Obwohl im kommenden Jahr grössere Investitionsposten auf der Planungsliste des Schlieremer Stadtrats stehen, will er den Steuerfuss erstmals seit elf Jahren um fünf auf 114 Prozent senken (siehe Grafik). Trotz der tieferen Steuereinnahmen steht im Voranschlag 2014 einem Ertrag von rund 152,7 Millionen Franken ein Aufwand von 153,5 Millionen gegenüber. Daraus resultiert ein kleines Minus von 808 000 Franken.

Die Stadt budgetiert also eine rote Null. Auch in den kommenden Jahren sollte der Finanzhaushalt der Stadt auf dem tieferen Steuerfussniveau ausgeglichen sein, wie Finanzvorsteherin Manuela Stiefel (FDP) sagt: «Die Steuerfusssenkung ist ein nachhaltiger Entscheid: Wir wollen die 114 Prozent mittelfristig beibehalten.»

Stadt senkte den Steuerbedarf

Dass die Stadt eine Steuersenkung trotz budgetierter Gross-Bauprojekte wie dem Schulhaus Schlieren West in Erwägung zieht, hat mehrere Gründe. Zum einen konnte der Steuerbedarf der Gemeinde in den vergangenen Jahren stark gesenkt werden. So, dass etwa 2012 ein bereinigter Steuerbedarf von 111 Prozent resultierte.

Wo setzte die Stadt also den Rotstift an? «Es handelte sich nicht um eine Sparrunde», erklärt Stiefel. Die Kostenreduktion beruhe auf laufend durchgeführten Optimierungen im Verwaltungsbetrieb. «Viele kleine Posten führten in der Summe zu einem grossen Effizienzgewinn. Dabei arbeitete die gesamte Verwaltung mit», sagt sie.

Ein weiterer Punkt, der die Steuersenkung möglich macht, ist, dass die Stadt weiterhin in den Genuss des kantonalen Finanzausgleichs kommt. 2014 spült er rund 18,5 Millionen in die Stadtkasse. Würden künftig bei der Festlegung der Ausgleichszahlungen auch die Soziallasten einer Gemeinde berücksichtigt, wie es derzeit diskutiert wird, so würde Schlieren zusätzlich profitieren, wie Oliver Küng, der Leiter Finanzen, erklärt.

Neues Rechnungsmodell als Segen

Weiter rechnet der Stadtrat damit, dass die Investitionsrechnung ab 2016 nach dem neuen harmonisierten Rechnungsmodell (HRM2) gelegt werden kann. Gegenüber dem gegenwärtig gültigen HRM1 könnten Investitionen damit über einen längeren Zeitraum, in den ersten Jahren somit über tiefere und vor allem linear sinkende Beträge abgeschrieben werden, was sie finanziell besser planbar macht.

Ein Verzicht auf Investitionen ist laut Stiefel auch in Zukunft schlicht nicht denkbar. 2014 plant die Stadt neben dem Schulhaus-Neubau mit der Asylunterkunft oder der Verlängerung der Goldschlägistrasse grosse Investitionen - insgesamt rechnet man mit Nettoinvestitionen von 17,4 Millionen im Verwaltungsvermögen. «Trotz der Steuersenkung werden in einer wachsenden Stadt wie Schlieren auch künftig Investitionen nötig sein», sagt sie.

Die Stadt wird sich folglich neu verschulden müssen. Bei einem Cashflow von 5,9 Millionen Franken sinkt der Selbstfinanzierungsgrad laut Voranschlag auf 34 Prozent. Die Nettoschuld erhöht sich auf 1318 Franken pro Kopf. Für die Festlegung des Steuerfusses sei aber nicht nur der Selbstfinanzierungsgrad, sondern vor allem der Steuerbedarf relevant, sagt Stiefel.

Steuersenkung als Lockmittel

«Die Steuerfusssenkung ist auch ein strategisches Signal», erklärt die Finanzvorsteherin. Tiefere Steuern bedeuten einen Standortvorteil und sind ein Zeichen an die Schlieremer Steuerzahler. Das Steuersubstrat hat durch die steigende Einwohnerzahl und die Zunahme an juristischen Personen zugelegt.

Zudem könnte der tiefere Steuerfuss künftig vermehrt steuerkräftige natürliche Personen und Firmen in die Stadt bringen. 2014 tragen die natürlichen Personen voraussichtlich 71 Prozent und die juristischen Personen 29 Prozent der Steuereinnahmen bei. Damit erreicht man das von der Exekutive angestrebte Verhältnis von 70:30 fast.
Über den Voranschlag 2014 befindet das Stadtparlament an der Sitzung vom 16. Dezember.