Schlieren
Stadtentwicklung Südwest: Färberhüsli soll Kinderparadies werden

Sibylle Ochsner setzt sich bei der Stadtteilentwicklung Südwest für Kinderinteressen ein. Ochsner gehört einer Projektgruppe an die Anliegen der Kinder und das Angebot an öffentlichen Spielplätzen auszuloten.

Florian Niedermann
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Sibylle Ochsner mit ihren Kindern Fabienne, Céline und Thierry (von links) auf dem Spielplatz bei der Färberhüsliwiese.fni

Sibylle Ochsner mit ihren Kindern Fabienne, Céline und Thierry (von links) auf dem Spielplatz bei der Färberhüsliwiese.fni

Stadtteilentwicklung: Darum geht es beim Projekt

Ziel des Projekts «Stadtteilentwicklung Schlieren Südwest» ist es, die Lebensqualität in diesen Quartieren zu fördern. Es ist Teil des Bundesprogramms Projet Urbain, das Projekte zur Integration der Bevölkerung unterstützt. Dabei steht die Mitarbeit der Bewohner im Zentrum. Zusammen mit ihnen will man Massnahmen und Projekte zur nachhaltigen Entwicklung des Stadtteils erarbeiten. In einem ersten Schritt versuchten «Quartiererforscher» herauszufinden, wo Handlungsbedarf besteht. Anhand der Erkenntnisse aus diesen Erhebungen entwickelten Arbeitsgruppen konkrete Massnahmen und Projekte. In allen Phasen wurden die Teilnehmer durch Behörden, Stadtverwaltung und die Fachhochschule Luzern begleitet. Morgen Samstag präsentieren die Projektgruppen nun ihre Vorschläge der Öffentlichkeit. Die Bevölkerung ist eingeladen, sie zu diskutieren und Prioritäten festzulegen. (fni)
Öffentliche Veranstaltung zur Stadtteilentwicklung Schlieren Südwest: Samstag, 26. Oktober, 13.30 - 17.30 Uhr, Singsaal des Schulhauses Kalktarren

Dichtes Buschwerk verdeckt die Sicht auf den Spielplatz am Rande des Schlieremer Färberhüsli-Areals. Betritt man den Platz, der Kindern als Ort zum Austoben dienen soll, fällt zunächst ein als Brunnen gedachter Betonzylinder auf, der von oben bis unten mit Graffiti bedeckt ist. Den Sandkasten daneben erkennt man unter dem wuchernden Gras kaum.

Ein Lachen schallt über die Wiese: Drei Kinder schaukeln gemeinsam auf einem an Ketten aufgehängten Traktorreifen und versuchen das Gleichgewicht zu halten. Daneben steht Sibylle Ochsner, diplomierte Pflegefachfrau und Mutter von Céline (10), Fabienne (9) und Thierry (5). Sie ist eine der Bevölkerungsvertreterinnen, die sich am Projet Urbain (siehe Box) der Stadt Schlieren und des Bundes im Stadtteil Schlieren Südwest aktiv beteiligen.

Ochsner gehört jener Projektgruppe an, deren Aufgabe es war, die Anliegen der Kinder und das Angebot an öffentlichen Spielplätzen auszuloten und konkrete Entwicklungsvorschläge für die Zukunft zu formulieren. Am kommenden Samstag präsentieren alle Themengruppen die Ergebnisse monatelanger Arbeit im Singsaal des Schulhauses Kalktarren.

Naturnahe Spielplätze fehlen

Aus der Bestandesaufnahme, die ihre Gruppe auf den sechs bestehenden Spielplätzen im Stadtteil Südwest vornahm, habe man drei wichtige Schlüsse ziehen können, sagt Ochsner: Erstens gebe es in Bezug auf den Standard und den Zustand unter den städtischen Spielplätzen riesige Unterschiede.

Zweitens fehlten naturnahe Anlagen gänzlich. Und drittens seien die vorhandenen Spielplätze nicht signalisiert. Dies wusste Ochsner bereits aus eigener Erfahrung als Mutter: «Ich ging mit meinen Kindern immer in den Stadtpark spielen. Dabei gibt es auch in unmittelbarer Nähe unseres Hauses an der Freiestrasse einen Spielplatz.»

Als erste kurzfristige Massnahme habe ihre Projektgruppe deshalb festgelegt, dass die Stadt die bestehenden Anlagen ausschildern solle. Mittelfristig sollen die Spielplätze aufgerüstet, saniert und regelmässig gepflegt werden, damit alle den gleichen Standard aufweisen.

Ein langfristiges Ziel der Gruppe «Kinder und Spielplätze» betrifft die grosse Grünfläche beim Färberhüsli. Anstelle des tristen und schlecht erhaltenen Spielplatzes am Rande der Wiese soll dort ein Kinderparadies entstehen, wie Ochsner erklärt: «Eine andere Projektgruppe will dort ein Gemeinschaftszentrum bauen. Wir wollen, dass daraus ein altersdurchmischter Treffpunkt wird.»

Ihre Vision: Während Eltern im Café des Gemeinschaftszentrums plaudern, vergnügen sich ihre Kinder daneben auf einem naturnahen Spielplatz mit Wasserspielen. In unmittelbarer Nähe halten Senioren aus dem Alterszentrum Sandbühl auf einem Bewegungsparcours ihre Körper fit. «So könnte diese ungenutzte Fläche künftig zu einem echten Begegnungsort im Quartier werden», sagt Ochsner.

Eine weitere Forderung ihrer Projektgruppe ist, dass die Stadt die Stelle eines Familienbeauftragten schafft. Dieser soll Eltern als Ansprechperson für ihre Fragen dienen und über sämtliche Angebote, die in Schlieren bestehen, kompetent Auskunft geben können.

Ein Zufall führte zum Engagement

Dass Ochsner sich im Projet Urbain einbringt, ist einem Zufall geschuldet: «Wir sind oft in Disentis in den Ferien. Dort gibt es unglaublich schöne Spielplätze», sagt sie. Als sie ihrem Nachbarn, Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin (SP), davon erzählte und ihm erklärte, dass solche Plätze in der Stadt fehlen, machte er sie auf das Stadtteilentwicklungsprojekt Schlieren Südwest aufmerksam. Ochsner beschloss, sich im Projet Urbain zu engagieren. «Wir haben die einmalige Chance, unsere Wohnumgebung aufwerten zu können. Für mich war klar, dass ich mithelfen will», sagt sie.