Schlieren
Stadt Schlieren kauft ein Renditeobjekt für 13 Millionen

Der Stadtrat will sicherstellen, dass an der Rütistrasse 12–14 Mieter einziehen, die dem Image der Stadt guttun. Vom erwarteten Mietzinsertrag von rund 1,6 Millionen Franken würden der Stadt jährlich rund 500 000 Franken Nettorendite zukommen.

Florian Niedermann
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Dieses Gebäude an der Rütistrasse im Schlieremer Zentrum könnte schon bald Eigentum der Stadt sein.

Dieses Gebäude an der Rütistrasse im Schlieremer Zentrum könnte schon bald Eigentum der Stadt sein.

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Das Angebot an Bauland und Immobilien im Schlieremer Zentrum wird immer knapper. Der Stadtrat will deshalb die Gunst der Stunde nutzen und das ehemalige Sonygebäude an der Rütistrasse 12-14 kaufen. Der heutige Eigentümer MGPA Europe Fund II bietet der Stadt die Liegenschaft im Stockwerkeigentum für 12,85 Millionen Franken an, ohne sie auf dem freien Markt auszuschreiben.

Verkauf: Haus und zwei Parzellen

Die Stadt Schlieren plant neben dem Kauf der Rütistrasse 12-14 ein weiteres Immobiliengeschäft: Sie wird ein Einfamilienhaus an der Engstringerstrasse 49 und die zwei anliegenden Bauland-Parzellen verkaufen. Der Verkaufspreis für das Haus aus dem Jahr 1897 mit 420 Quadratmetern Land beträgt mindestens 450 000 Franken. Der Zuschlag wird dem meistbietenden Interessenten erteilt. Die Stadt parzellierte rund 203 Quadratmeter vom ursprünglich 623 Quadratmeter grossen Grundstück ab und teilte diese dem anliegenden Bauland zu. Dieses wird nun in zwei Parzellen à 352 Quadratmeter aufgeteilt, die ebenfalls zum Verkauf stehen. Auf diese Weise entstehen zwei optimale Grundstücke für den Bau zweier Einfamilienhäuser, wie Liegenschaftsvorsteherin Manuela Stiefel (FDP) sagt: «Uns war es wichtig, dass der Einfamilien-Quartier-Charakter im Zelgli als Kontrast zu Zentrum und Überbauung am Rietpark erhalten bleibt.» Der Landpreis richtet sich nach dem geschätzten Verkehrswert und beträgt 900 Franken pro Quadratmeter. Die Käufer wählt die Exekutive aus, das Parlament genehmigt die Verkäufe abschliessend.

Das Gebäude soll zum Investitionsobjekt für das Finanzvermögen werden. Vom erwarteten Mietzinsertrag von rund 1,6 Millionen Franken würden der Stadt jährlich rund 500 000 Franken Nettorendite in die Kasse fliessen. Für die Finanzierung muss sie Fremdkapital aufnehmen.

«Start Smart» bestand vor Angebot

«Es ist eine Investition in die Zukunft», sagt Liegenschaftsvorsteherin Manuela Stiefel (FDP). Der Zweckbau aus den 1960er-Jahren ist sichtlich unternutzt. Zusammen mit dem kürzlich gegründeten Verein «Start Smart Schlieren» (Ausgabe vom 11. Juli) will die Stadt an der Rütistrasse innovativen Start-Ups günstige Arbeitsplätze anbieten, um neben dem NewTechClub und dem Bio-Technopark einen dritten Cluster in Schlieren anzusiedeln.

Der Kauf des Gebäudes steht mit der Vereinsgründung allerdings nicht in direktem Zusammenhang, wie Stiefel sagt: «‹Start Smart› bestand bereits, als der Eigentümer des Gebäudes uns sein Verkaufsinteresse anmeldete.» Natürlich spiele sein Angebot dem Stadtrat bei seinen Plänen aber in die Hände.

Falls nebst der Ansiedlung des neuen Clusters längerfristig Platz vorhanden wäre, würde die Stadt Teile des wachsenden städtischen Verwaltungsbetriebs darin auslagern, wie Stiefel erklärt.

Generell sind die Behörden interessiert daran, Liegenschaften östlich der neuen Sony-Überbauung nicht dem freien Markt zu überlassen: Die Stadt Zürich ist dort mit rund 300 000 Quadratmetern Land die wichtigste Eigentümerin. Sie bewirtschaftet diese Fläche mit Baurechten, die ab 2040 auslaufen.

Die Baurechtsnehmer werden deshalb in den verbleibenden Jahren nur noch das Minimum an Unterhaltsarbeiten an ihren Gebäuden vornehmen. «Es ist zu befürchten, dass diese Tatsache schwierige Nutzer und Mieter anziehen wird», sagt Standortförderer Albert Schweizer. Die Stadt will aber Mieter an der Rütistrasse 12-14 ansiedeln, die dem Image der Stadt guttun. Mit dem Medizinal-Technologie-Entwickler Virtamed und anderen Einzelfirmen ist dies in jüngster Vergangenheit bereits gelungen.

Der Kaufvertrag mit MGPA Europe Fund II besteht als Entwurf bereits. Das Gemeindeparlament soll ihn bis Ende September 2013 genehmigen, damit der Handwechsel per Ende März 2014 erfolgen kann. In der Zwischenzeit stehen dem Stadtrat Verhandlungen mit der Baurechtsgeberin Stadt Zürich bevor. Sie stellte in ersten Verhandlungen einen Verkauf des Baurechts unter gewissen Bedingungen in Aussicht.

Das Geschäft mit dem Eigentümer der Liegenschaft an der Rütistrasse bedarf einiger Abklärungen und Gutachten. Die Ausgaben dafür sind in der laufenden Rechnung nicht budgetiert. Der Stadtrat bewilligt daher einen Zusatzkredit über 30 000 Franken.