Dietikon
Stadt wird nicht Partner der Kulturlegi des Kantons Zürich

Der Stadtrat lehnt einen Vorstoss von AL-Gemeinderat Ernst Joss ab, die Caritas bedauert diesen Entscheid. Die 6000 Franken, welche die Stadt für die Partnerschaft bezahlen müsste, wären gut investiert gewesen.

Bettina-Hamilton-Irvine
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Auch wer am Existenzminimum lebt, muss vollen Eintritt bezahlen. Veranstaltung mit Rachel Matter und Daniel Fueter 2011 im Stadthaus..jpg

Auch wer am Existenzminimum lebt, muss vollen Eintritt bezahlen. Veranstaltung mit Rachel Matter und Daniel Fueter 2011 im Stadthaus..jpg

Limmattaler Zeitung

Die Stadt Dietikon wird nicht Partner der Kulturlegi des Kantons Zürich werden. Das Parlament entschied sich am Donnerstagabend mit 19 zu 11 Stimmen, ein entsprechendes Postulat nicht an den Stadtrat zu überweisen.

Kulturlegi: Die Caritas ist enttäuscht vom Entscheid

Die Caritas Zürich bedauert den Entscheid des Dietiker Stadtparlaments. In Dietikon würden viele Menschen am oder knapp über dem Existenzminimum leben, dank der Kulturlegi hätten auch sie am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können - mittels Rabatten bei Kultur, Sport und Bildung.
Bereits Ende 2010 habe der Dietiker Stadtrat seine ablehnende Haltung damit begründet, dass im Bezirkshauptort bereits viele kulturelle Anlässe gratis seien und die Eintritte in die stadteigenen Institutionen wie etwa dem Hallenbad oder dem Freibad sehr niedrige Preise hätten.
Der Stadtrat verkennt gemäss Caritas dabei, dass Kulturlegi-InhaberInnen von einem weit grösseren Angebot profitieren können. Derzeit erhielten Nutzende Rabatte bei mehr als 440 Kultur-, Sport- und Bildungsangeboten im Kanton Zürich und bei 1200 Angeboten in der ganzen Schweiz.

Kultur für Benachteiligte

Träger der Kulturlegi, die Menschen mit tiefem Einkommen günstigeren Zugang zu Kultur, Sport und Bildung verschafft, ist die Caritas Zürich. Ernst Joss (AL), der das Postulat eingereicht hatte, erklärte, die Kulturlegi ermögliche es benachteiligten Menschen, trotzdem am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können. Die 6000 Franken, welche die Stadt für die Partnerschaft bezahlen müsste, seien gut investiert. «Mit wenig Geld können wir helfen, Menschen besser zu integrieren», so Joss.

Die Stadt wollte das Postulat nicht entgegennehmen. Stadtpräsident Otto Müller (FDP) nannte als Gründe den administrativen Aufwand, die Kosten und die Tatsache, «dass wir in Dietikon ein sehr erschwingliches Kulturangebot haben». Zudem könnten Personen, die für eine Kulturlegi qualifiziert seien, trotzdem eine solche über Caritas beziehen.
Catalina Wolf-Miranda warnte vor der Isolation, in die Menschen, die in Armut lebten, leicht gerieten, und plädierte dafür, das Postulat zu überweisen. «Ein Versuch soll uns das wert sein», sagte sie.

Zu attraktiv für Sozialhilfebezüger

Werner Hogg (FDP) wies auf die laufende Haushaltsoptimierung hin, die helfen soll, die Finanzen der Stadt wieder ins Lot zu bringen. Dabei gehe es auch um kleine Beträge. Zudem solle man die Stadt Dietikon durch ein solches Angebot nicht noch attraktiver machen für Sozialhilfebezüger. Das ärgerte Catherine Peer (SP), die sich «erschüttert» zeigte, wie sie sagte, dass man so geizig sein könne. Sie betonte, dass die Kulturlegi auch älteren Menschen mit wenig AHV-Unterstützung zugute käme.