Schlieren

Stadt will Alterszentrum Sandbühl für 15,4 Millionen verkaufen: Verantwortlichen stellen sich der Kritik

An einer Infoveranstaltung stellten sich die Verantwortlichen der Kritik zum geplanten Verkauf des Alterszentrums Sandbühl in Schlieren.

Sie verstehe die Sorgen um die Zukunft und das Misstrauen gegenüber dem Projekt, sagte Finanz- und Liegenschaftsvorsteherin Manuela Stiefel (parteilos) während der lebhaften Debatte am Montagabend im Stürmeierhuus. «Ich mag es, wenn es hin und her geht. Ich wünsche mir, wir hätten im Juni im Parlament schon so diskutiert». Die Stadt Schlieren hatte eingeladen, um vor der Urnenabstimmung über den geplanten Verkauf des Alterszentrums Sandbühl am 17. November zu informieren.

Die Stadt will das sanierungsbedürftige Gebäude mitsamt Land für 15,4 Millionen an das angrenzende Spital Limmattal verkaufen. Die Bevölkerung muss darüber entscheiden, weil an der Gemeinderatssitzung im Juni 14 Parlamentsmitglieder das Behördenreferendum gegen den Verkauf ergriffen hatten. Dies, obwohl das Geschäft zunächst mit 21 zu 8 Stimmen angenommen worden war. Stiefel bedauerte, dass die Vehemenz, die jetzt in den Widerstand gegen das Projekt fliesse, bei der Ratsdebatte noch gefehlt habe.

Manuela Stiefel Stadtrat Schlieren (FDP)

Manuela Stiefel Stadtrat Schlieren (FDP)

Zunächst präsentierte Stiefel im Stürmeierhuus die Abstimmungsvorlage und Alters- und Sozialvorsteher Christian Meier (SVP) informierte über die Hintergründe. Thomas Brack, Direktor des Spitals Limmattal, sagte, dass das Land langfristig als strategische Landreserve für einen Spitalausbau Richtung Osten genutzt werden soll. Und Lukas Zumsteg von «Liechti Graf Zumsteg»-Architekten präsentierte das Siegerprojekt «Der Himmel ist grün» für den Neubau einer Alterseinrichtung, die das Sandbühl ersetzen soll (die Limmattaler Zeitung berichtete).

Abstimmungs-Gegner lancieren die Diskussion

In der anschliessenden Fragerunde war das Anfang Oktober gegründete Komitee «Hebe mer Schliere Sorg», das sich gegen den Sandbühl-Verkauf einsetzt, im Publikum prominent vertreten. Vom siebenköpfigen Komitee mit Mitgliedern aus SP, CVP, Grüne und dem Quartierverein schalteten sich die Gemeinderäte Heidemarie Busch (CVP), Thomas Widmer (QV), Dominik Ritzmann (Grüne) und alt Gemeinderat Jürg Brem (SP) in die Diskussion ein. Ritzmann kritisierte, dass zu viel Vortragszeit für die Vorstellung der geplanten Alterseinrichtung neben dem Ortsmuseum aufgewendet worden sei. So könne der Eindruck entstehen, der Neubau sei mit dem Verkauf des Sandbühls verknüpft. «Der Verkauf hat keine Auswirkungen auf den Bau einer neuen Einrichtung», bestätigte Stiefel. «Aber wir wollten beide Themen behandeln, weil die Bevölkerung sich die Frage nach der Anschlusslösung automatisch stellt.» Auch bedeute ein Verkauf, dass die Stadt sich dank der Einnahmen für den Neubau weniger stark verschulden müsse, fügte sie an.

Thomas Widmer Gemeinderat Schlieren (QV)

Thomas Widmer Gemeinderat Schlieren (QV)

Widmer argumentierte, der Landverkauf widerspreche der städtischen Strategie, Baulandreserven und Grünraum für die Zukunft zu erhalten. Die Stadt verliere Land, aber trotz städtischer Strategie müsse man eine solche Chance ergreifen, entgegnete Stiefel. «Wenn wir alles in die Waagschale legen, überwiegt für uns das öffentliche Interesse, dem Spital eine gute Zukunft zu ermöglichen. Jeder Einzelne muss für sich abwägen, was ihm wichtiger ist.» Sie rief in Erinnerung, dass die Stadt Schlieren zu 20 Prozent am Spital beteiligt sei, dass Land also nicht einfach an einen privaten Investor verkauft werde.

Stadt argumentiert gegen Abgabe im Baurecht

Jürg Brem führte die Möglichkeit ins Feld, das Grundstück im Baurecht abzugeben, um die Kontrolle nicht zu verlieren. Das Land wäre dann gleichwohl über viele Jahre blockiert und das Spital Limmattal müsste 160 Jahre Baurechtszins bezahlen, damit die Stadt so viel einnehmen könne wie beim Verkauf, sagte Albert Schweizer, Bereichsleiter Liegenschaften der Stadt. «Aber das Land würde uns gehören», warf Ritzmann aus dem Publikum ein.

Es gehe ihm nicht ums Geld, sagte Widmer. Er und Brem sprachen dem Stadtrat das Vertrauen für einen sorgfältigen Umgang mit dem Land ab. Deshalb wolle er der Stadt alle Optionen offen halten, so Widmer. «Ich gönne dem Spital den Handlungsspielraum, aber er geht auf unsere Kosten.» Heidemarie Busch sorgte sich darum, dass die Stadt trotz Vorverkaufsrecht bei einem Rückkauf möglicherweise viel mehr bezahlen müsste als 15,4 Millionen Franken. «Wäre das der Fall, hätte das Spital eine wundersame Entwicklung durchgemacht», erwiderte Stiefel. Der Preis werde im Falle eines Rückkaufs anhand zweier unabhängiger Schätzungen eruiert.

Zum Schluss erhielt EVP-Ortspräsident Robert Welti einen Szenenapplaus. Der langjährige Sozialvorsteher, der die Nachfolgelösung für das Sandbühl mit aufgegleist hatte, plädierte für eine Annahme des Verkaufs: «Jetzt haben wir endlich eine Antwort darauf, was wir mit dem Sandbühl machen wollen.»

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