Der Schlieremer Stadtrat will die Leistungsvereinbarung für die Betreuung der vorläufig aufgenommenen Asylbewerber mit der Asylorganisation der Stadt Zürich (AOZ) um weitere vier Jahre verlängern. Dies kostet die Stadt jährlich rund 113 000 Franken. Das Stadtparlament wird aber über die Weiterführung der externen Betreuung bis Ende 2017 entscheiden.

Die 50 vorläufig aufgenommenen Personen, die in das Aufnahmekontingent der Stadt fallen, könnten auch durch die Sozialberatung der Stadtverwaltung betreut werden. So würde die Stadt gemäss Vollkostenrechnung rund 15 000 Franken einsparen. Aus mehreren Gründen lohnt sich ein solcher Systemwechsel aber nicht, wie die Abteilung Soziales auf Anfrage mitteilt.

Das Asyl-Aufnahmekontingent Schlierens sei mit 85 Personen zu klein, als dass es sich lohnen würde, die Betreuung mit verwaltungseigenem Personal zu gewährleisten, sagt Sozialvorstand Robert Welti (EVP). Dies bestätigt auch der Schlieremer Abteilungsleiter Soziales, Claude Chatelain: «Die Anforderungen in der Asylbetreuung wandeln sich sehr schnell. Qualifizierte Leute zu rekrutieren und weiterzubilden, ist daher sehr teuer.»

Eigene Betreuung kostet 98 000

Für die Betreuung der vorläufig Aufgenommenen wären laut Vollkostenrechnung eine 50-Prozent-Stelle in der Sozialberatung und 18 Stelleprozent für die damit verbundenen Sekretariatsdienste nötig. Zusammen mit den Ausgaben für Infrastruktur und Führung belaufen sich die Gesamtkosten auf rund 98 000 Franken.

Für ihre Dienste berappt die Stadt Schlieren der AOZ bei derselben Anzahl Betreuungsfälle rund 113 000 Franken. Die Mehrkosten würden allerdings durch «die vielfältigen Zusatznutzen» der Auslagerung an die AOZ «kompensiert», schreibt der Stadtrat in seiner Weisung.

Grosse Erfahrung bringt Vorteile

Ein Vorteil der externen Betreuung bestehe etwa in der grossen Erfahrung, die die Angestellten der Asylorganisation in der Betreuung der vorläufig Aufgenommenen aufweisen, sagt Chatelain. Fehlende kulturelle und sprachliche Kenntnisse, fehlende Ausbildungen und bei Asylsuchenden oft vorhandene Traumata würden zu einem doppelten Betreuungsaufwand führen. «Die Angestellten der AOZ verfügen über die nötigen Fachkenntnisse und das Wissen um die Rahmenbedingungen des Asylwesens», so Chatelain.

Man habe mit der Asylorganisation in der Vergangenheit sehr gute Erfahrungen gemacht. Besonders vorteilhaft sei, dass die AOZ die Bewirtschaftung des Wohnraumes - für die vorläufig Aufgenommenen sowie die Asylsuchenden - übernehme und dafür sorge, dass dieser effizient genutzt werde, sagt Chatelain. Einen weiteren grossen Vorteil der Auslagerung der Betreuung bilde der 24-Stunden-Notfalldienst der AOZ: «Diesen könnten wir selbst gar nicht gewährleisten, weil wir nicht über entsprechende Arbeitsverträge verfügen.»

Vereinbarung besteht seit 2010

Eine Leistungsvereinbarung zwischen der AOZ und der Stadt Schlieren besteht bereits seit 2010. Damals übernahm die Asylorganisation die Betreuung aller Asylsuchenden der Stadt - die vorläufig aufgenommenen eingeschlossen. Mit der Teilrevision des Sozialhilfegesetzes vom 4. September 2011 wurde per 1. Januar 2012 jedoch die Betreuung vorläufig aufgenommener Asylsuchender der kommunalen Sozialhilfe übertragen. Die Stadt Schlieren entschied damals, für diese Gruppe eine separate Leistungsvereinbarung mit der AOZ abzuschliessen. Diese läuft am 31. Dezember 2013 aus.