Ai Weiwei, Yona Friedman oder Frank Stella — sie und andere zeitgenössische Künstler mit klingenden Namen beehrten das Zürcher Kunstfestival «Art and the City» bei seiner ersten Ausführung vor zwei Jahren. Ginge es nach der Arbeitsgruppe Kunst im öffentlichen Raum (KiöR), die dem Stadtzürcher Tiefbauamt angegliedert ist und das Festival organisiert, wären nächsten Sommer auch in Schlieren Kunstwerke und kulturelle Rahmenveranstaltungen im öffentlichen Raum zu sehen gewesen. Der Schlieremer Stadtrat hätte eine Teilnahme zwar begrüsst, wie er in seinem Beschluss schreibt. Dennoch hat er nun aber beschlossen, darauf zu verzichten. Der Grund: Als die Exekutive die Idee den Ortsparteien an einem Feierabendgespräch vorstellte, äusserten sich diese ablehnend. Zu teuer und zeitlich zu nahe am Schlierefäscht gelegen, so der Tenor.

Verpasst Schlieren bei 80 000 bis 100 000 erwarteten Gästen am «Art and the City» nicht eine unvergleichliche Chance, das Image der Stadt im Kanton und in der Schweiz zu verbessern? «Natürlich hätte das Kunstfestival eine reizvolle Gelegenheit geboten, unsere Stadt im besten Licht zu zeigen», sagt Stadtpräsident Toni Brühlmann-
Jecklin (SP) auf Anfrage. Er könne die Bedenken der Parteien aber verstehen.

Die Arbeitsgruppe KiöR erwartete von der Stadt Schlieren laut Stadtratsbeschluss einen Beitrag von 180 000 bis 250 000 Franken für ihre Teilnahme. «Da das Parlament bereits für das Schlierefäscht rund 300 000 Franken gesprochen hat und nächstes Jahr andere grössere Ausgaben anstehen, fand die Mehrheit der Parlamentarier, dass wir uns einen so hohen Betrag nicht leisten können», sagt Brühlmann.

Parlament zweifelte am Einfluss

Ein weiteres Argument gegen eine Beteiligung am «Art and the City» lautet, dass wegen der zeitlichen Nähe zum Schlierefäscht unerwünschte Konkurrenzsituationen entstehen könnten — so etwa im Sponsoringbereich. Und schliesslich äusserten die Parteien am Feierabendgespräch auch die Befürchtung, dass der Einfluss der Stadt etwa auf die Wahl der Kunstwerke und deren Platzierung nur sehr gering wäre. Einzelne Stimmen monierten, dass die Stadt Zürich den Durchführungstermin mit Schlieren weit im Voraus abgesprochen hätte, wenn die Agglomerationsgemeinde als gleichberechtigte Partnerin hätte beteiligt werden sollen.

Dieser Einschätzung widerspricht Christoph Doswald von der Arbeitsgruppe KiöR: «Unsere Diskussion war noch sehr unverbindlich und hat sich auf rein informeller Ebene bewegt.» Die Frage, wie stark die Stadt Schlieren auf ihren Teil des Festivals hätte Einfluss nehmen können, wäre deshalb erst Gegenstand weiterer Absprachen gewesen, so Doswald.

Er bedauert, dass es nicht zur Zusammenarbeit kommt. Die Arbeitsgruppe KiöR befasst sich mit urbanistischen Transformationsprozessen in der Stadt Zürich, die auch Auswirkungen auf die umliegenden Gemeinden haben. Darum sei Schlieren auch zu einem Thema geworden, sagt Doswald: «Die Agglomeration und die Stadt stehen in einem wechselseitigen Verhältnis», erklärt er. Ausserdem habe Kunst im öffentlichen Raum in Schlieren bereits eine lange Tradition.

Aufmerksam wurde die Arbeitsgruppe auf Schlieren aber wegen der Arbeitsgemeinschaft Zürcher Bildhauer (AZB), die auf dem Gaswerkareal ihre Ateliers hat. Einige Künstler der AZB haben schon diesen Sommer im Rahmen von «Gasträumen 2014» auf der Wipkinger Terrasse in Zürich mitgemacht. Diese Zusammenarbeit will Doswald auch im Rahmen des «Art and the City» trotz der Absage des Schlieremer Stadtrats weiterführen. «Viele AZB-Künstler leben in Zürich und tragen mit ihrer Arbeit zur kulturellen Bereicherung der Stadt bei», sagt er. So oder so wolle er den Dialog mit der Schlieremer Stadtregierung aufrechterhalten.

Diese wäre indes erfreut, wenn im Rahmen des «Art and the City» dennoch Nischenaktivitäten in den Ateliers der AZB stattfänden, wie Brühlmann erklärt. «Auch eine Beteiligung an einem Festival in der nahen Zukunft ist für uns nicht ausgeschlossen.»