Die Vermutung des Dietiker FDP Gemeinderats Werner Hogg, dass es Gemeinden gibt, die Sozialhilfeempfängern zu einem Umzug nach Dietikon raten, bleibt unbestätigt. Es gibt keine Gemeinde, aus der Sozialhilfeempfänger auffallend häufig nach Dietikon ziehen, schreibt der Stadtrat in seiner Antwort auf eine Kleine Anfrage von Hogg.

Im Kanton Zürich ist die Sozialhilfequote nirgends so hoch wie in Dietikon, wo sie im Jahr 2011 7,1 Prozent betrug. «Der Stadtrat begründet die hohe Quote der Sozialhilfeempfänger immer mit der Zusammensetzung der Bevölkerung», sagt Hogg auf Anfrage. «Ich hatte immer das Gefühl, dass da noch mehr Gründe dahinter stecken müssen.» Deshalb wollte er vom Stadtrat wissen, wie viele der Neuzuzüger im Jahr 2012 sich innerhalb von drei Monaten beim Sozialamt angemeldet hätten und woher diese zugezogen sind.

In seiner Antwort schreibt der Stadtrat, dass sich im letzten Jahr 78 von den 2411 Personen, die nach Dietikon gezogen sind, in den ersten drei Monaten im neuen Wohnort beim Sozialamt angemeldet haben. Daraus ergaben sich 54 neue Unterstützungsfälle für die Stadt. 39 der Fälle wurden schon in der vorherigen Gemeinde unterstützt.

Dass Sozialhilfebezüger lieber im Kanton Zürich wohnen als anderswo, kann sich der Sozialvorstand Johannes Felber (CVP) gut erklären. Denn während andere Kantone nicht alle Richtlinien der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) umsetzen, sind diese im Kanton Zürich verbindlich.

«Jedoch nützt es nichts, Spekulationen darüber anzustellen, ob es Gemeinden gibt, die Sozialhilfeempfänger empfehlen, nach Dietikon zu ziehen», findet Felber. Auch wenn ihm selbst schon Ähnliches zu Ohren gekommen sei, sei es sehr schwierig, solche Behauptungen zu quantifizieren. «Es gibt keine Untersuchungen, die belegen, dass Dietikon für Sozialhilfebezüger besonders attraktiv ist», sagt er.

«Wir müssen streng sein»

Warum also hat Dietikon die höchste Quote an Sozialhilfebezügern? Gemeinderat Hogg vermutet, dass Dietikon in der Vergangenheit die situationsbedingten Leistungen zu grosszügig ausbezahlt hat. Die Skos-Richtlinien liessen viel Spielraum für deren Auslegung. «Da müssen wir streng sein», findet er. Denn finanziell stehe Dietikon schlecht da. Denn die Stadt bekommt den Übergangsausgleich des Kantons nur noch bis ins Jahr 2017 ausbezahlt. Bis dann müssen für die hohen Ausgaben in der Sozialhilfe neue Lösungen gefunden werden, sagt Hogg.

Sozialvorstand Felber findet es wichtig, dort anzusetzen, wo auch konkrete Mängel bestehen. Als Beispiel nennt Felber den günstigen Wohnraum in Dietikon, der das Sozialamt vor Herausforderungen stelle. Mit Positiv- und Negativanreizen möchte man in Zukunft die Vermieter dazu bewegen, billigen Wohnraum mit Sanierungen werthaltiger und dadurch teurer zu machen. Auch sollen in Zukunft die Vermieter mehr in die Pflicht genommen werden, sodass kleine Wohnungen nicht überbelegt werden.