Dietikon
Stadt wollte Gehaltsbänder der Mitarbeiter nicht herausgeben – stellt sie jetzt aber online

Die Gehaltsbänder legen die Minimal- und Maximallöhne der Mitarbeiter in der Dietiker Stadtverwaltung fest. Die Stadt wollte diese unter Verschluss behalten, stellt sie jetzt aber doch online. Die Präsidenten der Dietiker Gemeinderatsfraktionen begrüssen das.

Leo Eiholzer
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Wer im Dietiker Stadthaus kann wie viel verdienen? Die Gehaltsbänder der Stadtverwaltung sind jetzt online.

Wer im Dietiker Stadthaus kann wie viel verdienen? Die Gehaltsbänder der Stadtverwaltung sind jetzt online.

Limmattaler Zeitung

Wie viel die Mitarbeitenden der Stadt Dietikon minimal verdienen müssen und maximal verdienen dürfen, ist in der Personalverordnung geregelt. Genauer in deren Anhang B. Diesen Anhang wollte die Stadt aber unter Verschluss halten. Obwohl man keine einzelnen Löhne der Angestellten daraus herauslesen kann. Sondern lediglich die elf Lohnstufen mit ihren Maximal- und Minimallöhnen, in die Funktionen eingestuft werden können. Als die Limmattaler Zeitung vor drei Wochen wiederholt anfragte, ob das Dokument einzusehen sei, erteilte die Stadt Absagen.

Nun hat offenbar ein Umdenken stattgefunden. Denn die Gehaltsbänder wurden plötzlich auf der Website der Stadt publiziert. Sie zeigen: Der höchstmögliche Lohn bei der Stadt Dietikon liegt bei 227 500 Franken pro Jahr (siehe Tabelle). Das beträfe eine Person, die das Maximum des höchsten Gehaltsbands erreicht. So weit es nach oben geht, geht es auch nach unten. Der tiefstmögliche Lohn eines Stadtangestellten liegt bei 42 420 Franken.

Die Gehaltsbänder lassen aber grossen Spielraum. Denn Angestellten in der tiefsten Lohnklasse könnten, wenn sie älter als 30 sind, auch 70 700 Franken verdienen. Jene in der höchsten Lohnklasse könnten auf ein Minimum von 136 350 Franken pro Jahr kommen.

Stadt Dietikon

Warum kam das Dokument nun aber plötzlich online? Stadtschreiberin Karin Hauser sagt: «Wir überprüfen unseren Internetauftritt ständig und nehmen entsprechend Anpassungen vor.»

Die Veröffentlichung der Gehaltsbänder durch die Stadt könnte mitunter mit einer Intervention des Präsidenten der SP/AL-Gemeinderatsfraktion, Ernst Joss, zu tun haben. «Ich habe mit den zuständigen Personen bei der Stadt gesprochen und daraufhin wurden die Gehaltsbänder online gestellt», sagt er. Ihn habe es schon lange gestört, dass das Dokument nicht öffentlich gewesen sei. Joss sagt: «Die Gehaltsbänder sind eine gesetzliche Grundlage. Man kann sie nicht geheim halten.» Er sei froh, dass das Dokument nun online verfügbar ist.

Die Präsidenten der anderen Fraktionen im Gemeinderat, egal ob links oder rechts, sind zu grossen Teilen der gleichen Meinung: Christiane Ilg-Lutz, Fraktionspräsidentin der EVP, hat beruflich mit den Lohnstrukturen von Verwaltungen zu tun. Sie führt für den Berufsverband der Pflegefachfrauen unter anderem Lohnberatungen durch. Ilg-Lutz sagt: «Ich finde, nicht nur die Gehaltsbänder, sondern auch die Stellenstruktur (Anhang A, der online momentan nicht zu finden ist; Anmerkung der Redaktion) sollte transparent sein. Ich habe nie verstanden, warum diese Dokumente nicht online waren.» Auch die Mitarbeiter könnten damit ungefähr abschätzen, wo sie sich lohntechnisch befinden. Ilg-Lutz sagt: «Es wäre schön, wenn die Verwaltungen eine Vorreiterrolle einnehmen und Transparenz herstellen würden.»
Beat Hess, Fraktionspräsident der Grünen, sagt: «Ich finde es grundsätzlich sinnvoll, wenn die Gehaltsbänder öffentlich einsehbar sind.»

Furcht vor Neid

Olivier Barthe, FDP-Fraktionspräsident und Parteikollege von Stadtpräsident Otto Müller, sagt: «Ich bin geteilter Meinung. Ordnungspolitisch ist es richtig, die Löhne zumindest der Kadermitarbeiter transparent zu gestalten.» Die Bürger hätten ein Anrecht darauf, zu wissen, wie hoch die Löhne sind, die von ihrem Geld gezahlt werden. «Doch ich habe die leichte Befürchtung, dass sich Neid, der in Ländern wie der Schweiz ja Teil der Kultur ist, entwickelt. Und das Senken von Löhnen würde die sehr gute Qualität der Stadt- und Gemeindeverwaltungen verschlechtern.» CVP-Fraktionspräsident Gabriele Olivieri konnte gestern ferienhalber keine Stellung nehmen.

Lips hofft auf Bachmann

Die SVP befürwortet die neue Transparenz. Fraktionspräsident Konrad Lips: «Ich begrüsse es sehr, dass die Stadt das Dokument nun online gestellt hat.» Er ist der Meinung, die Verwaltung hätte es schon früher herausgeben müssen. Und fügt an: «Die Stadt versteckt sich immer wieder hinter dem Datenschutz. Wenn Roger Bachmann (SVP, Anmerkung der Redaktion), als Stadtpräsident übernimmt, hoffe ich auf mehr Transparenz.»
Fazit: Der Entscheid, die Gehaltsbänder zu veröffentlichen, kommt bei den Gemeinderatsfraktionen gut an.

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