Schlieren

Stadt muss Amtsbeistandschaft aus Dietikon zurückholen

(Archivbild)

«Der Wiederaufbau einer Amtsbeistandschaft wird viel kosten», meint Robert Welti (EVP), Sozialvorstand

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Das Parlament lehnt den stadträtlichen Antrag auf Anschluss an das Dietiker Mandatszentrum klar mit 25 zu 6 Stimmen ab. Das Parlament folgte mit der Ablehnung der Empfehlung der Rechnungsprüfungskommission (RPK).

Der Schlieremer Stadtrat darf die Verwaltung seiner Amtsbeistandschaften nicht ins Mandatszentrum in Dietikon auslagern. Das Parlament lehnte gestern Abend einen entsprechenden Antrag auf Genehmigung des Anschlussvertrages für zwei Jahre und damit verbundene Ausgaben von rund 580 000 Franken mit 25 zu 6 Stimmen klar ab.

Da das Dietiker Mandatszentrum infolge eines Stadtratsentscheids bereits seit letztem Dezember die Schlieremer Amtsbeistandschaften als Übergangslösung führt, muss nach dem Entscheid des Parlaments nun wieder eine eigene Verwaltungseinheit aufgebaut werden. Diese sollte bereits am 1. Juli ihre Arbeit aufnehmen. «Der Wiederaufbau wird viel Geld kosten», warnte Sozialvorstand Robert Welti (EVP) vor dem Entscheid.

RPK kritisierte zu hohe Kosten

Das Parlament folgte mit der Ablehnung der Empfehlung der Rechnungsprüfungskommission (RPK). Diese begründete die Ablehnung damit, dass die Beteiligung am Dietiker Mandatszentrum Schlieren gemäss Vollkostenrechnung jährlich 291 000 Franken kostet. Dies sei teurer als die 140 Stellenprozente, die für die Betreuung der Schlieremer Fälle nötig wären.

Die Stadt verzeichnete 2012 gerade einmal 38 umfassende Beistandschaften, die von Fachpersonen vollzogen werden. Die meisten Bebeiständeten würden aber von Laien betreut. Dennoch bezahle die Stadt gegenüber den anderen dem Mandatszentrum angeschlossenen Gemeinden verhältnismässig viel, so RPK-Präsident Jürg Naumann (QV), weil der Kostenschlüssel nicht nur auf die Zahl der Fälle, sondern auch auf die Bevölkerungszahl abstütze. Weiter befand die RPK, dass sich das bisherige Modell mit der Laienbetreuung bewährt habe. Und schliesslich kritisierte die RPK auch, dass der Stadtrat die Vorlage bereits vor einem Jahr hätte dem Parlament unterbreiten müssen. «Nun sehen wir uns vor die Tatsache gestellt, dass das Mandatszentrum faktisch bereits in Dietikon ist», so Naumann.

Welti entgegnete der RPK, dass es widersinnig sei, erneut eine Amtsbeistandschaft in Schlieren zu errichten, denn die als Übergangslösung vollzogene Auslagerung nach Dietikon funktioniere gut. Ausserdem sei es schwierig, wieder Personal für eine eigene Verwaltungseinheit zu finden. Der Job sei nun wenig attraktiv, weil man stark an die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) gebunden sei und über wenig eigene Entscheidungskompetenz verfüge.

In Zukunft werde es auch in Schlieren schwerer, private Beistände zu finden, so Welti: «Dann werden auch wir vermehrt auf Fachpersonen setzen müssen.» Es werde sich auszahlen, dass man derzeit verhältnismässig viel berappe.

Welti stellte in seiner Antwort in Aussicht, dass die Beteiligungskosten für Schlieren sinken werden. Dies, weil er im kommenden Budgetprozess der Stadt Dietikon entsprechende Änderungen erwirken wolle. Eigentlich wäre dies bereits vor einem Jahr möglich gewesen. Doch damals habe er es versäumt, wofür er sich entschuldige, so Welti.

In der anschliessenden Debatte sprachen sich nur SP/Grüne für die Vorlage aus. Pascal Leuchtmann (SP) erklärte, seine Fraktion ziehe es vor, während der zweijährigen Probezeit eine Lösung zu erarbeiten, und in dieser Zeit die Vollkosten zu tragen. Das sei besser, als nun die aufwendige Rückorganisation der Amtsbeistandschaftsbehörde vorzunehmen, die ebenfalls viel Geld koste.

Bürgerliche gegen Anschluss

SVP, FDP, CVP und EVP stellten sich klar hinter den Ablehnungsentscheid der RPK. Die Votanten führten insbesondere die hohen Kosten der Auslagerung ins Feld. Boris Steffen erklärte zudem, dass die SVP/JSVP nicht glaube, dass sich für eine Amtsbeistandschaftsbehörde keine Angestellten finden liessen: «Auch wenn die Zusammenarbeit mit dem KESB eng ist, so wird der Schlieremer Verwaltung sicher Mitspracherecht gewährt.»

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