Die Stadt Schlieren schafft eine zentrale Koordinationsstelle für Pflege- und Altersfragen. Ziel ist es laut Sozialvorstand Christian Meier (SVP), eine Anlaufstelle zu schaffen, die Senioren und deren Angehörige über das Angebot der für Altersfragen zuständigen Ämter, Institutionen und Vereine informiert. Die Koordinationsstelle ist teil der vor kurzem verabschiedeten Altersstrategie der Stadt. Sie folgt dem bereits etablierten Grundsatz, wonach pflegebedürftige Senioren möglichst lange zu Hause bleiben können sollen, bevor sie stationäre Pflege in Anspruch nehmen müssen.

Die Idee einer zentralisierten Beratung ist zwar nicht neu – bereits heute besteht in der Stadtverwaltung eine Beratungsstelle für Alters- und Pflegefragen. Doch ist dort nur eine einzelne Person damit betraut. «Wir stellten fest, dass für eine konsequente Vernetzung der Senioren mit den Altersinstitutionen eine Erweiterung der Koordinationsstelle nötig wird», so Meier.

Als Ersatz des in die Jahre gekommenen Alterszentrums Sandbühl sollen ausserdem betreute Wohnungen mit einer Pflegeabteilung an zentraler Lage in Schlieren erstellt werden, wie der Stadtrat in seiner Altersstrategie schreibt. Angesichts der gegenwärtigen Planung auf dem Geistlich-Areal ist jedoch fraglich, in welchem Umfang es überhaupt ein eigenes Angebot der Stadt braucht. Die Geistlich Immobilia AG plant dort nämlich mit Graber Pulver Architekten ein neues Wohn- und Gewerbegebäude, in dem bis 2019 auch betreute Alterswohnungen mit einer Pflegeabteilung entstehen (die Limmattaler Zeitung berichtete).

Erhält die Stadt den Zuschlag?

Noch ist offen, ob die öffentliche Hand oder ein privater Anbieter diese betreuten Wohnungen betreiben wird. «Wir sind mit der Geistlich Immobilia im Kontakt», sagt Meier. Ziel des Stadtrats sei es, die Alters- und Pflegeeinrichtung selbst zu führen. Falls aber ein Privat-Unternehmen zum Zug käme, müsse man seitens der Stadt erst abwägen, welche zusätzlichen Bedürfnisse dann noch bestehen, so der Sozialvorstand.

Die spezialisierte Pflege soll gemäss Stadtrat an das Pflegezentrum des Spitals Limmattal delegiert werden. Dies hat er dem Spital auch in der Vernehmlassung des aktuell laufenden Projekts zur «Zusammenarbeit in der Alters- und Pflegeversorgung in der Region» mitgeteilt. Wie viele Betten die Stadt im Pflegezentrum dereinst beanspruchen wird, steht derzeit noch nicht fest, wie Meier sagt: «Bisher hat das Spital noch keine genauen Angaben einfordert.» In der Altersstrategie sind 50 bis 60 Betten anberaumt. Eine präzise Bedarfsabklärung werde die Stadt aber erst vornehmen, wenn die Planung des Spitals zum neuen Pflegezentrum weiter fortgeschritten sei, so der Sozialvorstand.

Derzeit läuft das erwähnte Projekt noch, wie Pflegedirektorin Susanne Vanini auf Anfrage sagt. Bis Ende Jahr sollen die sechs Teilprojekte abgeschlossen sein. «Dann wissen wir, welche Ansprüche die Gemeinden in Sachen Koordination und Zusammenarbeit an das Pflegezentrum haben», sagt sie. Der Bettenbedarf der Gemeinden soll in einer Machbarkeitsstudie für einen Neubau beim Spital Limmattal eruiert werden. Die Studie dürfte laut Vanini ab 2016 erstellt werden. Eine Gebäudestrukturanalyse habe aber ergeben, dass die Infrastruktur des heutigen Pflegezentrums noch mindestens acht bis zehn Jahre halte, sagt sie.

In der neuen Altersstrategie der Stadt sind neben dem Ausbau der Koordinationsstelle für Alters- und Pflegefragen weitere Massnahmen festgehalten, die dem Versorgungsgrundsatz «ambulant vor stationär» dienen sollen. Neben Entlastungsangeboten für pflegende Angehörige oder dem vermehrten Einsatz von freiwilligen Mitarbeitern plant die Stadt, auch die Gesundheitsförderung und Prävention zu verstärken.

Senioren zu Hause besuchen

Konkret soll im Rahmen von präventiven Hausbesuchen etwa abgeklärt werden, welche Bedürfnisse ein Senior hat oder welche ambulanten Massnahmen getroffen werden sollten, damit er möglichst lange zu Hause bleiben kann. Das sei für die Stadt wichtig, um Plätze in einer stationären Pflegeeinrichtung frühzeitig bereitstellen zu können, sagt Meier: «Senioren und deren Angehörige kommen oft eher um fünf nach als um fünf vor zwölf auf die Stadt zu. Das führt dazu, dass Pflegebedürftige manchmal in anderen Gemeinden platziert werden müssen.» Die nun vom Stadtrat verabschiedete Alterstrategie führt noch zu keinen konkreten Massnahmen. Um solche umsetzen zu können, müssen erst Konzepte und Umsetzungspläne erstellt werden, bevor in einem politischen Entscheid des Stadt- oder allenfalls auch des Parlaments die nötigen Mittel bewilligt werden.