Schlieren
Stadt Schlieren verkauft Land und lässt den Markt bewusst nicht spielen

Schlieren habe verhindert, dass die zwei Parzellen mit einer Mehrfamiliensiedlung bebaut würden, sagt Stadträtin Manuela Stiefel – schluckt dies der Quartierverein?

Florian Niedermann
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Wild überwachsen: So präsentiert sich das Land im Zelgliquartier, auf dem bald zwei Einfamilienhäuser entstehen sollen, heute. Amo

Wild überwachsen: So präsentiert sich das Land im Zelgliquartier, auf dem bald zwei Einfamilienhäuser entstehen sollen, heute. Amo

Anja Mosbeck

Der Schlieremer Stadtrat will zwei Grundstücke am Zelgliweg für einen Fixpreis von je 310'000 Franken verkaufen. Einen entsprechenden Antrag wird das Parlament in Kürze beraten. Und dieses Geschäft birgt Zündstoff: Als der Stadtrat vor einem Jahr bei einer Liegenschaft den Markt nicht spielen liess, wurde er dafür gerügt.

Im Mai 2014 ging es um dem Verkauf zweier bebauter Parzellen. Bei der teureren Liegenschaft an der Engstringerstrasse 49 legte die Stadt einen Mindest-Kaufpreis von 450'000 Franken fest und veräusserte sie schliesslich für 700'000 an den meistbietenden Interessenten. Bei der zweiten, 590 Quadratmeter grossen Liegenschaft am Rande des Erdbeerifelds wurde hingegen ein Fixpreis von 240'000 Franken verlangt. Dies sei ein Fehlentscheid, fand der Quartierverein (QVS), könnten doch in Schlieren bis zu 1000 Franken pro Quadratmeter erzielt werden.

Liegenschaftsvorsteherin Manuela Stiefel (FDP) argumentierte damals, dass zum einen in das bestehende Gebäude auf diesem Grundstück viel Geld investiert werden müsse und die baurechtlichen Vorgaben in einer Reservezone wie dieser sehr eng seien. Zum anderen wertete sie diesen Verkauf auch als familienpolitische Massnahme – handelte es sich bei den ausgewählten Käufern doch um eine vierköpfige Familie. Gemeinderätin Gaby Niederer fand jedoch, dass es nicht die Aufgabe der Stadt sei, «eine Familie mit einem Geschenk von 100 000 Franken zu unterstützen». Sie ging davon aus, dass für das Grundstück sicher 340'000 Franken hätten verlangt werden können. Die anderen Fraktionen unterstützten den Antrag des Stadtrats allerdings grossmehrheitlich.

Manuela Stiefel, FDP, bisher

Manuela Stiefel, FDP, bisher

Zur Verfügung gestellt

Geld ist nicht das Hauptkriterium

Beim aktuellen Geschäft handelt es sich um die zwei neben der Engstringerstrasse 49 liegenden, 344 Quadratmeter grossen Parzellen. Auch hier stehen laut Stiefel strategische Überlegungen hinter dem Entscheid, einen Fixpreis von 900 Franken pro Quadratmeter festzulegen. Dies ermöglicht es der Stadt, beim Verkauf nicht alleine die Finanzkraft der Interessenten entscheiden zu lassen, sondern «bewusst Einfluss auf die Nutzung und die zukünftigen Besitzer» zu nehmen. Ziel sei es gewesen, an dieser Wohnlage den Bau von zwei Einfamilienhäusern zu ermöglichen, so Stiefel. Zudem sollten nicht Investoren oder Entwickler berücksichtigt werden, sondern private Käufer. Stiefels Begründung: «Es gibt nicht mehr viele Möglichkeiten in Schlieren, um Einfamilienhäuser zu bauen. Der Stadtrat wollte auf städtischem Land zwei Parteien eine solche bieten.»

Bei der offenen Ausschreibung sind 33 Bewerbungen eingegangen. Der Stadtrat habe die Käufer «mit Bedacht und Sorgfalt» ausgewählt, so die Liegenschaftsvorsteherin. Konkret gab die Stadt in Schlieren wohnhaften privaten Interessenten den Vorzug. «Zudem achteten wir darauf, dass die beiden neuen Nachbarn zusammenpassten», sagt Stiefel. Absagen erhielten hingegen nebst Investoren und Entwicklern auch Nachbarn, die eine grössere Überbauung realisiert hätten.

1615 Franken statistisch möglich

Die Stadt setzte den Verkaufspreis bei den zwei Grundstücken am Zelgliweg mit 900 Franken pro Quadratmeter zwar viel höher an als noch bei der Liegenschaft beim Erdbeerifeld 2014. Er liegt aber unter dem Preis einer durchschnittlichen Parzelle, wie ein Blick auf die Modelltabelle des statistischen Amts des Kantons Zürich zeigt. Für Schlieremer Wohnbauzonen wies dieses 2013 eine Preisspanne von 756 bis 1615 Franken pro Quadratmeter aus. Der Median lag bei 1100 Franken.

Dass auf den beiden Parzellen von je 344 Quadratmeter Fläche keine Mehrfamilienhäuser gebaut werden, hätte die Stadt zwar in der Theorie baurechtlich mit einer Gestaltungsplanpflicht und entsprechenden Auflagen verhindern können. So wäre es möglich gewesen, den Markt spielen zu lassen, unter Umständen höhere Bodenpreise zu erzielen und dennoch auf die Nutzung der Grundstücke Einfluss zu nehmen. Doch laut Stadtingenieur Hans-Ueli Hohl wäre ein Gestaltungsplan auf der fraglichen Fläche wohl nie realisiert worden: «Es besteht für solche Instrumente die Bedingung der Zweckmässigkeit. Diese Fläche ist eindeutig zu klein», sagt er. Auch die kantonale Baudirektion hätte dort einen Gestaltungsplan wohl kaum genehmigt.

Ob der Quartierverein das Verkaufsgeschäft bekämpfen wird, konnte Parteipräsident Jürg Naumann auf Anfrage nicht sagen. Man warte erst die Beratung in der Rechnungsprüfungskommission ab, sagte er. Deren Sitzung fand erst gestern Abend statt.