Dietikon
Stadt stellt beim «Sonnenhof» keine Mietpreisforderungen

Stadtrat verlangt beim Neubauprojekt keinen Anteil an gemeinnützigen Wohnungen.

Sandro Zimmerli
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Der «Sonnenhof» wurde 1951 als Siedlung für die Arbeiter der Reppisch-Werke erstellt.zim

Der «Sonnenhof» wurde 1951 als Siedlung für die Arbeiter der Reppisch-Werke erstellt.zim

Sandro Zimmerli

Der Dietiker Stadtrat hat im privaten Gestaltungsplan «Sonnenhof» darauf verzichtet, die Realisierung von kostengünstigem Wohnungsbau von den Reppisch-Werken Dietikon (RWD) einzufordern. Zum Zeitpunkt der kantonalen Abstimmung über die Vorlage für preisgünstigen Wohnungsbau vom 28. September – sie wurde im Kanton mit 58,4 Prozent angenommen, in der Stadt Dietikon mit 62,3 – sei der Gestaltungsplan bereits weitestgehend erarbeitet worden, schreibt die Exekutive in ihrer Antwort auf eine Interpellation von SP-Gemeinderat Manuel Peer. Der Gestaltungsplan lag von Anfang Dezember 2014 bis Anfang Februar 2015 öffentlich auf.

Wie der Stadtrat weiter ausführt, sei die Bauherrschaft natürlich über diese Abstimmung und deren Folgewirkung im Bild. Die öffentliche Hand müsse gegenüber der Bauherrschaft aber ein verlässlicher Partner sein. «Deshalb wäre es nicht opportun, die einmal gesteckten Rahmenbedingungen im gemeinsamen Planungsprozess nachträglich wieder zu ändern», so der Stadtrat. Zudem wäre man für eine Forderung nach preisgünstigem Wohnraum auf die noch ausstehende Vollziehungs-Verordnung des Regierungsrates bezüglich des Abstimmungsergebnisses angewiesen.

Peer wollte vom Stadtrat wissen, ob dieser bei der anstehenden Erneuerung der Siedlung «Sonnenhof» die Gelegenheit wahrnehmen wolle, die Interessen der Stadt einzubringen. So fragte er, ob die Grundeigentümer darauf hingewiesen worden seien, dass bei den Ersatzneubauten ein Anteil gemeinnützigen Wohnungsbaus erwünscht sei.

Der «Sonnenhof» wurde 1951 als Siedlung für die Arbeiter der Reppisch-Werke erstellt. Sie besteht aus acht Gebäuden mit insgesamt 72 günstigen Wohnungen. Für drei Zimmer bezahlt man netto gerade einmal 1100 bis 1250 Franken im Monat, für vier zwischen 1250 und 1400 Franken. Allerdings sind die Wohnungen auch sehr klein. Die Drei-Zimmer-Wohnungen sind 56 Quadratmeter gross, die Vier-Zimmer-Wohnungen 67 Quadratmeter. Letztmals saniert wurden sie Mitte der 1980er-Jahre.

Kein gemeinsamer Gestaltungsplan

Weil die Häuser energetisch und und schalltechnisch nicht mehr heutigen Ansprüchen genügen, begannen die RWD Anfang 2013, einen Architekturwettbewerb aufzugleisen, der im Dezember 2013 entschieden war. Das Siegerprojekt, das die Basis für die Erarbeitung des privaten Gestaltungsplans bildete, sieht 86 Wohnungen in vier Gebäuden vor, die sich um einen Hof gruppieren. Sie werden grösser sein als die bestehenden. Baubeginn dürfte nicht vor 2017 sein.

Da die Überbauung also komplett neu gebaut werden soll, muss allen Mietern gekündigt werden. Obschon man seitens der RWD gegenüber dieser Zeitung Ende letzten Jahres erklärte, dass keine Luxuswohnungen geplant seien und es Ziel sei, dass eine Dreieinhalb-Zimmer-Wohnung netto weniger als 2000 Franken kosten werde, dürften sich die meisten der aktuellen Bewohner diesen Preis nicht mehr leisten können.

Verzichtet hat die Stadt auch darauf, zusammen mit den RWD eine Gesamtplanung durchzuführen, welche die an den Sonnenhof angrenzende Schulanlage Steinmürli miteinbezieht. «Zu keinem Zeitpunkt wurde die Erarbeitung eines gemeinsamen Gestaltungsplans in Erwägung gezogen», heisst es in der Antwort weiter. Denn auch auf diese Frage wollte Peer eine Antwort. Laut Stadtrat «bestehen zwischen der privaten Wohnsiedlung und dem öffentlichen Schulareal aber weder funktionale noch wesentliche städtebauliche oder erschliessungstechnische Abhängigkeiten beziehungsweise Zusammenhänge, welche die Erarbeitung eines gemeinsamen Gestaltungsplanes erforderlich gemacht hätten».

Die beiden Areale würden zudem jeweils eine genügend grosse Fläche aufweisen, um separate Planungen zu rechtfertigen und eigenständige städtebauliche Charakteristiken zu offenbaren, so der Stadtrat. Zudem biete die Zone für öffentliche Bauten des Schulhausareals genügend Spielraum für eine allfällige Erneuerung beziehungsweise Erweiterung der Schulinfrastruktur. Ein Gestaltungsplan sei dafür nicht notwendig.