanton Zürich werden auch bald, spätestens am Freitag, an der Fassade prangen.

«Alles andere steht», sagt Illi. Am Montag wird die Anlage von der kantonalen Gesundheitsdirektion abgenommen, eine Woche später, am Dienstag nach dem langen Osterwochenende, werden die ersten Personen in der Stadthalle geimpft.

Das lange Warten hat ein Ende

Endlich gehe es los, sagt Illi, der als Gesundheits- und Sicherheitsvorstand die Dietiker Gemeindeführungsorganisation leitet. Endlich, denn die Müdigkeit sei gross. Illi meint damit einerseits den langsam allgemein aufkommenden Covid-19-Überdruss bei der Bevölkerung, andererseits auch die Belastung bei den Projektverantwortlichen, die zum ersten Mal und in kurzer Zeit ein Impfzentrum umsetzen mussten.

Der Druck und die Erwartung seien gross, sagt Illi. Seit Wochen gehen auf der Stadtverwaltung und beim Spital Limmattal Anrufe und Mails von Einwohnern ein: Wann denn Dietikon nun mit dem Impfen starte, wo man sich anmelden könne, warum es nicht vorwärtsgehe, wird gefragt.

Links enden die Impfstrassen, rechts folgt der Ruhebereich, in dem sich die geimpften Personen zur Sicherheit noch kurz aufhalten: Gesundheitsvorstand Heinz Illi, Abteilungsleiter MIchael Weber und Feuerwehrkommandant Roger Wiederkehr werfen einen Blick ins Dietiker Impfzentrum.
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Es ist alles bereit, damit das Limmattaler Impfzentrum seinen Betrieb am 6. April aufnehmen kann: Desinfektionsmittel sind ebenso vorhanden wie Rollstühle.
Ein Smiley mit einer Spritze im Arm: So werden die Personen, die sich online angemeldet und einen Termin erhalten haben, in der Stadthalle Dietikon begrüsst. Danach folgt die Anmeldung und Überprüfung der Daten an einem der beiden Empfangsschalter.
Hier beginnen die Impfstrassen: Neun werden in der Stadthalle regulär betrieben, eine zehnte steht als Reserve und Überlauf zur Verfügung.
In der Mitte der Impfstrasse liegt die Impfkabine: Hier erfolgt vor dem Piks eine medizinische Aufklärung und Befragung.
Am Ende heisst es zur Sicherheit noch ein bisschen Warten und Ausruhen: Nach rund einer Viertelstunde können die geimpften Personen das Limmattaler Impfzentrum in der Dietiker Stadthalle dann wieder verlassen.

Links enden die Impfstrassen, rechts folgt der Ruhebereich, in dem sich die geimpften Personen zur Sicherheit noch kurz aufhalten: Gesundheitsvorstand Heinz Illi, Abteilungsleiter MIchael Weber und Feuerwehrkommandant Roger Wiederkehr werfen einen Blick ins Dietiker Impfzentrum.

Chris Iseli / LTA

Doch nun geht es los: Der Kanton, der den Takt vorgibt, hat am Dienstag bestätigt, dass die ersten Impfzentren, darunter jenes in Dietikon, am 6. April starten werden. In der Dietiker Stadthalle sollen alle 30 Minuten 36 Personen geimpft werden. Bei neun regulären Impfstrassen bedeutet dies, dass in jeder Impfkabine alle siebeneinhalb Minuten einmal gepikst wird. Eine zehnte Impfstrasse steht als Reserve bereit, die rasch geöffnet werden könnte, falls es im Betrieb anderswo stocken würde und es zu Verzögerungen käme.

Reduzierter Start lässt Spielraum für betriebliche Verbesserungen

Da der Impfstoff nach wie vor nur in beschränktem Umfang vorhanden ist, startet Dietikon – wie alle anderen Zürcher Standorte – zunächst mit einem reduzierten Betrieb. Gesundheitsvorstand Illi geht davon aus, dass anfänglich etwa drei Impfkabinen offen sein werden. Für den Start ist das ein Vorteil: «Wir können die Abläufe testen.» Sollte es sich irgendwo stauen, könnten weitere Impfstrassen betrieben werden. Probleme oder zu lange Wartezeiten sollte es so keine geben, und die betrieblichen Abläufe liessen sich ohne Druck anpassen.

Am Empfang müssen die Impfwilligen ihren bei der Online-Reservierung erhaltenen Code zeigen sowie einen Ausweis und die Krankenkassenkarte vorweisen. Zudem werden die persönlichen Angaben sowie der Wohnort überprüft. Denn geimpft werden in den Zürcher Impfzentren nur Personen, die im Kanton Zürich wohnen.

Hinter den Kulissen wird diesbezüglich noch diskutiert; denn gerade im Dietiker Fall ist die Kantonsgrenze nahe. «Eventuell wäre es sinnvoll, wenn sich hier auch ein Spreitenbacher, der tagsüber im Zürcher Limmattal arbeitet, impfen lassen könnte», sagt Illi. Aber der Entscheid liegt nicht bei ihm. Und er ist froh, dass sich zumindest für die Limmattaler Bevölkerung in der Region ein Standort befindet. Zunächst hatte der Kanton nur auf vier grosse Impfzentren setzen wollen. Dass es nun elf geworden sind, die über den gesamten Kanton verteilt sind, ist auch auf die Bemühungen und den Druck der Stadt Dietikon zurückzuführen.

Es geht von links nach rechts im Einbahnverkehr

Nachdem am Empfang des Dietiker Impfzentrums der administrative Teil erledigt ist, werden die Impfwilligen einer Impfstrasse zugewiesen und in die eigentliche Halle gelassen. Dort geht es von links nach rechts: In den Impfstrassen, die durch schwarze Stellwände voneinander getrennt sind und etwas mehr als die Hälfte der Stadthalle einnehmen, stehen zunächst Stühle für eine allfällige Wartezeit bereit.

In der Mitte des Korridors einer Impfstrasse ist die Impfkabine platziert, in der das medizinische Personal die Impfwilligen einzeln informiert und über den Gesundheitszustand befragt sowie schliesslich die erste oder zweite Dosis verimpft und die nötigen Eintragungen im Impfausweis vornimmt. Danach geht es in den Ruhebereich weiter, in dem rund 30 Holzstühle coronakonform auseinanderstehen. Hier sollen die geimpften Personen – von medizinischem Personal betreut und überwacht – zur Sicherheit rund eine Viertelstunde warten, bevor sie dann nach Hause oder zur Arbeit zurückkehren.

In der Dietiker Stadthalle werden während des Betriebs stets zwei Ärzte anwesend sein. In den Impfkabinen ist medizinisches Personal tätig. Beim Empfang und in der Halle sind zur Unterstützung zahlreiche weitere Personen beschäftigt. Insgesamt können Illi und sein Team täglich auf rund 40 Mitarbeitende zählen. «Es haben sich viele Freiwillige gemeldet, die einfach helfen wollten», sagt der Gesundheitsvorstand. Zudem hätten dank der regionalen Arbeitsvermittlungszentren auch einige stellensuchende Personen eine vorübergehende Beschäftigung gefunden.

Es muss funktionieren, es muss nicht teuer sein

Auffallend am Dietiker Impfzentrum ist seine einfache Einrichtung. So sind die schwarzen Stellwände teilweise unterschiedlich hoch. «Einige stammen von der Stadthalle, andere haben wir zugekauft», erklärt Illi. Auch die Holzstühle in den Impfkabinen und den Wartebereichen stammen aus dem Fundus der Stadthalle. Die benötigten Computer und Drucker sind nicht gekauft, sondern nur gemietet.

Es sei darum gegangen, ein «steuerzahlerfreundliches Zentrum» zu erstellen, meint Illi, der bereits früher schon von «einem VW, keinem Rolls Royce» sprach. Er sagt:

«Am Ende muss es einfach gut funktionieren, die Impfwilligen sollen freundlich begrüsst, professionell betreut und rasch geimpft werden – Schnickschnack ist nicht erforderlich.»

Stolpersteine sieht das Impfzen­trum-Team weniger als zwei Wochen vor dem Start keine mehr, auch wenn immer wieder Warnungen herumgeistern. Dass etwa Impfskeptiker den Betrieb stören könnten, befürchten die Verantwortlichen nicht (im Notfall wäre ein Sicherheitsmann vor Ort, und die Stadt- und Kantonspolizei wären rasch alarmiert). Dass der noch immer rare Impfstoff in der Stadthalle geklaut werden könnte, glauben sie ebenfalls nicht (die Stadthalle ist videoüberwacht, und der Impfstoff lagert nicht in der Halle).

Begutachten das Impfzentrum, das sie aufbauen: Heinz Illi (Gesundheitsvorstand Dietikon), Michael Weber (Leiter Gesundheitsabteilung), Roger Wiederkehr (Feuerwehrkommandant) und Fulvio Cimino (Leiter Zivilschutzorganisation Region Dietikon).

Begutachten das Impfzentrum, das sie aufbauen: Heinz Illi (Gesundheitsvorstand Dietikon), Michael Weber (Leiter Gesundheitsabteilung), Roger Wiederkehr (Feuerwehrkommandant) und Fulvio Cimino (Leiter Zivilschutzorganisation Region Dietikon).

Chris Iseli / LTA

«Das Einzige, was noch fehlt, ist halt der Impfstoff, aber darauf haben wir keinen Einfluss», sagt Heinz Illi. Doch dieser sollte bald in ausreichenden Mengen geliefert werden, sodass das Dietiker Impfzentrum seinen Betrieb laufend ausbauen und am Ende alle neun Impfstrassen in Betrieb nehmen kann. Bund und Kanton gehen nach wie vor davon aus, dass bis Ende August alle Personen geimpft sind, die dies wollen. Die Stadt Dietikon hat die Stadthalle bis September gemietet.

Die Dietiker Stadthalle wird ab 6. April jeweils von Montag bis Samstag von 8 bis 12.15 Uhr und von 12.45 bis 17 Uhr geöffnet sein. Am Donnerstag und Freitag zudem zusätzlich auch noch von 17.30 bis 19.30 Uhr. Anfänglich hiess es, in Dietikon werden täglich 400 Personen geimpft, laut Illi dürften es im Vollbetrieb nun 500 bis 700 sein. Je nach Bedarf liesse sich die Kapazität auch erhöhen, indem die Öffnungszeiten ausgeweitet werden.

So kommen Sie zu einem Impftermin

Wo kann man sich anmelden?

Im Verlaufe des Montags, 29. März, wird der Kanton auf der Internetseite www.zh.ch/coronaimpfung einen Link zur Anmeldeplattform aufschalten. Wer keinen Computerzugang hat, kann sich via Impfhotline melden (0848 33 66 11).

Wer kann sich anmelden?

In der ersten Phase können sich Personen über 65 Jahren auf der Anmeldeplattform registrieren. Direkt einen Impftermin buchen können allerdings vorerst nur Personen, die älter als 75 Jahre sind. Sobald ein Grossteil dieser Gruppe geimpft ist, werden auch die über 65-Jährigen Termine erhalten. Dies dürfte noch im April der Fall sein. Ab Mai dürfte die breite Bevölkerung Termine buchen können.

Wo sind Impfungen möglich?

Für Personen, die im Kanton Zürich wohnen, stehen nach dem Osterwochenende insgesamt elf regionale Impfzentren zur Verfügung: In Dietikon, Winterthur, Zürich Oerlikon und am Stadtzürcher Triemlispital wird am 6. April gestartet, am 7. April folgen Bülach, Meilen, Uster und Wetzikon, am 8. April Affoltern und Horgen. Das Referenzzentrum der Uni Zürich am Zürcher Hirschengraben steht seit Anfang Jahr in Betrieb. Ab Mai, wenn grössere Impfmengen zur Verfügung stehen sollten, werden auch die Apotheken in die Impfaktion integriert; über die Anmeldeplattform können dann auch die rund 150 Apotheken als Impfort ausgewählt werden. (og)