Nun ist die Katze aus dem Sack: Der internationale Gig auf der Bühne am Dietiker Stadtfest sind Boney M. «Wir wollten einen Magneten finden, der alle Generationen anspricht», sagt die Kulturbeauftragte der Stadt, Irene Brioschi. Sie ist verantwortlich für das Programm des Grossanlasses, der vom 31. August bis 2. September über gleich zwei Bühnen gehen wird. Boney M. spielen am Freitagabend zur besten Zeit auf, um 22 Uhr – der Rapidplatz wird sich dann in eine Tanzdisco verwandeln wie zu den Glanzzeiten der Band.

Boney M. feat.Liz Mitchell - Rasputin

Boney M. feat.Liz Mitchell - Rasputin

 

Und Michael Seiler, Projektleiter des Stadtfests, ergänzt: «Wir wollten eine bekannte Band verpflichten, die aber bis zum Ende des Sommers noch nicht von Open Air zu Open Air getingelt ist.» Er erwartet von Boney M. ein paar «Gassenhauer», die alle zum Tanzen bewegen werden, so wie dies die Spider Murphy Gang am Schlieremer Fest erreicht hat.

Bei Boney M. stimmte alles: Dank persönlicher Kontakte und einer guten Verhandlung – auch über die Gage – habe man den Vertrag nun vor ein paar Tagen unterschrieben. Am Frühlingsmarkt vom kommenden Samstag verteilen die Organisatoren zum ersten Mal Programmflyer fürs Fest.

Höhen und Tiefen der Band

Mit Boney M. tritt in Dietikon eine Band auf, die mit Songs wie «Daddy Cool», «Rivers of Babylon» oder «Sunny» ihre wichtigsten Hits in den 1979er-Jahren landete. Weltweit verkauften sie über 150 Millionen Tonträger, darunter mehr als 60 Millionen Singles. Produziert wurde die bunt zusammengewürfelte Disco-Formation vom Deutschen Frank Farian, dem Dieter Bohlen der glitzernden Discojahre. Stabilität erlangte sie aber erst 1976, als Bobby Farrell, Maizie Williams, Marcia Barrett und Liz Mitchell zusammenfanden.

Im Studio bestanden aber lediglich Barrett und Mitchell, die anderen konnten gar nicht singen. Daraus machte Farian aber kein Geheimnis, anders als beim Skandal Ende der 1980er-Jahre um Milli Vanilli, einer ebenfalls von Farian produzierten Gruppe. Als Farian 1986 das Interesse an Boney M. verloren hatte, fiel die Band auseinander. Später verstarb Bobby Farrell. Nach mehreren Rechtsstreitigkeiten treten heute mehrere Gruppen unter dem Namen «Boney M.» auf, doch nur eine hat offiziell die Berechtigung dazu: «Boney M. feat. Liz Mitchell». Und diese Formation tritt am Dietiker Stadtfest auf.

Ansonsten setzen die Organisatoren auf lokale Künstler: Nebst den Limmattalern Lapsus beispielsweise auf Gigi Moto, Dodo & Band oder Adrenalina. Für das Volkstümliche ist Francine Jordi zuständig, Michael Elsener sorgt für die Lacher, Stärne5i und Andrew Bond heizen schliesslich den Jüngsten ein. «Wir haben zwei Bühnen», so OK-Leiter Micheal Seiler, «eine auf dem Rapidplatz ohne Bestuhlung und eine auf dem Kirchplatz mit Sitzbänken.» Zwischen diesen beiden sollen die Zuschauer hin und her pendeln können und dadurch den alten und neuen Dietiker Stadtteil verbinden. «Unser Motto lautet: Dietikon bewegt. Dies ist nicht nur physisch gemeint, sondern auch emotional.» Deshalb ist ein dritter, wichtiger Teil des Stadtfests die Partizipation der Dietiker selber. Ganz gemäss dem Motto: «Kultur soll nicht nur konsumiert werden.»

So hat die Stricktruppe bereits die Nadeln zur Hand genommen: Entstehen soll ein Flickenteppich, der dann bis zum Fest im Zentrum aufgehängt wird. Irene Brioschi ergänzt: «Wir wollen kein Züri-Fäscht mit 08/15-Gigs. Wir wollen überraschende Beiträge bieten.» So ist ebenfalls geplant, das neue Kulturzentrum Gleis 21 einzubeziehen. «Noch ist offen, mit was wir den neuen Raum bespielen, aber da er ideal zwischen den zwei Bühnen liegt, wird dort viel Fussvolk vorbeikommen.»

Festen bis 4 Uhr morgens

Viel Platz eingeräumt wird auch den Vereinen. 45 von ihnen und andere Organisationen haben bis dato einen Standplatz erhalten, darunter sind es 15 Festzelte. Diese werden unter anderem betrieben vom Feuerwehrverein, der Stadtmusik, dem Fussballclub und dem Gemeinderat, der sein 60-Jahr-Jubiläum am Stadtfest begeht. Extra ihr traditionelles Fischessen an der Limmat verschoben haben die Pontoniere. Der Fahrverein wird eine Fischbeiz am Stadtfest betreiben. Im Zelt gelten längere Festzeiten als auf der Bühne: Gefestet wird bis 4 Uhr morgens.

Zwei Baustellen gibt es nun noch für Seiler und Brioschi: Die Finanzen und die Helfer. Die Stadt hat einen Beitrag von 270 000 Franken gesprochen, der Rest muss über Sponsoren eingebracht werden. «Wir suchen noch Betreuer für die Stars backstage und Verkäufer für unseren Festbändel.» Der kostet für alle drei Tage nur zehn Franken. «Wir hoffen auf den Goodwill des Publikums, denn das Fest ist eigentlich gratis.»

Läuft alles nach Plan, dann dürfte es bis zum nächsten Stadtfest nicht mehr über zehn Jahre dauern, so wie dieses Mal. Seiler dazu: «Wir wollen künftig alle drei bis sechs Jahre mit dem Stadtfest einen wichtigen Anlass feiern.» Möglichkeiten in der Zukunft wären die Einweihung der Limmattalbahn oder der Spatenstich im Entwicklungsareal Niderfeld.