Schlieren

Stadt will Hochhäuser selbst platzieren

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Stadtrat macht mehrere Einwendungen gegen regionale Richtplanung – er will mehr Gestaltungsfreiheit.

Der Schlieremer Stadtrat will sich bei der baulichen Entwicklung der Stadt nicht so stark einschränken lassen, wie dies die Zürcher Planungsgruppe Limmattal (ZPL) vorsieht. Konkret stört er sich unter anderem an einer Hochhauszone für Gebäude von über 25 Meter Höhe, welche die Planungsgruppe bei der Revision ihrer regionalen Richtplanung im Bereich des Spitalquartiers definiert hat (siehe Karte). Gegen die Richtplanung der ZPL, die der städtischen übergeordnet ist, hat die Exekutive im Rahmen der öffentlichen Auflage daher mehrere Einwendungen platziert. Ihr ist zwar «klar, dass in der Stadtlandschaft baulich verdichtet werden muss», wie sie schreibt. Doch soll die Stadt das Wo und Wie möglichst eigenständig baurechtlich festlegen können.

Bereits in der bisherigen regionalen Richtplanung war auf Schlieremer Boden ein «Eignungsgebiet für Hochhäuser» definiert – dieses reicht vom Wagi- bis zum Färbiareal. Dass die Stadtregierung die neue Hochhauszone ablehnt, begründet Bauvorstand Markus Bärtschiger (SP) damit, dass die Argumente für die Wahl des Gebiets «schwach» seien: «Die ZPL rechtfertigt es damit, dass dort bereits mehrere Hochhäuser stehen würden. Diese rückwärtsgerichtete Betrachtung reicht aber nicht aus.»

Bevölkerung soll mitreden

Fragen der baulichen Verdichtung will die Stadtregierung stattdessen bei der Erarbeitung des Stadtentwicklungskonzepts II mit den Experten des Frankfurter Planungsbüros Albert Speer & Partner und der Bevölkerung eingehend diskutieren (die Limmattaler Zeitung berichtete). Die dabei festgelegten Ziele werden, wie auch beim vorhergehenden Konzept aus dem Jahr 2005, schliesslich bei der Revision der kommunalen Bau- und Zonenordnung (BZO) baurechtlich fixiert. Es sei zwar möglich, dass die Beteiligten in diesem partizipativen Verfahren zum Schluss kommen, dass das fragliche Gebiet für Hochhäuser geeignet ist, sagt Bärtschiger: «Aber es soll nicht nur aufgrund der bestehenden Gebäudestruktur von übergeordneter Stelle so festgelegt werden.» Denn wenn ein Stadtteil im regionalen Richtplan erst einmal als Hochhaus-Zone ausgeschieden ist, können Investoren entsprechende Projekte juristisch auch gegen den Willen der Stadt durchboxen. Es könne nicht sein, so der Bauvorstand, dass am Ende «Richter darüber entscheiden, wo was gebaut wird».

Der Stadtrat erachtet die Prognosen der ZPL, wonach Schlieren bis 2030 auf rund 21 500 Einwohner und 17 000 Arbeitsplätze anwächst, als plausibel. Ein solches Wachstum sei allerdings auch mit der bestehenden Bauordnung möglich, sagt der Bauvorstand: «Wenn man die geplanten Bauten auf dem Geistlich-Areal und in Schlieren West berücksichtigt, sind wir bereits in dieser Grössenordnung.» Die ZPL will dennoch grosse Gebiete der Stadt als Zone mit einer Ausnützungsziffer von mindestens 110 Prozent festlegen. Heute beträgt die Dichte, die sich aus dem Verhältnis von Gesamtgeschossfläche eines Gebäudes und der Parzellengrösse ergibt, in vielen Stadtteilen zwischen 30 und 60 Prozent. «Die Ausnützung fast flächendeckend zu verdoppeln, wäre weder sozial nachhaltig noch qualitativ erstrebenswert», sagt Bärtschiger. Die Stadtregierung pocht daher darauf, dass die Ziffern in der regionalen Richtplanung als «anzustrebende Werte» und nicht als «Mindestwerte» definiert werden. So will die Stadt sich die Freiheit bewahren, «lokal angepasst und qualitativ» zu verdichten: Auf dem Geistlich-Areal besteht etwa nach der Bebauung eine Ausnutzung, die über 110 Prozent liegt. «Dafür sollen andere Quartiere geschont werden können», erklärt Bärtschiger.

Wohnanteile einzeln betrachten

Zwei von insgesamt elf Einwendungen gegen die übergeordnete Richtplanung betreffen schliesslich die von der ZPL definierten Wohnanteile in Mischzonen. So erachtet der Stadtrat die von der Planungsgruppe vorgesehenen Mindestwohnanteile von 70 Prozent in den Gebieten Ifang, Rütistrasse und Rietpark als zu hoch. Bärtschiger erklärt: «Es gibt in diesen Quartieren Häuserzeilen, die stark lärmbelastet sind. Einen so hohen Wohnanteil zu bauen, wäre architektonisch kaum sinnvoll zu lösen und sehr teuer.» Für die Investoren würde dies eine grosse Bürde bedeuten. Es müsse daher im Einzelfall beurteilt werden, was möglich sei, betont der Bauvorstand. Der Stadtrat verlangt daher, dass der minimale Wohnanteil in diesen drei Gebieten in der regionalen Richtplanung auf 50 Prozent gesenkt wird, in einer zweiten Zone im Gebiet Ifang gar von 50 auf 30 Prozent.

Generell will der Stadtrat die Verdichtungsvorgaben im regionalen Richtplan langsam angehen können. Sie sollen im Zuge mehrerer Stadtentwicklungskonzepte und damit verbundener Bauordnungsrevisionen stufenweise umgesetzt werden, wie Bärtschiger sagt. Gleichzeitig will sich die Stadt auf jeder Stufe Einflussmöglichkeiten zur Qualitätssicherung bewahren. Dazu will sie sich auf partizipative Verfahren, Testplanungen und Gestaltungspläne abstützen. Denn um eine hohe bauliche Dichte und gleichzeitig eine Stadt mit hoher Lebensqualität zu erreichen, «genügt eine BZO-Revision alleine nicht», wie der Stadtrat in seiner Einwendung schreibt.

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